Achtung: Die kommende Woche bringt extreme Kursbewegungen!
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 09. März 2007 07:30 Uhr
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Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser!
So, nachdem meine reißerische Überschrift Sie zum Öffnen meines Berichts gebracht hat, muss ich erst mal gestehen: Ja, die kommende Woche wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Kursbewegungen bringen, dass die Trader die Ohren anlegen. So weit alles klar. Nur kann ich Ihnen nicht voraussagen, in welche Richtung sie führen – oder ob am Ende überhaupt eine Richtung dabei herauskommt. Aber ich kann Ihnen die Möglichkeiten aufzeigen, welche dem Markt nun offen stehen ... und den Grund für die zu erwartende, erneute Zunahme der Volatilität nennen. Immerhin.
Die Hexen warten um die Ecke ...
Momentan übertüncht ja operative Hektik geistige Windstille. Letztlich kann niemand im Vorfeld abschätzen, was nun aus der Korrektur wird. In Kürze erledigt? Möglich. Neuer Baisseschub? Denkbar. Wir bleiben auf aktuellem Niveau und laufen einige Zeit seitwärts? Nie im Leben.
Denn heute in einer Woche tanzen wieder die Hexen auf den Börsenparketts. Es ist der alle drei Monate am dritten Freitag des dritten Monats eines Quartals ( ... bei Vollmond auf dem Friedhof ...) stattfindende große Verfalltermin für Optionen und Futures. Und da pflegt es gemeinhin rund zu gehen. Weniger an diesem Freitag selbst, umso mehr aber in den Tagen zuvor, denn:
Nach wie vor dominieren an den Derivatemärkten die Umsätze in Laufzeiten, die an diesen großen Quartalsterminen enden. Bei friedlichen Börsen ruckelt und zuckelt es im Vorfeld in einen Kursbereich, mit dem die Bullen und Bären gleichermaßen leben können bzw. sich nicht mehr dagegen stemmen können. Diesmal wird es mit ruckeln und zuckeln nicht getan sein, denn:
In den letzten Tagen haben wir die gesamte Kursdistanz im Dax durchmessen, die der Index in den vergangenen drei Monaten seit dem letzten Hexensabbat im Dezember durchmessen hatte. Dementsprechend ist es also möglich, dass zuvor weit aus dem Geld liegende Optionen auf einmal wieder Geld wert sind, dass vorher sicher geglaubte Gewinne durch vereinnahmte Optionsprämien plötzlich durch hohe zu zahlende Beträge bei nun möglicher Ausübung der Option aufgezehrt werden. Plötzlich müssen Leerverkäufe eingedeckt werden oder bislang nicht voll gedeckte Positionen gedeckt werden. Und das über eine mögliche Spannweite von 6.440 bis 7.040 ... also von 600 Punkten! Und:
... und dürften gnadenlos wüten
Bei diesen Schwankungen wird erst ganz kurz vor dem Verfall die Richtung absolut sicher sein. So gesehen müssen die Akteure auf alles gefasst sein und sich entsprechend auch auf alles vorbereiten. Rein oder raus, kaufen oder verkaufen ... und das mit sehr, sehr großen Summen.
Nun besteht immer die Möglichkeit, bestehende Positionen zu „rollen“, also in die nächst längeren Laufzeiten überzuwälzen um erst einmal Ruhe zu haben. Aber auch dadurch werden riesige Summen bewegt, und das kann auch ohne Absicht der Marktbeeinflussung deutliche Schwankungen auslösen. Überlegen wir mal:
Wir wissen, dass der Dax imstande war, binnen fünf Handelstagen über 600 Punkte zu laufen. Jetzt stehen wir genau in der Mitte der Range. Es ist also völlig klar, dass es möglich ist, eines der beiden Extremlevels bis Freitag anzulaufen, ja eventuell sogar noch zu durchbrechen. Das schafft blanke Nerven. Weiter im Text:
Die 50%-Korrektur ... und ihre offenen Fragen
Nachdem der Dax von 7.040 bis 6.440 abgesoffen war (ich nehme jetzt mal den Parkett-Dax, denn die Extremwerte hat er drin und ich kann grippebedingt nicht warten, bis der Dax Future schließt, sonst kippe ich aus den Latschen), hat er mit dem gestrigen Donnerstag fast punktgenau 50% des Abwärtsimpulses korrigiert. Bein Dax Future fehlten gestern sogar nur noch zehn mickrige Pünktchen dafür. Das ist jetzt dumm, weil das genau zwei Dinge bedeuten kann:
Entweder, jetzt kommt der nächste Abwärtsschub nach lehrbuchgemäßer 50%-Korrektur der ersten Welle. Oder der Dax steigt schnell weiter und verringert damit die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass binnen der kommenden Tage die zweite Baisse-Welle kommt. Perspektive 1: Schnelles Abtauchen mindestens an die bisherigen Tiefs um 6.440. Perspektive 2: Mindestens ein Pullback an den zuvor durchbrochenen Aufwärtstrend bei 6.920, eventuell sogar ein Wiedereintritt in diesen Juli-Trendkanal. Erschwerend kommt hinzu: Der Dax ist mal wieder vorgeprescht. Im S&P 500 fehlen z.B. vom gestrigen Hoch aus gesehen 0,7%, bis 50% der bisherigen Abwärtsbewegung korrigiert wären. Bitte beachten Sie dabei:
Es geht hier jetzt absolut nicht um Logik, Bewertungslevels, Sentiment, Konjunkturdaten. Es geht in den kommenden fünf Tagen einzig und alleine darum, welche Seite sich durchsetzen wird. Und das, obwohl pfundweise wichtige Konjunkturdaten anstehen. Das kann heiter werden, denn:
Wichtige US-Daten und Gap-Hopping ... das wird ein Fest!
