Aktienmarkt in China
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 13. Oktober 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
als Charttechniker interessieren mich zwar auch fundamentale Hintergründe. Die wichtigste Rolle spielt allerdings die Entwicklung der Kursverläufe selbst. Gestern hatten wir das Thema China und Baisse bei chinesischen Aktien. Dazu habe ich Ihnen heute eine kleine Analyse mitgebracht. Im Chart unten sehen Sie den gestern erwähnten Shanghai-Index im Wochenchart (eine Kerze steht also für eine Woche). Wie geht es dort weiter?
Shanghai-Index im Wochenchart
In den letzten fünf Jahren hat sich in diesem Index ein riesiges Dreieck gebildet. Innerhalb dieses Dreiecks bildete sich im August 2009 ein vorläufiges Erholungshoch. Seitdem fällt der Index mit moderater Geschwindigkeit. Erst kürzlich löste der Wochen-Stochastik-Indikator ein Verkaufssignal aus, was den Start einer neuen Verkaufswelle bedeuten dürfte. Der Index befindet sich in einem intakten dreijährigen Aufwärtstrend.
Aber: Das Dreieck bringt es mit sich, dass sich der Shanghai-Index gleichzeitig in einem intakten fünfjährigen Aufwärtstrend befindet. Die nächste Verkaufswelle könnte also durchaus an der Aufwärtstrendlinie bei ca. 2200 Punkten enden - gut 15 Prozent unter dem aktuellen Niveau. Danach wird es wirklich spannend: Bricht der Index nach oben oder nach unten aus dem Dreieck aus?
Dieser Ausbruch dürfte dann die Kursrichtung für die nächsten JAHRE vorgeben. Und da der Shanghai-Index oft auch ein Vorläufer für die westlichen Börsen war, ist diese Entscheidung selbst für unseren DAX von großer Bedeutung (wenn auch mit möglicherweise mehreren Monaten Zeitverzögerung). Es lohnt sich also, immer mal wieder über den Tellerrand hinauszuschauen.
Sicher wird die Ausbruchsrichtung entscheidend davon beeinflusst, ob die chinesische Regierung das Wachstum abwürgt oder ob ihr eine moderate Abkühlung gelingt, ohne dass die Immobilien- und Finanzblasen bereits jetzt Platzen (irgendwann werden sie es sowieso tun). Aber die Informationen darüber sind zum gegebenen Zeitpunkt vollständig im Chart enthalten. Es bedarf dann nicht zwangsläufig einer weiteren Nachrichtenschau. Neugierig wie ich bin, verfolge ich diese natürlich trotzdem.
Herzliche Grüße und viel Erfolg,
Ihr Henrik Voigt.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Werner Bläser (13.10. 2010 11:06 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, es gibt in China keine Immobilien-blase, die mit denen in USA und Teilen Westeuropas vergleichbar wäre. Dies ist ein Phantasiekonstrukt von schlecht informierten westlichen Kommentato-ren. Die Unterschiede darzulegen, sprengt hier den Rahmen, man sollte sich aber einmal genauer ansehen, dass nur die obersten Preissegmente des chin. Marktes Anzeichen einer Blase aufweisen, der real estate Markt in China (ausser in Hongkong) nicht die überragende Bedeutung wie in USA hat, und dass die chinesische Sparquote Welten über der normalen amerikanischen liegt (volkswirtschaft- liche "Pufferwirkung"). Zudem repräsen-tieren die Indices von Shanghai und Shenzhen aus verschiedenen Gründen nur begrenzt die chin. Wirtschaft als ganzes, ja nicht einmal den ganzen chin. Aktienmarkt. Wenn Sie sich den Hang Seng betrachten, der viel eher eine Vorlauffunktion für uns hat, kommen Sie zu einem viel bullischeren Bild. Mit freundlichen Grüssen, Bläser
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