Aktienstrategien: Der Ausstieg ist das Entscheidende
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 29. Juli 2008, 18:00 Uhr
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Liebe Leser,
Wackel- oder Zitter-Börsen sorgen in der Regel beonders für eines: Verluste bei verfrühten Aktien-Einstiegen.
Es sind gute Verluste, wenn Sie sie rechtzeitig begrenzen. Es sind schlimme Verluste, wenn Sie erst bei einem Minus von 30% darüber nachdenken, wieder auszusteigen. Und es sind katastrophale Verluste, wenn Sie einfach nicht mehr hingucken und die Aktie fällt weiter und weiter...
Einstieg nur mit Fallschirm
Ich sage es immer wieder: Einstiegschancen gibt es täglich an der Börse. Das Entscheidende ist die Strategie dahinter, insbesondere die Ausstiegs-Strategie.
Sie sollten also vor einer Investition wissen, wann Ihre ursprüngliche Idee doch nicht ganz richtig war. Das muss noch nicht einmal heißen, dass Ihre Ursprungs-Idee oder Analyse in der Tat falsch war, nur eben dass die Masse der Marktteilnehmer die Dinge etwas anders sieht.
Und das ist noch nicht einmal so flapsig gemeint, wie es vielleicht klingt. Märkte (vielmehr die Markteilnehmer) verhalten sich einfach in vielen Phasen irrational...
Die Idee
Beispielweise haben Sie die „Idee", dass Porsche jetzt vom Hoch bei 180 Euro genug gefallen sei, in der Spitze waren es schließlich über 50%, die der Kurs seit Ende letzten Jahres einbüßen musste.
Daneben denken Sie sich, dass Porsche auch langfristig einen Vorteil davon haben wird, wenn sie sich Volkswagen einverleiben wollen / werden...
Schlussendlich ist es ja auch nicht mehr zeitgemäß, dass ein voll ausgefahrener Porsche Cayenne auf 100 km ganze Tankladungen (eines Kleinwagens) verschluckt. Auf Sicht, denken Sie, werden da sicherlich viele clevere Ingenieure eine ebenso clevere Lösung finden.
Die Strategie
Bei den aktuellen Kursen bei etwa 95 Euro (so kurz vor der 100er Marke...) sehen Sie eine passende Gelegenheit für den Einstieg.
Und jetzt kommt der Punkt, über den Sie sich jetzt genau in diesem Moment der Überlegungen, im Klaren sein müssen:
Ab wann war die Idee nicht ganz richtig?
Anders ausgedrückt: Wann sagt Ihnen der Chart, dass die Idee oder der Zeitpunkt falsch war?
In diesem Fall ist es charttechnisch ziemlich einfach. Das letzte Tief liegt bei 85 Euro, also läge ein sinnvoller Stopp etwas darunter, bei etwa 84 Euro; also etwa 12% unter den aktuellen Kursen.
Mit einem durchdachten Money Management und einem diversifizierten Depot (dazu sicherlich in späteren Artikeln mehr) sind 12% in einem Einzelwert eine verkraftbare Größe.
Was aber wird passieren, wenn Sie jetzt einsteigen und die Porsche-Aktie fällt tatsächlich auf 84 Euro?
Dann wird sich der typische Kleinanleger denken:
„Ja, gut. Der Gesamtmarkt ist ja auch gefallen und wird sich bald erholen. Der Auto-Sektor musste besonders leiden, da steht Porsche noch ganz gut da. Außerdem haben die bei Porsche gesagt, dass der Sprit-Verbrauch in den nächsten Modellen erheblich gesenkt werden soll. Also bleibe ich noch investiert. Die müssen ja bald wieder steigen..."
Sie glauben gar nicht, wie oft ich so eine oder eine ähnliche Story schon gehört habe.
Und wenn ich ganz ehrlich bin: Sie glauben auch nicht, dass auch ich manchmal dem Irrglauben erlag, es besser als die Börse machen zu wollen...
„Ich bin doch hier der schlaue Analyst und weiß es besser. XY-Aktie muss wieder steigen, den Stopp brauche ich hier nicht. Die werden sich noch wundern, wie das Ding abgeht. Und da will ich den steigenden Kursen nicht hinterher laufen" sagte ich mir selbst.
Totaler Käse.
Das fast schon Logische und das ist mein voller Ernst: Immer wenn ich meine Stopps nicht beachtete, machte ich Verluste (auch wenn ich vorher schon im Gewinn lag, das ist dann besonders schlimm). Und immer wenn ich meine Trailing Stopps beachtete, realisierte ich Gewinne. Das ist Fakt. Zurück zu Porsche:
Führen Sie Ihre Überlegungen nicht ad absurdum
Egal ob Porsche oder eine andere Aktie: Wenn ein Wert unter den von Ihnen definierten Stopp fällt, dann verkaufen Sie! Sonst macht ja die ganze vorherige Überlegung keinen Sinn.
Jetzt nehmen wir mal an - das ist hier übrigens nur ein Beispiel - Porsche fällt ausgerechnet genau bis auf 84 und steigt gleich danach wieder an. Ich halte es zwar für unwahrscheinlich, dass sich die Aktie ausgerechnet Ihren Stopp aussucht, um Sie danach mit wieder steigenden Kursen zu ärgern, aber ok, shit happens.
Wer sollte Sie daran hindern, bei einer charttechnisch entsprechenden Konstellation wieder einzusteigen? Zum Beispiel bei 87 oder 90 oder meinetwegen sogar ein weiteres Mal bei 95 Euro?
Wenn sich an Ihren Grundbedingungen nichts geändert hat, dann kann diese Vorgehensweise durchaus richtig sein.
Dass ein Wiedereinstieg sogar recht lukrativ sein kann, habe ich gestern im Investors Daily Update am Beispiel der Continental-Aktie dargestellt. Den Beitrag finden Sie hier: Charttechnik Continental
Charttechnik kann zur Sucht werden...
Eigentlich wollte ich den Beitrag hier schließen, aber etwas fesselte mich an dem Porsche-Chart. Allerdings brauchte ich ein bisschen Zeit, um herauszufinden, was dies war. Aber ich wurde fündig.
Natürlich können Sie mit der Porsche-Aktie machen, was Sie wollen. Allerdings habe ich ein wirklich schönes Wenn-Dann-Szenario gefunden, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Morgen dazu mehr. Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
PS: Lesen Sie bitte nächsten Beitrag. Da geht es zwar nicht um Ihre Finanzen, sondern um das zweitwichtigste Thema: Ihre Gesundheit...
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