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Profitabler Aktienhandel in volatilen Marktphasen?

Von | 20. Oktober 2013 | Artikelbewertungen
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Profitabler Aktienhandel in volatilen Marktphasen
Profitabler Aktienhandel in volatilen Marktphasen
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Früher galten derartige Phasen eher als Ausnahmezustand. Seit jedoch die Finanzkrise die weltweiten Aktienmärkte wieder fest im Griff hat und nun auch noch eine neue globale Rezession die Weltwirtschaft bedroht, erscheint die Frage mehr als berechtigt: Sollten Sie als Privatanleger in extrem volatilen Marktphasen überhaupt Aktien kaufen? Ist in solchen Situationen überhaupt ein nachhaltig profitabler Aktienhandel möglich, wenn die Märkte verrückt spielen? Und wenn ja, wie müssen Sie vorgehen?



In den nachfolgenden Abschnitten wollen wir genau diesen und weiteren verwandten Fragen auf den Grund gehen. Wir möchten Ihnen darüber hinaus eine Reihe hilfreicher Ideen mit auf den Weg geben, wie Sie sich nicht nur schützen, sondern gerade in volatilen Marktphasen mit überraschend einfachen Mitteln Ihre Gewinne solide ausbauen können. Hierfür brauchen Sie übrigens weder einen Universitätsabschluss in Finanzmathematik, noch müssen Sie „systemrelevanter“ institutioneller Anleger mit einem Milliardenportfolio sein.

Der eindimensionale strategische Blick und die chronische Angst vor dem Kursverlust

Um zu verstehen, weshalb die meisten privaten Anleger gerade in volatilen Marktphasen viel Geld verlieren und hier manchmal sogar mit ihrem kompletten Portfolio scheitern, sind ein paar Vorüberlegungen nötig.

Sehen wir uns hierzu einmal das Muster des „typischen“ Privatanlegers an (Abweichungen hiervon im ein oder anderen Teilbereich sind natürlich nicht nur möglich, sondern mit Sicherheit bei vielen privaten Anlegern die Regel. Das Beispiel dient mehr zu illustrativen Zwecken eines ganz bestimmten Fehlermechanismus):

Gustav Geldsucht arbeitet jeden Tag sehr hart. Meist ist er 9-10 Stunden des Tages mit seinem Job beschäftigt. Er verdient dabei zwar nicht schlecht, jedoch ist die Perspektive auf ein Leben dieser Art bis er knapp 70 Jahre alt ist, für ihn keine Option. Also muss viel mehr Geld verdient werden, am besten an der Börse.
Gustav Geldsucht beschließt also „Trader zu werden“ und beginnt jeden Abend völlig planlos in seiner Handelsplattform zu zocken. Der Gesamtmarkt ist stabil und somit steigen auch Gustavs mittelmäßige Papiere. Herr Geldsucht fühlt sich jedoch durch die steigenden Kurse bestätigt und tönt im Freundeskreis, dass das „mit der Börse doch alles ganz einfach“ sei.

Nun jedoch kommt eine Korrektur und unser „Trader“ merkt, dass er hier plötzlich völlig überfordert ist. Erstens weiß Gustav mangels eigenen Fachwissens nicht, was er tun soll, und zweitens lernt Gustav sehr schnell, dass bärische Korrekturen in Bullenmärkten in etwa drei Mal so schnell und intensiv verlaufen wie bullische Anstiege. Gustav ist wie gelähmt und sein Portfolio wird vom Markt zersägt, während Herr Geldsucht einfach nur ungläubig zusehen kann.

Was hier natürlich wie eine konstruierte Geschichte klingt, ist jedoch im alltäglichen Leben bitteres Massenphänomen. Die überwiegende Mehrheit der privaten Anleger hat eine ordentliche Spur „Gustav Geldsucht“ in sich.

Und genau hier wären wir auch schon beim ersten Problem: Wer nur gewohnt ist, auf steigende Kurse zu setzen und sich niemals mit fallenden Kursen und entsprechendem Strategiewissen befasst und dessen Anwendung geübt hat, wird mit Sicherheit keine volatilen Phasen im Markt erfolgreich handeln können.

