Aktuelle Einschätzung zum Basiswert Braugerste
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 19. August 2009, 12:00 Uhr
ENL5462
*** Als Rohstoff-Trader habe ich auch die Braugerste im Visier.
Doch dies nicht als Trader, sondern einfach „aus Interesse", denn vernünftige Scheine gibt es auf diesen Basiswert (noch?) nicht.
Braugerste, der Name sagt es schon (auch Sommergerste genannt): Sie ist notwendig für unser aller täglich Brot, das Bier.
Denn Malz wird aus Braugerste hergestellt. Dies geht so: Die Gerste keimt einige Tage und wird dann getrocknet, das geschieht in einer Mälzerei. (Wäre doch auch mal ein schöner „Sendung mit der Maus"-Beitrag).
Vor ca. zwei Jahren gab es in Deutschland eine sehr schlechte Braugersten-Ernte. Gleichzeitig gab es in Australien (wichtiges Importland für Braugerste!) eine Dürre. Nachschub an Braugerste drohte knapp zu werden. Der Kurs selbst von Weizen-Zertifikaten ohne hohen Hebel verdoppelte und verdreifachte sich. Das sehen Sie sehr schön bei diesem Chart des Weizenpreises:
Weizenpreis (Chicago) der letzten 5 Jahre
Bei den Normalsterblichen kam die Braugersten-Knappheit nicht an, da die Mälzereien auf Lagerbestände zurückgreifen konnten. Damit ließ sich die Zeit bis zur nächsten Ernte überbrücken - und das war dann wieder eine mehr oder weniger normale Ernte. Alles in Ordnung.
*** Wie ist die Lage derzeit?
Der Vorsitzende eines fränkischen Braugerstevereins brachte es auf den Punkt:
"Die Bestände, die wir heute besichtigt haben, waren eine Augenweide. Wenn ich aber den Preis dafür sehe, blutet mir das Herz."
(Quelle: Frankenpost. Ja, was der Trader´s Daily so für Quellen hat.)
Klartext: Dieses Jahr sehr gute Ernte in Mitteleuropa. Auch keine Dürre in Australien, von dort wird ebenfalls fleißig importiert.
Das Angebot ist also reichlich.
Die Nachfrage verhalten.
Und dies drückt, wie jeder Rohstoff-Trader weiß, tendenziell auf den Preis.
Freut uns als Konsumenten des flüssigen Brotes, doch gleichzeitig möchte man den Bauern ja auch einen fairen Preis für ihre ehrliche Arbeit bieten.
Und hier könnte die „unsichtbare Hand" (Adam Smith) ins Spiel kommen:
Durch die gute Ernte könnte nun reichlich Bier gebraut werden. Wenn nur die Nachfrage da wäre! Doch der Konsum pro Kopf geht zurück.
Weitere Gerste-Überschüsse könnten in Biogasanlagen zu Energie und Wärme verarbeitet werden (dann verringert sich auch die Abhängigkeit vom russischen Erdgas ein bisschen). Der Preis für Braugerste könnte dann auf vielleicht 20 Euro je Doppelzentner steigen, beim Bierpreis wären das vielleicht einige Cent je Kasten mehr, Ernte wäre gut verwertet und alle wären froh.
Was man tun kann, das möge man tun.
Vielleicht mal wieder ein gemütlicher Abend zu Hause?
Für Ihre Kooperation dankt und verbleibt in heiterer Gelassenheit,
Ihr
Michael Vaupel
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