Acht häufige Fehler an der Börse
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 12. November 2008, 16:00 Uhr
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Liebe Leser,
auch wenn dies für manche von Ihnen vielleicht wie ein "alter Hut" klingen mag: Es ist wohl nie falsch, sich an die gängigsten und hinterhältigsten Investmentfehler immer wieder zu erinnern. Manche Regeln sind eher für Trader, andere mehr für Investoren; auch beanspruchen diese Regeln nicht, alleine gültig zu sein. Was ich hier schreibe spiegelt meine persönliche, auf meiner Erfahrung an der Börse basierende Einstellung zu den jeweiligen Punkten wider und der ein oder andere von Ihnen mag manches durchaus anders handhaben. Hier eine kleine Zusammenstellung:
1) Verlieben Sie sich niemals in eine Position
Für Sentimentalitäten ist kein Platz im Börsengeschäft. Bauen Sie keine emotionale Bindung zu irgendwelchen Positionen auf. Ihr Depot verfügt über begrenztes Kapital. Sie sollten sich daher bei der Betrachtung Ihrer Position stets fragen, ob es für Sie am besten ist, hier investiert zu sein oder nicht ggf. anderswo. Blockieren Sie vielleicht nützliches Kapital, das an einer anderen Stelle eingesetzt deutlich mehr erreichen könnte? Lassen Sie sich niemals von der fundamentalen Hintergrundlage bzw. „Story" einer Aktie vereinnahmen! Wird das technische Bild einer Aktie schlechter, dann bedeutet dies, dass Sie früher oder später Geld verlieren. Wenn Sie daher völlig besessen von Ihren fundamentalen Gründen sind, die Aktie zu kaufen, werden Sie Ihre Position früher oder später tief in die roten Zahlen fahren lassen.
Es geht hier auch nicht darum, ob Sie ggf. Recht haben und der Markt „es nur noch nicht erkennt." Beim Traden sollten Sie sich keine Meinung erlauben. Die vorliegenden Fakten führen zur Entscheidung. Wer diese nicht respektiert, erhöht sein Risiko signifikant und verliert schließlich.
2) Korrekter Einstieg in eine Position, aber völlig falscher Ausstieg
Für einen erfolgreichen Trade müssen Sie stets ZWEI Hürden meistern: Den korrekten Einstieg UND den guten Ausstieg. Steigen Sie niemals in eine Position ein ohne vorher eine genaue Ausstiegsstrategie zu haben. Dies bedeutet: Kein Trade ohne Zielvorgaben für alle Situationen: Was ist Ihr geschätztes Kursziel? Wo können ggf. Hindernisse auftreten? Wo können Sie im Notfall direkt aussteigen? Wie ist Ihr Verhältnis aus Risiko und potentiellem Gewinn?
Auch müssen Sie Ihre Position regelmäßig überwachen, sobald sie eröffnet ist. „Kaufen und weglegen" wird zwar von vielen Leuten als eine tolle Herangehensweise gefeiert. Aus professioneller Sicht kann ich dies jedoch nur ablehnen. Wissen Sie nicht, wie es um eine Position steht bzw. ist diese nicht vernünftig verwaltet, werden Sie früher oder später Geld verlieren bzw. Ihnen Gewinne entgehen.
3) Investieren/Traden ohne Handelsansatz und klar vordefinierte Strategie
Die Masse der Privatanleger wählt, besonders in gut laufenden Märkten, ihre Aktien meist völlig zufällig aus. Es besteht der (Irr-)Glaube, der Markt sei einfach zu schlagen. Das gern gelesene Finanzmagazin stellt eine Aktie mit „heißer Story" vor? Ab ins Depot damit... „Zocken" wir doch ein wenig.
Leute, die so agieren, blenden aus, dass jede Profitgelegenheit auch stets mit einem Risiko verbunden ist. Es geht nicht nur darum, Profitpotential ins Depot zu bringen, sondern Sie müssen primär Risikomanagement betreiben.
Es ist daher absolut wesentlich, dass Sie über einen auf Regeln basierenden, objektiven Plan verfügen, der Ihnen vorgibt, welche Aktien Sie wann kaufen und wann bzw. wie Sie Ausstiege durchführen sollen. Gleichzeitig sollte dieser Plan auch Regeln enthalten, wie Sie mit erhöhtem Marktrisiko (Zeiten von Korrekturen, Schwächephasen, etc.) umgehen. Ohne einen solchen Plan ist Ihr Portfolio in der Regel innerhalb von maximal vier Jahren dezimiert.
4) Kauf von überkauften Aktien / Shorten von überverkauften Aktien
Wenn Sie eine Aktie kaufen, die in kurzer Zeit sehr stark gestiegen ist, dann sinkt die statistische Wahrscheinlichkeit, dass sie dies auch noch weiterhin tun wird. Ein Rücksetzer ist deutlich wahrscheinlicher, da ab einem gewissen Level oftmals die Käufer wegbrechen und so das Angebot kurzfristig die deutliche Überhand gewinnt. Ihre Position steht dann in der Verlustzone. Suchen Sie sich lieber fundamental und technisch starke Aktien und kaufen Sie diese bei einem Rücksetzer.
Gleiches gilt natürlich für Shorts. Es ist meist NICHT die Zeit zu shorten, wenn „die Hütte bereits brennt", sondern so wie ein Kauf bei einem Rücksetzer erfolgt, sollten Sie einen Short-Einstieg in kurzfristig steigende Kurse einer fundamental und technisch sehr schwachen Aktie erwägen. Zu viele Anleger warten bis eine Krise da ist, shorten dann kurzfristig völlig überverkaufte Aktien und sehen darauf zu, wie ihre Positionen von der darauf folgenden Reflex-Rally gnadenlos ausgebombt werden. Völlig unnötig und einfach zu vermeiden, wenn Sie sich an diese Regel halten.
