Aktienoptionen: Die ernsten Konsequenzen
unserem Korrespondenten Addison Wiggin in Investors Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 25. September 2002 18:00 Uhr
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"Wie so oft, hat die Politik über Prinzipien gewonnen", so Joseph Stiglitz, der damit nicht die Wahl in Deutschland meint, sondern über seine Beteiligung an der größten Spekulationsblase der Geschichte redet.
In der kommenden Oktober-Ausgabe eines US-Magazins wird Stiglitz über Aktienoptions-Pläne schreiben. Stiglitz ist Wirtschafts-Nobelpreisträger und war Vorsitzender der Wirtschaftsberater des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton.
Mein Kollege Bill Bonner hat schon im Mai 2000 geschrieben, dass "Kapitalisten wieder einmal von den Arbeitern ausgebeutet werden. Das Management kann die Basispreise für Aktienoptionen, die an Mitarbeiter verteilt werden, frei wählen. Bei fallenden Kursen können sie einfach nach unten angepasst werden. Als Investor kann man die Kurse seiner Aktien jedoch nicht so einfach anpassen. Das kann nur der Markt – und der passt die Kurse nach unten an."
Porter Stansberry schrieb letzen Juli einen Artikel über die Firma Maxim Integrated Systems: Dort sei das Ziel des Managements nicht mehr das Herstellen wettbewerbsfähiger Produkte – vielmehr sei das Management hauptsächlich damit beschäftigt, komplizierte Bilanzierungspraktiken auszutüfteln, damit die Aktionäre nicht merkten, wie viel Geld das Management sich selbst durch Aktienoptionen und Sonstiges zuschustert. Die Aktien der Firma haben seit dem Bericht übrigens 41 % verloren.
Jetzt machte Stiglitz ein überraschendes Geständnis ... trotz der Drohungen von Seiten der Regierung, alle "schlechten Vorstandsvorsitzenden" hinter Gitter bringen zu wollen, war es gerade die Regierung selbst, die den Unternehmen die Nicht-Bilanzierung von Aktienoptionen erlaubt hat! "Das US-Finanzministerium hat ein Schreiben an die für Bilanzierungsfragen zuständige Behörde gesendet", so Stiglitz, "in dem gegen die Bilanzierung von Aktienoptionen Stellung genommen wird. Die Behörde stimmte schließlich zu. Wie die Ereignisse der letzten Monate gezeigt haben, war dies ein Fehler."
"Aktienoptionen und vergleichbare Kompensationen haben sich als sehr problematisch erwiesen", so Stiglitz, "mit ernsten Konsequenzen." Meine Prognose: Während die Luft weiter aus der Spekulationsblase entweicht, werden wir noch mehr von diesen "ernsten Konsequenzen" sehen ...