Aktienjahr 2011: Crashprophet meint pfui, Vermögensverwalter sagen hui
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 30. November 2010, 14:30 Uhr
ENL5454
er gilt als der Crashprophet in Europa und ist zudem Herausgeber des Börsenbriefs "Gloom, Bomm & Doom Reports" - die Rede ist von Marc Faber. Am Sonntag verblüffte der aus der Schweiz stammende, aber in Thailand und Hong Kong lebende Börsenexperte die Zuschauer des "cash TV" auf dem Schweizer Sender SF2 mit seinen lauen Prognosen für das Börsenjahr 2011. Es sei laut Faber ein Trugschluss zu glauben, dass die geldpolitische Stimulierung der US-Notenbank ewig andauern werde. Warum er mit keinem guten Jahr für Aktien rechnet und warum er trotz der Rally von Gold und Silber weiter auf Edelmetalle setzt, sei hier kurz angeschnitten.
Faber: Goldene Zeiten für Edelmetalle - düstere für Aktien
Faber zeigte sich im Fernseher ganz in seinem Element. Er ist dafür bekannt, dass er Gold und Silber den Vorzug vor Aktien gibt. Sein Auftritt am Sonntag begann also Faber-like mit einem kleinen Sketch. Er zog einen Goldbarren aus der Hosentasche, scherzte zunächst der sei aus Schokolade, um dann mit einem Biss zu beweisen, dass er doch echt ist. Warum er ihn in der Hosentasche hat, bleibt sein Geheimnis. Doch er wollte damit wohl nur seiner Empfehlung ein Bild verleihen. Wirkt ja auch besser. Trotz des Goldpreisanstiegs um 16% in den letzten 12 Monaten setzt er weiter auf Edelmetalle. Und er begründet es wie folgt: "Der Gold- und Silberpreis ist heute gar nicht so hoch, wenn man es mit der Geldmenge vergleicht, die in den letzten zehn Jahren geschaffen wurde", sagt Faber in "cash TV". Und der Goldpreis sei auch in Anbetracht der Vergrößerung der Reichtümer in Ländern wie China, Russland oder Indien nicht sehr teuer. Faber empfehle Einzelanlegern und Institutionen noch immer, jeden Monat ein wenig Gold zu akkumulieren.
Deutlich pessimistisch äußerte sich der Crashprophet hingegen zum des Verlaufs der Börsen in 2011. Die lockere Geldpolitik der USA habe den Börsen weltweit einen Aufschwung beschert. Die Kurse ziehen seither an. "Typisch", meint Faber. "Wenn man große Liquidität in den Markt wirft, hat die Börse eine eher steigende Tendenz." Um bis zu 100% hätten manche Papiere bereits zugelegt. Es ist aber laut Faber ein Trugschluss zu glauben, dass die jüngste geldpolitische Stimulierung der Fed ewig andauern werde. Wenn die US-Zentralbank nicht mehr im selben Maß Geld drucke, dann werde sich die Liquidität relativ verknappen und ,die Aktienpreise werden wieder runter gehen, so Faber.
Deshalb ist Faber überzeugt davon, dass die Börsen zwar in den ersten Monaten 2011 noch steigen, danach aber nachlassen könnten. Das Fazit des Schweizer Investors: "Wir stehen nicht unbedingt vor einem guten Aktienjahr 2011." Deshalb stoße er im Augenblick Aktien ab. Dem einzigen Aktienmarkt, welchem er für 2011 gute Chancen einräumt, sei der japanische. Dieser habe sich in den letzten 20 Jahre schlecht entwickelt, besitze unbedingt Nachholbedarf.
Vermögensverwalter: "Deutsche Aktien sind Pflicht"
Einen ganz anderen Börsenausblick 2011 fand ich ebenfalls am Sonntag, in der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Hier wurde eine Umfrage veröffentlicht, welche die V-Bank (führt zahlreiche Konten von Vermögensverwaltern) unter 160 Vermögensverwaltern durchführte, die ein Kundenvermögen von insgesamt etwa 20 Mrd. Euro verwalten. Und diese sehen es ganz anders als der Schweizer. Sie setzen im kommenden Jahr vor allem auf deutsche Aktien, um genau zu sein 90% der befragten Verwalter empfehlen für 2011 deutsche Aktien für das Anlegerdepot.
Deutschen Aktien dicht auf den Fersen sind laut der Umfrage Aktien aus Schwellenländern (84%). Und auf Platz drei finden sich Rohstoffe wieder (81%). Diese drei Anlageklassen sind deshalb auf den vorderen Plätzen der Anlageempfehlung zu finden, weil die befragten Vermögensverwalter zu 78% von Inflation in 2011 ausgehen, das bedeutet, man sollte sein Geld lieber in Sachwerte wie Aktien und Edelmetalle, und mit Abstrichen auch Rohstoffe.
Doch trotz der Inflationserwartung der Experten, empfehlen nur 68% der Verwalter den Einstieg in Gold. Generell ist die Mehrzahl natürlich der Meinung, dass Gold ins Depot gehört. Doch sie sehen in 2011 beim Goldpreis einen Seitwärtstrend - der Preis werde in etwa auf dem aktuellen Niveau bei 1.400 Dollar je Feinunze verharren, so der Tenor der befragten Vermögensverwalter. Für Silber erwarten die Experten einen Anstieg auf 28,44 Dollar je Unze (aktueller Kurs: 27,15 Dollar).
Nochmal zurück zu den deutschen Aktien. Welche Branchen sind laut Ansicht der Vermögensexperten zu bevorzugen? Ganz klar führen hier die Chemie-/Pharmabranche und die Industrie (Maschinenbau) die Rangliste an. Doch nur knapp dahinter befinden sich die Versorger. Aktien dieser Branche standen in 2010 mit Anlegern eher auf Kriegsfuß. Das soll sich 2011 ändern.
Bei den Aktien der Versorge sehe ich in 2011 wohl das größte Aufholpotenzial. Im Gegensatz zu den Chemie- und Pharmawerten oder den Maschinebau-Aktien, sind Versorger-Papiere wie E.ON oder RWE noch gar nicht gelaufen, hinken dem DAX um Meile hinterher. Mal sehen, wann sie den nächsten Gang einlegen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Handelstag.
Ihre
Cindy Bach