Damit ist die Frage, ob Sie in volatilen Marktphasen überhaupt mit Aktien handeln sollten, maßgeblich von Ihrem bisherigen Wissensstand abhängig. Das Risiko einer volatilen Marktphase liegt somit nicht im Markt, sondern bei Ihnen. Wenn Sie fit genug sind, können Sie in volatilen Marktphasen enorm viel Geld verdienen. Sind Sie es nicht, ist die Gefahr für Ihr Portfolio sehr groß.

Wie auch immer Ihr Kenntnisstand zum aktuellen Zeitpunkt ist, in den nächsten Abschnitten haben wir einige wichtige Punkte für Sie zusammengestellt, die Ihnen helfen werden, besser mit unsicheren Börsenzeiten zurechtzukommen und diese zu Ihrem Vorteil zu nutzen bzw. die hieraus entstehenden Risiken erfolgreich einzugrenzen. Beginnen wir mit etwas Grundwissen:

Das Beta einer Aktie als wichtige Kennzahl in volatilen Marktphasen

Die meisten Anleger wissen meist nicht viel mit dieser Kennziffer anzufangen. Da diese bei der Auswahl von Aktien manchmal jedoch ganz hilfreich sein kann, anbei ein paar Erklärungen zu deren Bedeutung:

Unter dem Beta einer Aktie versteht man die Volatilität dieser Aktie gegenüber dem breiten Markt. Dies funktioniert von der Definition her wie folgt:

Die Analysten definieren, dass der Markt (also z.B. der S&P 500 Index im Falle der USA) ein Beta von 1 und Cash ein Beta von 0 hat. Das Beta von Null wird hierbei für Cash festgelegt, da dieses ja keinen nominalen Kursschwankungen unterliegt wie etwa eine Aktie. Gegen diese "Anker-Werte" wird nun die Volatilität einer einzelnen Aktie gemessen.

Hat also eine Aktie ein Beta von größer als 1, so können Sie davon ausgehen, dass diese volatiler als der vergleichbare Marktindex ist. Analog dazu gilt für Aktien mit einem Beta kleiner als 1, dass diese weniger volatil als der zugehörige Marktindex sind.

Je kleiner das Beta einer Aktie ist, desto näher kommt ein Investment in diese Aktie einem Investment in Cash von der Volatilität her betrachtet (nicht automatisch vom Risiko!) gleich. Das Beta gibt Ihnen also eine Vorabschätzung über das zu erwartende Volatilitätsverhalten Ihres Wertpapiers in Relation zum breiten Markt.


Ein Beispiel zum Beta und Volatilitätsverhalten:

Sagen wir, die amerikanische Aktie ABC hat ein Beta von 0.5 und der S&P 500 bekanntlich ein festgelegtes Beta von 1. Somit sollte ABC sich im Schnitt halb so weit bewegen, wie der S&P 500. Mit anderen Worten, verliert der S&P 500 10%, sollte der Verlust bei ABC bei ca. 5% liegen. Gewinnt der S&P 500 10%, sollte der Gewinn von ABC im Schnitt bei ca. 5% liegen.

Das Beta funktioniert also in beide Richtungen!

Viele Anleger setzen das Beta einer Aktie mit dem Risiko einer Aktie gleich. Dies mag zwar in weiten Bereichen stimmen, jedoch steckt in solch einer Aussage nicht die ganze Wahrheit. Letztlich ist das Beta nur eine Funktion der vergangenen Bewegungen der Aktie. Was nicht berücksichtigt wird sind z.B. Punkte wie das Geschäftsmodell, welches der entsprechenden Firma zugrunde liegt, oder das zukünftige Risiko der Aktie bzw. das Verhalten der Aktie, wenn sich die Gesamtmarktbedingungen ändern.

Wenn wir vom "Beta" reden, sprechen wir also primär von einem historischen Wert.

Ein erster Schritt, die Volatilität im eigenen Portfolio zu kontrollieren beginnt also schon beim Kauf der verschiedenen Wertpapiere, indem Sie auf das Beta Ihrer Aktien und auf eine gesunde Mischung achten.

