Georg Pröbstl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien
vom
Aber was sind 7,7 Prozent? Teuer? Billig? Am Kapitalmarkt nähern sich die Renditen von Wagniskapital, also Aktien, und von Renten, also von mehr oder weniger sicheren wiederkehrenden Zahlungen wie wir sie bei Anleihen bekommen, im Laufe der Zeit immer wieder an. Derzeit liegt die Umlaufrendite von Bundesanleihen bei 3,7 Prozent. Ebenso viel bringen derzeit beispielsweise auch Bundesschatzbriefe mit einer Laufzeit von sieben Jahren. Rechnen wir die 3,7 Prozent um, so müssen wir für 1,0 Euro Gewinn 27 Euro einsetzen. Entspricht also einem KGV von 27. Der DAX ist mit einem13er-KGV also in etwa nur halb so hoch bewertet wie Bundesanleihen.
Drei Dinge sind jetzt wichtig:
1) Wie entwickeln sich die Zinsen?
2) Wie entwickeln sich die Unternehmensgewinne?
3) Wie entwickelt sich die Risikoprämie, die Anleger für den Kauf von Aktien verlangen?
Damit Anleihen ähnlich rentabel werden wie der breite Aktienmarkt, müsste der Zins der Festverzinslichen schon in den Bereich von sieben Prozent klettern. Das ist vielleicht im absoluten Boom mit hohen Inflationsraten von drei oder vier Prozent der Fall. Derzeit aber nicht zu befürchten.
Auch ein starker Rückgang der Unternehmensgewinne könnte eine Angleichung der Renditen am Renten und Aktienmarkt bringen. Konkret müssten die 2007er-Gewinne dann aber um rund 40 oder 50 Prozent fallen. Sehen Sie sich die aktuelle Konjunkturprognose der OECD Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung an. Nächstes Jahr kühlt sich die Weltwirtschaft zwar etwas ab. Trotzdem rechnen die Experten noch mit 1,8 Prozent Wachstum in Deutschland. 2008 sollen es dann sogar wieder über zwei Prozent sein. Von Gewinnrückgang am breiten Markt kann ich damit weit und breit nichts sehen!
Und die Risikoprämie? Langfristig ist der DAX etwa mit einem KGV von 15 bewertet bzw. 6,7 Prozent Rendite pro Jahr. Da gibt es derzeit sogar noch deutlich Spielraum nach oben.
Nehmen Sie also lieber Firmen mit marktnahen Renditen. 1,0 oder 2,0 Prozent Rendite entsprechend einem KGV von 100 oder 50 wie bei EM.TV hat seine Tücken. Da muss sich der Gewinn im Unternehmen schon über drei oder vier Jahre von Jahr zu Jahr verdoppeln, damit Sie bei der Aktie in Zukunft einmal auf eine vernünftige Bewertung kommen. Das Risiko, das einmal etwas schiefgeht, ist entsprechend hoch.
Wer auf Nummer Sicher gehen will, nimmt stattdessen sogar nicht nur Unternehmen mit 15er-KGVs, sondern solche, die noch billiger sind als der Markt.
Ihr
Georg Pröbstl
Das Ende der Mittelschicht
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