Aktie im Fokus: Conergy
Cindy Bach, Insider Daily vom 18.02.2010 14:30
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Conergy und ich - das ist eine ganz eigenwillige Freundschaft. Als ich mit dem Schreiben für den "Insider Daily" im Herbst 2007 begann, ging es für den einstigen Star am Solarhimmel in das tiefe und lange Tal der Tränen. Nicht das dies etwas mit mir zu tun gehabt hätte. Nein - auch wenn so mancher Leser mir das nach meiner Empfehlung vom November 2007 gerne nachgesagt hätte. Ich habe mal in meinen Archiv gekramt, um Ihnen kurz meine Einschätzung von damals noch mal vor Augen zu rufen:
"Beim Hamburger Solarkonzern Conergy nimmt die Flut der schlechten Nachrichten derzeit kein Ende. Nachdem das Unternehmen weder im vergangenen Geschäftsjahr noch in 2007 seine Prognosen hat erfüllen können, musste es jetzt sogar Zahlungsschwierigkeiten einräumen. Der einstige Unternehmensgründer und Vorstandschef Martin Rüter zog daraufhin seinen Hut und trat zurück. (...)
Doch das Vertrauen in den einstigen Börsenliebling scheint dahin. Das spiegelt auch der Aktienkurs wieder. Kosteten Conergy-Papiere Anfang Oktober in der Spitze noch 68 Euro, ging es innerhalb von sechs Wochen bis auf aktuell 29,00 Euro abwärts. Eine Bodenbildung scheint derzeit nicht in Sicht. Zudem senkten die Analysten, u.a. von UBS, Lehmann Brothers und WestLB, teilweise drastisch ihre Kursziele für die Conergy-Aktie."
Mein Fazit damals: "Angesichts der dramatischen operativen Entwicklung sollte hier mit Vorsicht zu Werke gegangen werden. Wie schnell hat man in ein noch weiter fallendes Messer gegriffen. Der drastische Rückschlag ist noch zu frisch, als dass man hier schon einen künftigen Trend ausmachen könnte. Ein echtes Investment ist die Conergy-Aktie in meinen Augen nicht mehr. Die Aktie ist nur was für Zocker, die spekulativ auf eine kurzfristige Zwischenerholung setzen."
Der tiefe Fall eines Technologie-Sternchens
Und es sollte für das im TecDAX notierte Unternehmen tatsächlich noch viel schlimmer kommen. Neben dem Vorwurf der Bilanzfälschung, dem Ausstieg von Großaktionär Otto Happel, massiven Umsatzeinbrüchen, kam es schlussendlich sogar zu Klagen von Privatanlegern gegen die ehemalige Vorstandsriege.
Aus einem innovativen und jungem Unternehmen, das sich bis dato erfolgreich auf die Projektierung und den Verkauf von Anlagen der erneuerbaren Energien konzentriert hatte, wurde eine Geldvernichtungswaffe. Alles begann mit Rüter´s "Baby". In Frankfurt/Oder sollte die modernste Solarfabrik der Welt entstehen, die alle Produktionsschritte zur Herstellung von Wafern, Zellen und Modulen für Solarstrom integriert. Dieses komplexe und 250 Mio. Euro teure Projekt, für das andere Konzerne Jahre brauchen, sollte in nur 12 Monaten realisiert werden.
Und dann? Conergy musste eingestehen, dass es die Wafer - ein wichtiges und teures Vorprodukt - statt selber herzustellen extern beziehen muss. Trotzdem hielt Conergy an dem "teuren" Projekt fest. Und wofür all der "Größenwahnsinn"? Böse Zungen behaupten, die Preisverleihung für den "Entrepreneur des Jahres 2007" habe hinter dieser "Schönmalerei" gesteckt. Diesen wollte Rüter für Conergy angeblich unbedingt gewinnen.
Den "Schwanz an Problemen", welchen Conergy ab Ende 2007 hinter sich herzog, wurde lang und länger. Das Geschäftsjahr 2008 beendeten die Hamburger tiefrot. Unter dem Strich stand ein Verlust von 307 Mio. Euro in den Büchern. Das war noch herber, als von den Analysten erwartet. Das machte das Kursdesaster der Conergy-Aktie perfekt. Im November 2008 hatte das Papier bereits einen Aktiensplit hinter sich gebracht. Und nun ging es weiter und weiter gen Süden. Absoluter Tiefstand war im März 2009 bei 0,34 Euro.
Das Geschäftsjahr 2009 war katastrophal angelaufen. In den ersten drei Monaten 2009 sank der Umsatz um 70 Prozent auf 65 Millionen Euro. In den Auftragsbüchern gähnende Leere. "Der Vorstand geht nicht davon aus, dass das Umsatzniveau von 2008 in diesem Jahr gehalten werden kann", so das simple Statement aus der Firmenzentrale in Hamburg. Zu diesem Zeitpunkt hätte wohl keiner vermutet, dass Conergy noch im selben Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone schaffen könnte. Umso überraschender wirkte die heutige Meldung:
Conergy erstmals seit Fast-Pleite 2007 operativ in schwarzen Zahlen
Das Solarunternehmen hat im Schlussquartal 2009 erstmals wieder einen Quartalsgewinn erzielen können. Zwischen Oktober und Ende Dezember verdienten die Hamburger auf Basis vorläufiger Zahlen vor Steuern und Zinsen (EBIT) 25,1 Mio. Euro. Das Unternehmen profitiere dabei vom Solarboom am Jahresende in Deutschland und vom gelösten Streit mit seinem Lieferanten MEMC, so das Statement in der Presse.
Im Gesamtjahr wies das Unternehmen hingegen erneut einen EBIT-Verlust von 36,8 Mio. Euro aus. Nichts desto trotz bedeutet dieses Ergebnis eine Verringerung des Fehlbetrags um 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz ging wegen des schwachen Geschäfts zu Jahresbeginn um mehr als ein Drittel auf 600,9 Millionen Euro zurück. In diesem Jahr will Conergy erstmals seit Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben. Den Akteuren auf dem Börsenparkett gefällt diese gute Nachricht, nach Monaten voller "bad news". Die Conergy-Aktie legte heute im frühen Handel um 12,8 Prozent auf 0,846 Euro zu. Die nächsten Quartale werden zeigen, wie nachhaltig diese eingeläutete Trendwende ist. Wir bleiben dran.
Ich wünsche Ihnen einen guten Börsentag.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von lotario (18.02. 2010 16:36 Uhr):
Liebe Ciond<, nytürlich sollte die deutsche Bahn, wie so manch anderes hierzulande, wieder deutscher werden. Aber, bitte, nicht nur sprachlich, viel mehr auch betriebstechnisch. Mit einem Wort: Pünktlich! Früher hat man "mit dem Zug die Uhr stellen" können. (Heutzutage freilich wird Pünktlichkeit ja selbst in Deutschland nur noch unter dem Begriff "Sekundärtugenden" verbrieft). Schönen Gruß aus dem Schwabenland.
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