Aktuelle Einschätzung zu Gold
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 2. März 2009, 12:00 Uhr
ENL5462
*** Ein paar Worte zu Gold.
Dazu zunächst ein paar Zahlen, die ich zur Nachfrage der „Gold ETFs" zusammengetragen habe.
(Gold ETF, kennen Sie ja - falls nicht: Vereinfacht gesagt ist ein Gold ETF ein Schein, mit dem Sie auf Gold setzen können, und zwar ist dieser Schein durch physisches Gold gedeckt und dadurch sicherer als andere Zertifikate.)
Die Gold-Nachfrage der ETFs ist am Gold-Markt ein ganz neuer Faktor, den es vor ein paar Jahren noch nicht so gab. Ja, genau das ist der zentrale Punkt: Vor ein paar Jahren gab es schlicht und einfach noch überhaupt keine Nachfrage nach Gold von Seiten der ETFs. Jetzt gibt es diese Nachfrage, und sie hat derzeit eine starke Dynamik und hat auch ein absolut gesehen signifikantes Niveau erreicht.
Dieser „neue Faktor" gleicht derzeit einen Rückgang der industriellen Nachfrage nach Gold aus.
Und dieser „neue Faktor" hat eine wirklich starke Dynamik: Alleine im vierten Quartal 2008 kauften Gold ETFs rund 96 Tonnen Gold. Das ist schon mehr als die gesamten Goldreserven Australiens.
Und insgesamt hatten die Goldbestände aller Gold ETFs weltweit Ende 2008 die Summe von 1.090 Tonnen Gold erreicht - Rekordniveau. (Quelle: World Gold Council)
China und Russland gehören mittlerweile zu den größten Goldförder-Ländern der Welt. Sie sehen die Zeichen an der Wand und verkaufen nicht mehr ihre gesamte Förderung, sondern horten. Russland soll sogar auf dem internationalen Markt Gold hinzukaufen!
Meiner Einschätzung nach machen diese Staaten das nicht, um das Gold schnell wieder abzustoßen. Sie werden es horten.
China und Russland werden wahrscheinlich nicht so dumm sein, wie es die britische Regierung in den Jahren 1999 bis 2002 war. Da entschloss sie sich, einen großen Teil des britischen Gold-Staatsschatzes zu verkaufen. Damals mit der Begründung: Diese nicht zinsbringenden Bestände in Anleihen zu tauschen.
Damals verkaufte die britische Regierung knapp 395 metrische Tonnen Gold für rund 275 Dollar je Feinunze.
Ob sich da heute jemand ärgert, dass der Staatsschatz damals zu diesem Preis verscherbelt wurde?
*** Ich bin aber kein Gold-Bulle „per se".
Dazu ein Auszug aus dem letzten Strategiepapier meines Premium-Dienstes Rohstoff Signale (wie üblich gebe ich nur dort konkrete Empfehlungen, derzeit z.B. auf drei verschiedene Gold-Investments):
„Vielleicht wird es Sie überraschen, aber auf sehr kurzfristige Sicht bin ich für den Goldpreis nun bearish, d.h. pessimistisch. Die Marke von 1.000 Dollar je Feinunze hat sich als harter psychologischer Widerstand erwiesen. Und die Kommerziellen (wie Goldminen) haben die Preise in dieser Region umgehend zu Verkäufen genutzt. Für mich ein Zeichen dafür, dass es nun erstmal noch einen Rückschlag auf mindestens 900 Dollar gibt, bevor dann ein erneuter Versuch gestartet wird. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin davon überzeugt, dass diese Marke fallen wird - mittel- und langfristig bin ich für den Goldpreis sehr bullish. Dafür sorgt alleine schon die Tatsache, dass in den USA die Zentralbank fast so schnell sie kann neues Geld aus dem Nichts schafft. In den letzten drei Monaten ist die Geldmenge M1 dort um 34% gegenüber dem Vorjahreswert gestiegen."
Fazit meiner Einschätzung für Gold: Kurzfristig Korrektur. Mittel- und langfristig sehr bullish.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Ihr
Michael Vaupel
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