Damit haben die Akteure immer wieder einen neuen Anlass, die monetären Keulen zu schwingen und die Gegenseite in die Defensive zu bringen. Es ist dabei, das ist wichtig für die Zeit danach, völlig wurst, ob die dann dabei herauskommende Reaktion der Aktienmärkte den Anlässen in Form der Konjunkturdaten, dem Yen, dem Öl und was sonst noch alles als Vehikel benutzt werden wird, logisch entspricht.
Sie wissen ja, dass man alles bullish und bearish begründen kann. So werden die Medien problemlos Gründe finden, warum was wann geschah. Wenn es passiert ist. Vorher natürlich nicht, damit könnte man ja was anfangen. Also:
Wundern Sie sich die nächsten Tage über nichts. Hier wird nur um den Sieg am kommenden Freitag gerungen. Wenn die Daten in diesen Tagen eine positive oder eben negative Aussage zeigen, die keine Reaktion an der Börse zeitigt, kann das durchaus nachgeholt werden – aber eben nach dem 16. März.
Bis dahin ist also Bewegung angesagt. Das wird zusätzlich Nerven kosten (die Betroffenen, wir sollten genießen, dass endlich mal wieder Schwung in die Bude kommt), weil die Börsen zuletzt garstiges Gap-Hopping betrieben, ebenfalls Ausdruck des jetzt schon zerrütteten Nervenkostüms. Erinnern wir uns:
Die US-Börsen schlossen vergangenen Freitag auf ihrem Tief. Daraufhin eröffneten die europäischen Märkte gleich mal mit einer satten Kurslücke von über 100 Punkten (was die Charts so nicht abbilden können, war aber so). Dieses Minus wurde aber sofort ausgebügelt. Seitdem schlossen die US-Börsen am Dienstag und Mittwoch zwar nach zeitweisem Anstieg immer wieder auf Tagestief, dennoch eröffneten die europäischen Börsen morgens immer mit Kurslücken nach oben. Was bedeutet:
Aktuell können Sie sich auf die US-Vorgaben nicht verlassen, was in der Konsequenz bedeutet: Die Börse macht auf und kurzfristige Akteure, gerade im Derivatebereich, verlieren eine Stange Geld ohne irgend etwas dagegen tun zu können, wenn Sie über Nacht investiert bleiben. Um 22:00 Uhr freuen Sie sich über satte Baisse-Gewinne am morgen ... und wenn es dann soweit ist, grinst Sie böse ein Minus an. Das selbe kann natürlich auch anders herum passieren. Immer das Gegenteil der US-Vorgaben zu tun, weil das jetzt zweimal hingehauen hätte, scheint aber auch nicht gerade clever. So gesehen:
50%-Retracement-Levels – ein reines „kann“
Das ist kein Umfeld für eine ruhige Woche. Da werden wir richtig was erleben. Und ob die Woche dann am Hexensabbat an einem Extrempunkt oben oder unten endet oder, nachdem sie in beide Richtungen ausgeschlagen und beiden Seiten blutige Nasen beschert hat, sich wieder in der Mitte einpendelt, ist absolut offen.
Und hinzu kommt: Diese 50%-Korrektur der Korrektur ist nur aktuell augenfällig. Ebenso wie Chartmarken oder markttechnische Signale kann sie Auswirkungen zeitigen, aber sie muss nicht. Wenn sie es aber tut ... wird den Akteuren einfallen, was denn eine „normale“ 50%-Korrektur der Aufwärtsbewegung seit den Korrekturtiefs im letzten Sommer bedeuten würde: Eine fast präzise Punktlandung auf den Mai-Hochs 2006 um 6.150 Punkte. Aber das wäre reine Zukunftsmusik ...
... nur haben wir hier das Problem, dass erst 11 der 30 Dax-Aktien ihre Aufwärtstrends vom Sommer oder Herbst 2006 gebrochen haben. Fünf sind in Seitwärtstrends, 14 aber noch im Trend. Nur: Davon steht gut die Hälfte sehr nah an einem Bruch dieser Trends, diese Titel haben die Trendlinien zu Wochenbeginn bereits meist getestet und sich seitdem etwas wieder nach oben bewegt. Wenn die Entscheidung zu Gunsten eines Abwärtsschubs fällt und dabei nur die Hälfte dieser noch intakten Trends bricht, wird man sich möglicherweise an dieses 50%-Retracement auf 6.150 schnell erinnern. Wir sollten auf alles gefasst sein – in beide Richtungen!
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende – bis Montag!
Ronald Gehrt
The Daily Observer
PS: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA waren unauffällig und die Leitzinserhöhung in Europa erwartet worden, daher gibt es heute keine Konjunkturdaten. Ich pflege jetzt lieber meine Grippe, ich will ja die Show nächste Woche nicht verpassen.

