Aktienmärkte: Rückkehr zu Value-Aktien?
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 29. Juni 2009, 08:00 Uhr
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In den vergangenen 24 Monaten hat die durch den US-Investor bekannt gewordene Value-Strategie ihre Jünger nicht sehr beglückt. Obwohl die Aktienmärkte deutlich korrigierten und dabei vor allem traditionell Wachstumsaktien nach unten zogen, konnten die so genannten Value-Aktien kaum dagegen halten und verloren zum Teil sogar deutlicher als Tech-Aktien. Im der kurzen, aber starken Erholungswelle der vergangenen 3 Monate legten die Titel aber überdurchschnittlich zu und gemessen an der Diskussion um die künftige Stabilität der Gewinnvorhersagen könnten die Value-Investoren in den kommenden Monaten wieder ein Comeback erleben. Anleger, die mit längerem Horizont und realistischer Erwartungshaltung in den Aktienmarkt investieren, fuhren damit vom Prinzip her nicht schlecht. Während die Value-Aktien in ihren Schwächephasen um durchschnittlich 10 Prozent schlechter abschnitten als der Durchschnitt des Marktes, schnitten sie umgekehrt in bevorzugten Jahren um 17 Prozent besser ab als der Marktdurchschnitt. Für eine künftige Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt spricht vor allem das sich Value-Aktien in Rezessionen statistisch gesehen besser entwickeln als Wachstumswerte. Typische Merkmale von Value-Aktien sind niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und niedrige Kurs-Buch-Verhältnisse (KBV). Zudem handelt es sich um Unternehmen, die zumeist eine hohe Dividendenrendite ausweisen. Die Dividendenrendite spiegelt das Verhältnis zwischen Börsenkurs und Gewinnausschüttung wieder.
Hohe Dividendenrendite nicht immer positiv
Das Kriterium hohe Dividendenrendite muss aber nicht immer ein positives Zeichen sein. Bestes Beispiel ist im DAX die Aktie der Deutschen Telekom, die im ersten Halbjahr dieses Jahres zeitweise eine Dividendenrendite von über 10 Prozent aufwies, durch eine Gewinnwarnung im April im Laufe der letzten Wochen im Vergleich zum Jahresende 2008 aber mehr als 30 Prozent nachgab. In kritischen Börsenphasen wie aktuell kann eine hohe Dividendenrendite also ein Hinweis auf eine bevorstehende Kürzung der Dividende sein. Im Geleitzug des realwirtschaftlichen Abschwungs steigt die Unsicherheit darüber, welche Unternehmen künftig in der Lage sein werden, ihre Dividendenzahlungen weiter zu steigern oder zumindest zu halten. An den Terminmärkten, die Dividendenzahlungen unabhängig von den Aktien über sogenannte Swaps handeln, werden die Erwartungen für die absehbare Zukunft derzeit stark gedämpft.
Negative Übertreibung offensichtlich
Ein Blick auf den aktuellen Datenkranz der im EuroStoxx50 notierten Unternehmen zeigt, dass der Markt davon ausgeht , dass die Gewinne der Firmen bis 2010 fast um zwei Drittel einbrechen werden. Danach soll der Gewinnanstieg in den kommenden Jahren nur noch knapp2 Prozent betragen. Die letzte vergleichbare scharfe Rezession in den dreißiger Jahren lieferte aber nach dem Ende des stärksten Gewinneinbruchs Mitte des Jahrzehnts einen jährlichen Gewinnanstieg von 17 Prozent. Mit der Baisse des Jahres 2008 wurde schon ein Großteil des scharfen Gewinnrückgangs in die Aktienkurse eingepreist. Papiere, die nach der Berichtssaison des dritten Quartals noch eine hohe Dividendenrendite aufweisen, dürften daher für konservative Investoren sehr attraktiv sein. Gegen einen weiteren, drastischen Gewinneinbruch spricht die nach wie vor niedrige Ausschüttungsquote von 40 Prozent. Das lässt für die nähere Zukunft genügend Spielraum für positive Überraschungen. Viele Vorstände sind bereits dazu übergegangen, einen großen Anteil ihrer Erträge an die Aktionäre auszuschütten, um die Anleger bei der Stange zu halten. Auf diese Weise wird versucht, die Schwankungen des Aktienkurses zu verringern.
Suche nach niedrig bewerteten Titeln geht weiter
Die Rückkehr zu Aktien aus den Branchen Ernährung, Versorger und Telekommunikation dürfte sich vor dem geschilderten Hintergrund fortsetzen. Eine hohe Dividendenrendite ist dabei nur ein Kriterium des Ausleseprozesses. Entscheidend ist, ob das Unternehmen die prognostizierte Dividende am Stichtag auch leisten kann. Um eine erfolgreiche Dividendenstrategie umsetzen, benötigt ein Anleger deshalb noch andere wichtige Fakten. Hierzu gehört die Dividendenpolitik des zu analysierenden Unternehmens in der Vergangenheit, die Gewinn- und Kursentwicklung, die Situation des aktuellen Cash-Flows und die Krisenfestigkeit der Kapitalstruktur. Gestaltet sich dieser Datenkranz durchweg positiv, sollte einem Kursanstieg auf mittlere bis lange Sicht nichts im Wege stehen.
Respol zeigt Stärke
Zu den wenigen Werten im DJ Eurostoxx50, die sich in den vergangenen Tagen wieder etwas nach oben absetzen konnten, gehört der spanische Öl- und Versorgerwert Repsol. Vom Tief im März bei 11,26 Euro konnte die Aktie bis auf 17,13 Euro Anfang Juni zulegen. Die aktuelle Korrektur wurde am vergangenen Donnerstag knapp oberhalb von 15 Euro beendet, am Freitag folgte ein erneuter Anstieg über die steigenden 38- und 50-Tage-Durchschnitte in Richtung 16 Euro. Die noch leicht fallende 200-Tage-Linie wurde ebenfalls überwunden und der überverkaufte Bereich der Slow Stochastik verlassen. Da die Aktie zudem wieder deutlich über ihrem Jahresschlussstand von 2008 bei 14,96 Euro notiert, gehört sie zur Halbjahresbilanz 2009 in jedem Fall zu den Gewinnern im DJ Eurostoxx50. Aus kurzfristiger Sicht sollte deshalb ein erneuter Anstieg bis an den Widerstandsbereich bei 17,10 Euro folgen, bevor es zu einer weiteren, kurzen Atempause in dem Titel kommt. Vor dem Hintergrund der wieder zunehmenden Risikoscheu von institutionellen Investoren bestehen für die als eher konservativ geltende Repsol-Aktie gute Kursentwicklungschancen.
