Aktienmärkte demonstrieren weiter Gelassenheit
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Börse
vom 4. April 2011, 14:30 Uhr
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der Wind hat sich gedreht, nicht nur in Japan, auch der Wind in Berlin. Für die Millionenstadt Tokio bedeutet das, dass in den nächsten Tagen radioaktive Partikel von Fukushima mit dem Wind zu ihr kommen wird. Für Berlin bringt der Kurswechsel rauen Wind und "politische Neuerungen". Guido Westerwelle hat den Richtungswechsel als solchen anerkannt und seinen Rücktritt als Parteichef der liberalen FDP bekannt gegeben. Es sei an der Zeit für einen "Generationenwechsel" - Osterwelle statt Westerwelle?
Weniger gut voran mit großen Veränderungen zum Guten kommt man derzeit hingegen im AKW Fukushima I. Drei Wochen nach dem verheerenden Beben an Japans Nordostküste mit Tsunami und Kernkraftwerk-Havarie kämpfen noch immer 400 Männer darum das Schlimmste zu verhindern. Dabei ist nicht mal mehr auszuschließen, dass es längst einen Super-Gau gab. Nicht mal ein 20 Zentimeter breiter Riss, durch welchen hochradioaktives Wasser ins Meer sickert, kann geschlossen werden. Irgendwie scheint nichts klappen zu wollen. Und nun dreht auch noch der Wind in Richtung Tokio.
Beständigkeit findet man derzeit nur auf dem Börsenparkett
Da freut man sich doch, wenn wenigstens der Börsenwind nicht wieder dreht. Die Aktienmärkte bieten uns derzeit jene Beständigkeit, nach der sich viele so sehr sehnen. Unglaublich eigentlich, haben die Akteure an diesem Schauplatz derzeit doch unglaublich viele Belastungsfaktoren zu verarbeiten. Denn mal ehrlich, weder aus Japan noch mit Blick auf die europäische Schuldenkrise gibt es positive Nachrichten zu verkünden. Und auch der Ölpreis klettert munter weiter. In der Spitze stieg der Preis für ein Barrel der Nordseemarke Brent auf 119,75 Dollar, so hoch wie seit August 2008 nicht mehr. Und obendrein dreht die EZB nun auch noch am Geldhahn. Die Europäische Zentralbank wird in dieser Woche aller Voraussicht nach am Donnerstag den Leitzins von 1 auf 1,25% erhöhen. Was will uns das sagen?
Nun, man kann das sehr gut am Verhalten der Börsenakteure ablesen: Sie bleiben gelassen. Sie begreifen die Bedeutung dieses Zinsschrittes. Denn er zeigt, dass sich die EZB trotz der Krise der irischen Banken, für die der jüngste Belastungstest einen Kapitalbedarf von 24 Mrd. Euro dokumentiert hat, und trotz der japanischen Katastrophe auf die Sicherung der Preisniveaustabilität konzentriert.
Selbst "böse Zungen" bringen keine Nervosität in die Märkte
Die Reaktion: Der deutsche Aktienindex klettert in der vergangenen Woche um rund 3,5% und überspringt mit Leichtigkeit die 7000-Punkte-Marke. Auch die Aktienindizes in den USA liegen bereits wieder über dem Stand vom Tag des Erdbebens in Japan.
Bleibt nur zu hoffen, dass ein am Wochenende hoch köchelndes Gerücht, dass laut "anonymer" Quelle der IWF eine Umschuldung Griechenlands für unumgänglich hält, als haltlos erweist. Denn derzeit ist nur deshalb Ruhe in Europa eingekehrt, weil die Gläubiger von Staaten wie Griechenland, Spanien, Portugal etc. davon ausgehen, dass ihre Gläubiger im Grundsatz solvent, nicht aber überschuldet sind. IWF und EU sorgen mit ihren Stabilisierungspaketen nur für vorübergehende Liquidität. Und durch Einsparungen machen sich die Schuldenländer selbst fit, um sich später wieder aus eigener Kraft finanzieren können. Sollte der IWF nun tatsächlich eine Umschuldung Griechenlands ins Spiel bringen, wäre das ein Paradigmenwechsel, der auch wieder für etwas ruppigeren Wind auf dem Börsenparkett sorgen könnte.
Doch bleiben sie ruhig. Bislang gilt dieses Gerücht als unbestätigt. Mehr noch, der IWF und auch die griechische Regierung sollen offiziell dementiert haben. Und was machen DAX und Co? Sie halten sich stabil, der deutsche Leitindex heute bei knapp 7.185 Punkten. Also, alles im Lot.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Börsenwoche.
Ihre
Cindy Bach