Aktien sind in Deutschland tot!
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 2. Dezember 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
In einer von der Sparda Bank Hamburg beauftragten repräsentativen Studie gab nur ein Viertel der Befragten an, Aktien als investierbaren Sachwert anzusehen. In Aktien investieren würden gar nur 15,1% der Befragten. Weit vor Aktien in der Gunst der Anleger stehen Konsumgüter wie Autos, Möbel und Elektrogeräte.
Für 72% der Befragten sind Autos Sachwerte
Thema der Studie war die Sachwertorientierung in der Kapitalanlage von Privatpersonen. Interessante Einblicke in die Psyche der Deutschen geben schon die Antworten auf die Frage, was aus Sicht der Anleger überhaupt Sachwerte sind. Fast 90% der Befragten nennen Immobilien, gefolgt von Gold mit 80%. Dann folgen mit 72% auch schon Autos, Wald- und Agrarflächen gleichauf mit Möbeln (69%). Immerhin 66% der Befragten sehen Elektrogeräte als Sachwerte an. Nur 26% nennen Aktien, 21% Anleihen.
Konsumgüter werden als Investitionsgut angesehen
2/3 der Befragten werfen also Konsumgüter mit teils ganz erheblichen Zeitwertverlusten in einen Topf mit Investitionsgütern. Sowohl Autos als auch Möbel und Elektrogeräte verlieren selbst dann schon Wert, wenn sie nicht benutzt werden. Da sie auch keine laufenden Erträge erzielen, sind Autos, Möbel und Elektrogeräte denkbar ungeeignet als Investitionsgut.
Eine zweite Frage befasste sich mit den Gründen für den Kauf von Sachwerten. Mit 58% steht die Angst vor Inflation auf Platz 1. Gefolgt von „Werterhalt aus der Substanz heraus" auf Platz 2 und „Angst vor der Finanzkrise" auf Platz 3.
Es offenbart sich eine frappierende Differenz zwischen Investitionsgrund bzw. -ziel und Investitionsgut. Wieder sind weder Autos, noch Möbel oder Elektrogeräte geeignet, die genannten drei wichtigsten Investitionsziele zu erfüllen.
In einer weiteren Frage wurde untersucht, in welche Sachwerte die Befragten konkret investieren würden. 42% der Befragten würden ein Eigenheim bauen. Schon auf Platz 2 folgt der Kauf eines Autos. Überraschend steht der Kauf von Gold auf Platz 3. Immerhin 32% der Befragten würden Gold kaufen. Ebenso viele ziehen jedoch auch den Kauf von Elektrogeräten in Erwägung. Aktien stehen mit nur 15% der Nennungen weit abgeschlagen auf Platz 8.
In der Krise steht Gold auf Platz 1, Aktien auf dem letzten Platz
Zudem wurde noch einmal abgefragt, in welche Sachwerte die Befragten in einer Krise investieren würden. Gold landet jetzt mit 65% auf Platz 1. 48% der Befragten würden in Immobilien investieren. 41% ausgerechnet in das hochgradig von der Konjunktur abhängige Platin. Auch bei dieser Frage landen Aktien abgeschlagen auf Platz 7. Nur 23% der Befragten würden in der Krise Aktien kaufen.
Antizyklisches Investieren scheint unbekannt zu sein
Aktien sind für die Mehrzahl der Befragten also kein Thema. Lieber kaufen die Deutschen Konsumgüter mit teils rapidem Wertverfall, als in den Sachwert Aktien zu investieren. Die Investitionsneigung bei Aktien ist ausgerechnet in der Krise, während der es Aktien teils zu echten Schnäppchenpreisen gibt, am niedrigsten. Dabei machen seit Jahrzehnten erfolgreiche Investoren wie Warren Buffett vor, wie ertragreich Aktienkäufe gerade in Krisen sein können.
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