Euphorie: Ifo-Geschäftsklima mit neuem Rekordhoch

Inhaltsverzeichnis

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli überraschend weiter verbessert. Inzwischen kann man diese nur noch als Euphorie bezeichnen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der wohl wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft, kletterte im Juli um 0,8 Punkte auf 116,0 Zähler. Dies stellt das dritte Rekordhoch in Folge dar. Die Markterwartungen lagen hingegen nur bei 114,9 Punkten.

Sowohl die aktuelle Lage (+1,2 Punkte) als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate (+0,5 Punkte) werden von den Unternehmen positiver beurteilt. Am besten geht es derzeit dem Verarbeitenden Gewerbe und vor allem dem Baugewerbe, wo beide Subindizes auf deutliche neue Rekordhochs stiegen. Im Großhandel hingegen war die Stimmung nicht ganz so ausgelassen (eher knapper neuer Rekordwert), im Einzelhandel sank der Index sogar deutlich. Der Einzelhandel ist traditionell der schwächste der vier Sektoren.

Beste Wirtschaftsstimmung seit der Wiedervereinigung

Man muss es klar sagen: Die Stimmung unter den deutschen Einkaufsmanagern ist seit der Wiedervereinigung (der Geburtsstunde des Ifo-Index) nie besser gewesen als heute. Natürlich beinhaltet eine derartige Euphorie auch die Gefahr, dass man übers Ziel hinausgeschossen ist. Und dass nach der Party ein heftiger Kater folgt. Bisher ist aber keine Trendwende zum Negativen absehbar. Einzig die Tatsache, dass die aktuelle Lageeinschätzung (Gegenwart) der Erwartungskomponente (Zukunft) im Index hinterherhinkt, könnte als Wermutstropfen herhalten.

BIP-Wachstum bleibt dennoch verhalten

Und da ist noch eine zweite Sache. Trotz des rekordhohe Ifo-Index kommt das BIP-Wachstum seit Jahren (!) nie über die maue 2-Prozent-Schwelle hinaus. Kein Vergleich mit den Nach-Rezessions-Jahren 2010 und 2011, als mit einem ähnlich hohen Ifo-Index Wachstumsraten von 4 und mehr Prozent einhergingen. Wahrscheinlich war dafür nur ein Basiseffekt verantwortlich und wir müssen uns an ein eher niedriges Wachstum gewöhnen. Immerhin entfällt damit die Gefahr einer wirtschaftlichen Überhitzung.

Hoher und steigender Ifo-Index ist eine gute Nachricht für den deutschen Aktienmarkt

Für den Aktienmarkt ist ein hoher und steigender Ifo-Index eine gute Nachricht. Dass der DAX zuletzt dennoch gefallen ist, ist der zu schnellen Euroaufwertung geschuldet, die mit solch starken Wirtschaftsdaten (und einer extremen Spekulation) einhergeht. Vor allem bei den exportorientierten deutschen Großunternehmen preist der Markt bereits erste Bremsspuren in den Ergebnissen durch diese tektonischen Verschiebungen am Devisenmarkt ein.

Wann und wie stark diese auch im Ifo-Index sichtbar werden bleibt abzuwarten. Womöglich ist der Aktienmarkt (wie so oft) etwas früh dran. Zumindest bleiben die Einkaufsmanager der deutschen Wirtschaft auch angesichts eines wieder erstarkten Euros extrem optimistisch, was ich als gutes Zeichen werte.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.