Aktie im Fokus: Systaic
Cindy Bach in Insider Daily
vom 11. März 2010, 14:30 Uhr
ENL5462
wenn ein börsennotiertes Unternehmen erst am späten Nachmittag eine Adhoc-Mitteilung herausschickt, ist das in der Regel kein gutes Zeichen. Zumeist hofft das meldende Unternehmen dann, die Nachricht möge wohl ohne großes Aufsehen über die Ticker gehen, so dass die Akteure auf dem Börsenparkett nicht mehr allzuviel Spielraum haben, entsprechend zu handeln. Im Falle von Systaic, einem Solarunternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf, ging dieses Vorhaben am Dienstag gründlich daneben.
Um kurz nach 17 Uhr lief die Meldung über den Ticker, dass Systaic in 2009 das gesteckte Umsatzziel von 300 Mio. Euro deutlich verfehlt hat und die Guidance für 2010 nach unten angepasst wird. Zudem verhandle der Vorstand aktuell mit Banken über Möglichkeiten einer Finanzierung. Die Reaktion der Börse folgte auf dem Fuße. Der Systaic-Aktienkurs brach im späten Handel um über 20 Prozent ein. Gestern notierte die Aktie im frühen Handel nur noch bei 3,30 Euro, schon damit hatte sich der Börsenwert des Unternehmens seit Januar mehr als halbiert. In den Mittagsstunden ging es für den Solarwert noch weiter gen Süden. Die Marke von 3,00 Euro fiel ohne Gegenwehr. Es ging runter bis auf 2,86 Euro - ein Minus von mehr als 30 Prozent in nur zwei Tagen. Und es ist kaum zu erwarten, dass wir damit schon das Ende der Fahnenstange gesehen haben. Ich will Ihnen kurz erläutern, worauf ich diese These begründe.
Das Kerngeschäftsfeld des deutschen Solarunternehmens ist der Bau von Solarkraftwerken. Darüber hinaus entwickelt und verkauft Systaic Energiedachsysteme, bei dem Photovoltaik-Komponenten in großflächige Dächer integriert werden. Diese Photovoltaikanlagen unterscheiden sich auch durch die patentierte systaic Energieeinheit und durch ihre optische Gestaltung von herkömmlichen Systemen - sie lassen sich flexibel in Gebäude integrieren. Doch dieses Alleinstellungsmerkmal scheint nicht auszureichen, um sich in dem immer schwieriger werdenden und härter preisumkämpften Photovoltaikmarkt abzusetzen.
Ganz viele kleine, aber böse Makel
Und eigentlich ist es noch weitaus schlimmer. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nach den vorläufigen Zahlen sei der Umsatz zwar um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 198,7 Mio. Euro auf rund 218 Mio. Euro gestiegen. Doch das Umsatzziel von rund 300 Mio. Euro wurde deutlich unterschritten. Dies sei im Wesentlichen auf die geänderte Abwicklung eines Großprojekts im Bereich Industrielösungen zurückzuführen, erläuterte der Vorstand.
Dieses Projekt diente wesentlich dazu, den Ausgleich einer Forderung der Systaic AG gegenüber einem spanischen Kunden abzusichern. Nach bis zuletzt andauernden Verhandlungen erscheine ein kurzfristiger Ausgleich der Forderung möglich. Die Gesellschaft verzichtete darauf, das Projekt, wie ursprünglich geplant, umsatzwirksam zu vermarkten. Diese Form der Abwicklung habe zwar einen negativen Einfluss auf den Konzernumsatz und das Konzernergebnis, würde aber zu einem erheblichen Liquiditätszufluss führen.
Guidance für 2010 fällt
Das operative Ergebnis belief sich im Berichtsjahr auf 9,1 Mio. Euro (Vorjahr: 9,5 Mio. Euro). Zur Absicherung des Betriebsmittelbedarfs sowie laufender und geplanter Projekte im Bereich Industrielösungen verhandelt der Vorstand derzeit mit den Banken der Gesellschaft über eine kurzfristig notwendige Ausweitung der Finanzierungsrahmen.
Die Rahmenbedingungen für die fotovoltaische Industrie haben sich in den vergangenen Monaten eingetrübt. Dieser Umstand und die insgesamt weiterhin verhaltenen gesamtwirtschaftlichen Aussichten haben den Vorstand von Systaic zu einer Anpassung der Guidance für die Geschäftsentwicklung im Jahr 2010 veranlasst.
Der Konzernumsatz wird auf Basis einer vorsichtigen Einschätzung und vorbehaltlich eines erfolgreichen Abschlusses der Finanzierungsgespräche nun nur noch um mindestens 20 Prozent über dem Vorjahreswert erwartet. Das bisher für 2010 kommunizierte Umsatzziel von mindestens 400 Mio. Euro schloss mehrere Großprojekte ein, deren Realisierung der Vorstand derzeit nicht mehr für hinlänglich sicher hält. Ungeachtet der angepassten Umsatzerwartung geht der Vorstand für 2010 weiterhin von einem positiven Konzernergebnis nach Steuern aus.
Überschuldet und in Bettlerkluft
Auch wenn diese Zahlen auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aussehen, so wiegt diese massive Differenz zu den Prognosen schwer. Denn nach den ersten drei Quartalen in 2009 sah alles noch ganz anders aus: In den ersten Umsatz und das operative Ergebnis konnten um rund 50 Prozent gesteigert werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Management für das Gesamtjahr ein Wachstum zwischen 30 und 50 Prozent in Aussicht gestellt. Nun die heftige Anpassung nach unten. Aber noch weitaus schwerer wiegt die Tatsache, dass Systaic offiziell Geldnöte einräumt. Es scheint ernst zu sein.
Ein Blick in den Geschäftsbericht des dritten Quartals zeigt wie ernst: Auf ein Eigenkapital von rund 69,6 Mio. Euro kamen zu diesem Zeitpunkt bereits Verbindlichkeiten von rund 100 Mio. Euro. Schon damals also eine drastische Überschuldung. Diese Situation dürfte sich aktuell nicht wirklich verbessert haben. Keine gute Ausgangslage für Verhandlungen mit den Banken über einen Finanzierungsrahmen. Zumal an der Solarbranche derzeit in den Medien sowieso kaum ein guten Haar gelassen wird. Es dürfte für die Vorstände also alles andere als leicht sein, bei den Banken im Hinblick auf eine Erweiterung des kurzfristigen Finanzierungsrahmens auf offene Türen zu stoßen. Bei Systaic ist also Vorsicht geboten. Ich sage nur fallende Messer...
Ihnen allen einen guten Handeltag.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Kellershohn (11.03. 2010 15:08 Uhr):
Guten Tag Frau Bach, was mich wundert ist die Empfehlungen der Börsenmagaziene bei ca. 7,00 €. stellvertredend der Aktionär". Da frage ich mich wo sind die Studien der Redakteure gewesen? Im Bierkeller? Nach Ihrem Bericht von Marktkapitalisierung usw durfte die Aktie überhaupt nicht empfohlen werden. Ihre Zahlen sprechen die bittere Wahrheit. Danke für den Bericht MfG Kellershohn
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