5) Kleine Gewinne mitnehmen, aber kleine Verluste nicht
Möchten Sie eine Strategie, um sicherzugehen, dass in Ihrem Portfolio letztendlich nur noch Schrott liegt? Nein? Ich auch nicht. Viele Anleger verhalten sich aber exakt so, denn sie nehmen gierig und panisch kleine Gewinne mit und lassen aber gleichzeitig ganz nach dem Prinzip „beten und hoffen" die schlechtesten Aktien mit Verlust viel zu lange laufen. Was glauben Sie, wie viele Leute sich heute immer noch weigern, Papiere wie die der Dt. Telekom zu verkaufen, obwohl nach all den Jahren diese Verluste wahrscheinlich so schnell nicht mehr aufgeholt werden können? Aus meiner Sicht ist dies wirklich erschreckend.
Oftmals liegt solch einem Verhalten der naive Glaube zugrunde, Verluste entstünden erst dann, wenn man eine Position schließt. DIES IST GROBER UNFUG UND SELBSTBETRUG! Geht eine Position tief in die roten Zahlen, haben Sie einen Verlust. Diesen müssen Sie realisieren und bitte schön sehr schnell. Haben Sie keine Skrupel, kleinere Verluste zu verbuchen. Sie können niemals zu 100% richtig liegen. Wenn Sie bei einem Trade alles richtig gemacht haben und trotzdem in den roten Zahlen enden, ist dies eben einfach ein Geschäft aus der kleineren Kategorie der nicht profitablen Trades. Dafür warten durchaus wieder mehr positive Abschlüsse in den kommenden Geschäften auf Sie, bei denen Sie, wenn Sie die Gewinner laufen lassen, die kleinen Verluste mehrfach und problemlos wieder hereinholen werden.
6) Kaufen von Aktien im Negativtrend in dem Glauben, sie seien günstig oder ein „Value Wert"
Wer hat das nicht schon einmal gemacht? Sie sehen eine Aktie, wollen diese unbedingt haben und endlich kommt der ersehnte Rücksetzer. Sie stürmen in die Position hinein und sind guter Dinge. Doch was ist das? Es geht weiter abwärts und weiter und weiter. Aus Ihrer „günstigen" Aktie wird eine „noch günstigere" Aktie, denn Sie haben ein Wertpapier gekauft, das sich in einem längerfristigen Abwärtstrend befindet. Anstatt solche Papiere zu kaufen, sollten Sie darauf achten, dass Sie stets in Papiere investieren, die sich in einem Aufwärtstrend befinden und verglichen mit dem breiten Markt stark laufen. Betrachten Sie hierzu stets längerfristige Charts und geben Sie sich nicht nur Kurzzeitbetrachtungen hin. Auch können Point&Figure Charts hier sehr hilfreich sein.
7) Handelsentscheidungen, die auf schlechten Tipps oder Informationen aus den Finanzmedien basieren
Viele Anleger verlassen sich bei ihren Börsenentscheidungen oft auf das Fernsehen, die Finanzmedien oder Anlegermagazine, die ihnen verraten sollen, was Sie kaufen sollen. Aber glauben Sie mir, Sie bekommen an den Börsen nichts geschenkt.
Fangen Sie lieber an, Ihre eigene Entscheidungskompetenz in Börsenangelegenheiten zu erhöhen. Bilden Sie sich fort und legen Sie sich ein strategisches Konzept zu, an das Sie sich halten.
Wenn Sie diese Punkte beherzigen, werden Sie fähig sein, vernünftige und informierte Entscheidungen zu treffen. Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Handeln. Verlassen Sie sich nicht auf Gerüchte oder „Gurus", sondern beurteilen Sie deren Können offen und kritisch und machen Sie Ihr eigenes Research. Vergessen Sie Systeme, die Ihnen den „schnellen Reichtum auf Knopfdruck" versprechen. Auch bringt es nichts, von Woche zu Woche zwischen verschiedenen Analyseansätzen und Börsenbriefen hin und her zu pendeln. Suchen Sie sich ein System bzw. eine Nische, die Ihnen zusagt und Ihrem Stil entspricht. Stellen Sie sicher, dass dieses System erfolgreich ist und bleiben Sie dabei. Sonst werden Sie am Ende alles gesehen und nichts erreicht haben.
8) Emotionalitäten und fehlende Objektivität
Auch wenn es für Sie zunächst harsch klingen mag. Emotionen sind in einer professionellen Strategie fehl am Platz. Jeder Anleger weiß, dass die eigenen Emotionen der größte Feind sein können. Versuchen Sie stets, objektiv zu bleiben und nehmen Sie nichts, was mit Trading zu tun hat, jemals persönlich. Trading hat nichts mit Ihnen als Person oder Ihrer Intelligenz zu tun. Auch ist Trading keine Wissenschaft, sondern eine Kunst.
Seien Sie sich auch darüber im Klaren, dass das Ergebnis des eigenen Handelns unabhängig vom Research sein kann. Sie können also alles richtig gemacht haben und trotzdem verlieren. Konzentrieren Sie sich stattdessen darauf, dass alle denkbaren Punkte vor einem Trade für Ihr Anliegen zu sprechen scheinen. Somit erhalten Sie eine deutlich erhöhte Trefferwahrscheinlichkeit und der Erfolg wird sich früher oder später einstellen.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Nachmittag.
Beste Grüße
Alexander Hahn