Aktienausblick
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 24. August 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
gestern standen die Zeichen am Aktienmarkt zunächst auf Erholung. Besonders die Übernahmefantasie am amerikanischen Aktienmarkt trug dazu bei. Die Anleger schienen aber recht schnell zu erkennen, dass Übernahmen allein keinen neuen Schwung in den stotternden Konjunkturmotor bringen und so wurde die anfängliche Erholung schnell wieder abverkauft.
Auch die Konjunkturdaten boten wenig Lichtblicke. Der (nicht ganz so wichtige) Chicago Fed National Activity Index (CFNAI) stieg im Juli zwar auf wenig erbauliche 0,00 Indexpunkte nach zuvor minus 0,70, was ein Wirtschaftswachstum auf historischem Trendniveau signalisiert. Gleichzeitig fiel aber der gleitende Dreimonatsdurchschnitt auf minus 0,17 nach minus 0,12 im Juni und signalisiert damit, dass von einer Trendwende zum Besseren keine Rede sein kann. Weist der Index einen negativen Stand auf, deutet dies übrigens auf eine Expansion unterhalb des historischen Trendniveaus hin. Prima, ein Index der so konstruiert ist, dass er nie eine Schrumpfung direkt anzeigen kann (lediglich ein unterdurchschnittliches Wachstum). Da könnten unsere Statistiker vermutlich noch was von den Amerikanern lernen (Achtung: Sarkasmus).
Auch die Berichtssaison läuft nun langsam aus und verliert damit ihre stützende Wirkung für den Aktienmarkt. Zudem stehen zwei saisonal besonders schwache Börsenmonate unmittelbar bevor. Was kann den Aktienmarkt jetzt noch zum Anstieg bewegen? Sicher nicht „die Liquidität“ oder „die niedrigen Zinsen“. Solche abgenutzten Worthülsen können Sie ruhig vergessen, solange Anleger noch zum selbständigen Denken in der Lage sind. Dafür haben Aktien im vergangenen Jahrzehnt einfach zu schlecht abgeschnitten (Dow Jones ca. Minus 10 Prozent) und sich zu viele Anleger daran die Finger verbrannt (zumindest mit der immer noch häufig propagierten „Buy-and-hold-Strategie“). Nein, das Einzige was dem Markt jetzt noch helfen würde, wäre überschäumender Pessimismus, der in eine ordentliche Shortcover-Rally mündet. Dazu müssen die Kurse aber erst einmal deutlich fallen. Keine Verluste, keine Panik. Diese Woche vielleicht?
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