Ein Portfolio mit durchgehend hohen Betawerten der Aktien wird selbstverständlich völlig anders reagieren als ein Portfolio, das schwerpunktmäßig aus niedrigen Betawerten im Bereich der Aktien besteht, auch wenn das Beta primär eine historische Kennzahl ist.

Doch das ist noch lange nicht alles.

Dem Gesamtmarkt einen Schritt voraus: Ein Blick auf das Angstbarometer VIX

Einer der wohl wichtigsten Indizes zur Beobachtung des Gesamtmarktes ist der VIX, der die Volatilität das S&P 500 angibt. An ihm lässt sich erkennen, wenn die Angst im Markt ins Kritische steigt bzw. wann diese zurückgeht.

Doch was ist der VIX überhaupt?

Beim VIX (Kurzform; gleichzeitig ist VIX das Tickersymbol des Index in den USA) handelt es sich um den Chicago Board Options Exchange Volatility Index auf den S&P 500 (vom Prinzip her das, was bei uns der VDAX ist). Er zeigt die 30 Tage Erwartung seitens des Markts hinsichtlich der Volatilität an. Konstruiert wird dieser durchaus sehr nützliche Index mittels einer weiten Palette von S&P 500 Index-Optionen (Calls und Puts). Der VIX versteht sich als vorausschauender Index und wird von Investoren und Tradern meist als "Angstbarometer" verwendet, um das Risiko im Markt zu beurteilen.

Die Logik ist hierbei stark vereinfacht gesagt: Steht der VIX extrem tief, sind die Marktteilnehmer sorglos; steht er hoch, sind die Marktteilnehmer in Panik.

Das Schöne hierbei ist, dass Sie sich nicht auf beschränkt aussagekräftige Umfragen über bullische oder bärische Einstellungen vereinzelter institutioneller Anleger verlassen müssen, sondern, auf das, was tatsächlich im Markt geschieht. Sie sehen also, wenn plötzlich wie verrückt Put-Optionen auf den S&P 500 gekauft werden und können direkt erkennen, dass Ärger ansteht, wenn der VIX ausbricht. Etwas Ähnliches haben Sie übrigens auch hier bei uns in der Bundesrepublik, wenn Sie sich den VDAX ansehen. Generell zählt man Indizes wie den VIX oder den VDAX zu den sog. Volatilitätsindizes.

Doch es kommt noch besser! Sie können sich über den VIX sogar eine elegante Portfolioversicherung für Ihr Portfolio basteln. Setzen Sie einfach auf steigende Kurse des VIX. Dies geht über Optionen aber auch über zahlreiche CFD-Anbieter. Je höher dann die Panik im Markt steigt, desto mehr wird Ihre Wette auf den VIX wert. Und dies kann hier SEHR schnell geschehen.

Wer sich z.B. während der großen Finanzkrise 2008 über den VIX abgesichert hatte, machte auf seine VIX-Wetten astronomische und fast schon obszöne Gewinne:

P und F Chart VIX-Index

Abbildung: P&F-Chart des VIX (Enddatum 16.10.2008) Quelle: stockcharts.com

Wie Sie im obigen Chart sehen können, schoss der VIX wie von allen guten Geistern verlassen nach oben. Dies bedeutet zunächst einmal, dass die Volatilität im Markt sehr stark anstieg, was ein Zeichen von extrem steigender Investorenangst ist und dass sich viele große Adressen blitzartig mit sehr großen Mengen Derivaten absichern. Dies ist ein absolutes Alarmzeichen, dass großer Ärger an den Märkten ansteht. Doch muss das zwangsläufig bedeuten, dass Ihr Portfolio zertreten wird? Absolut nicht, denn bei Hebelwetten und solchen Anstiegen in solch einer kurzen Zeit sind die Kursverluste auf den anderen Positionen schnell mehr als überkompensiert, wenn Sie zeitig Absicherungspositionen auf den VIX eingegangen sind.

Doch auch damit ist Ihr mögliches Arsenal an Verteidigungsstrategien gegen unkontrollierte Marktvolatilität noch längst nicht erschöpft. Wenn es Ihnen am Markt „zu blöd“ wird, können Sie sich auch jederzeit einfach von ihm abkoppeln!

Vom Markt abkoppeln: Spread-Trading in volatilen Marktphasen

Es ist eigentlich ein einfaches Rezept, um volatile Marktphasen zu überstehen. Doch viele Anleger nutzen es nicht. Die Rede ist vom Spread-Trading. Oft werden solche Handelskonstruktionen auch als Pair-Trades bezeichnet (da zwei Werte stets gleichzeitig gehandelt werden).

Was ist ein "Pair Trade"?

Bei einem "Pair Trade" handelt es sich um einen Doppelhandel aus zwei Wertpapieren. Auf Aktien bezogen sieht dies wie folgt aus:

Sie wählen sich z.B. einen wirtschaftlichen Sektor bzw. einen Marktsektor. Dort greifen Sie eine Aktie mit sehr hoher relativer Stärke (also bestimmte Aktien, die eine längerfristige Geschichte haben, welche zeigt, dass dieser Werte den Markt signifikant schlagen) und exzellenten fundamentalen Aussichten heraus. Als nächstes suchen Sie nach einem waschechten "Müllpapier", einer Aktie aus dem gleichen Sektor mit minimaler relativer Stärke, so schlecht wie möglichen Fundamentaldaten und mit lausigem Ausblick in die Zukunft (in beiden Fällen sollten Sie die relative Stärke gegen den Markt und gegen den jeweiligen Sektor betrachten).

Die Idee ist nun, dass Sie auf die starke Aktie long gehen und auf die schwache Aktie short - beides gleichzeitig und nach Möglichkeit in etwa gleicher Positionsgröße.

Aktien mit hoher relativer Stärke (RS) und guten fundamentalen Aussichten haben die Eigenschaft, in bullischen Phasen weitaus stärker zu steigen als ihr Gegenstück mit fundamentalen Schwächen und niedriger relativer Stärke.

In fallenden Märkten halten Aktien mit hoher relativer Stärke deutlich besser dem Abwärtssog stand als Aktien mit schwacher RS und schlechten Fundamentaldaten. Der Profit in solch einem Trade kommt also dadurch zustande, dass sich der Abstand zwischen den beiden Aktien weitet, denn Sie verdienen an der Differenz.

Insgesamt wird durch einen "Pair Trade" natürlich mehr Kapital gebunden, als wenn Sie nur mit einer Position arbeiten würden, aber dafür neutralisieren Sie auch eine Reihe von Risiken im Markt weitgehend.

Auch können Sie Pair Trades mit allen möglichen Wertpapiertypen (z.B. auch CFDs) durchführen, wenn Sie einmal etwas Übung haben. Versuchen Sie es bei der nächsten Korrektur einfach einmal auf dem Papier, bevor Sie mit echtem Geld an dieser Strategie arbeiten.

Was der breite Gesamtmarkt macht, kann Ihnen dann damit völlig egal sein. Für Sie ist nur noch wichtig, dass sich der Performance-Abstand zwischen Ihren beiden Werten ordentlich weitet.

Ein Wort zum Schluss

Natürlich bedürfen all diese Strategien einer gewissen Übung, weshalb es Sinn macht, dass Sie sich hier Stück für Stück und über Papertrading und Demokonten erst einmal herantasten. Auch gibt es an den Börsen niemals eine komplett risikolose Vorgehensweise.

Dennoch helfen die hier genannten Strategien professionellen Vermögensverwaltern und routinierten Investmentprofis schon seit einigen Jahrzehnten, auch in schwierigeren Marktphasen erfolgreich eine positive Rendite zu erwirtschaften.

Es ist somit letztlich wie beim Autofahren: Verfügt der Fahrer über das nötigen Können, machen ihm auch schwierige Straßen- und Wetterverhältnisse nicht schwer zu schaffen. Genauso an der Börse: Mit dem nötigen Wissen und einer großen Portion Erfahrung können Sie auch volatile Marktphasen nicht nur schadlos überstehen, sondern sogar davon profitieren. Wir wünschen viel Erfolg.

 



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