Abwertungswettlauf
Martin Weiss in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 25. Oktober 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Der Höhenflug der deutschen Standardwerte setzte sich auch in der vergangenen Handelswoche fort. Am Freitag ging der deutsche Leitindex sogar über der 6600-er Marke ins Wochenende.
Gegenüber der Vorwoche betrug das Plus 1,5 Prozent. Auch bei den US-Indizes ging es weiter nach oben. Der marktbreite S&P 500 ging bei 1183 Punkten aus dem Handel, was einem Wochenplus in Höhe von 0,6 Prozent entspricht. Der Dow Jones legte im Wochenvergleich ebenfalls um 0,6 Prozent auf einen Endstand von 11132 Punkten zu. Einmal mehr entwickelte sich die japanischen Standardwerte relativ schwach. Nippons Leitindex beendete die Woche 0,8 Prozent tiefer bei 9426 Yen.
Optimisten in der Mehrheit
Auffällig ist ferner, dass nun immer häufiger höhere Kursziele für die Aktienmärkte ausgerufen werden. So gehen die Prognosen für den deutschen Leitindex bereits in Richtung 7200 bis 7500 Punkte. Extrem optimistische Auguren trauen den deutschen Standardwerten bereits für das kommende Frühjahr neue (nominale) Rekordstände zu. Gegenwärtig kommen auf jeden Bären fast drei Bullen. Rein antizyklisch betrachtet dürfte also der gegenwärtigen Rallye schon bald die Luft ausgehen.
Abwertungswettlauf in vollem Gang
Indes haben sich Regierungen und Zentralbanken nahezu weltweit darauf geeinigt, die Bürger ihrer Länder zu bestehlen und um Teile ihres Wohlstandes zu betrügen. Die Täter scheuen den direkten, offenen Weg. Sie wagen es nicht, einfach Vermögenswerte zu konfiszieren oder extrem Steuern zu erhöhen. Stattdessen vereinen sie ihre Kräfte, um ihre Agenda heimlich voranzubringen. Ihr Ziel ist die Abwertung der ihnen anvertrauten Währungen. Ein Abwertungswettlauf hat begonnen, manche Kommentatoren sprechen gar von einem Abwertungskrieg.
Absehbare Wohlstandsvernichtung
Es gab Zeiten, als selbst zahlreiche Politiker wussten, dass Wohlstand und eine starke Währung Hand in Hand gehen. Eine starke Währung galt als Voraussetzung und Symbol einer prosperierenden Gesellschaft. Kein Wunder, denn jeder ökonomisch ein wenig Gebildete weiß, dass ein Abwertungswettlauf keinen Wohlstand schafft.
Erhebliche Gefahr der gegenwärtigen Politik
Regierungen weltweit haben sich gleichzeitig zur Umsetzung identischer geld- und fiskalpolitischer Maßnahmen entschlossen. Es fand also eine globale Synchronisierung statt.
Der österreichischen Schule der Ökonomie zufolge lässt sich der Wirtschaftszyklus maßgeblich auf geld- und fiskalpolitische Entscheidungen zurückführen. Wenn alle zur selben Zeit die gleiche Politik verfolgen, wird es folglich zu synchron verlaufenden Wirtschaftszyklen kommen. Auf diese Weise wird ein einheitlicher globaler Wirtschaftszyklus geschaffen. Die gesamte Weltwirtschaft folgt im Gleichschritt demselben Takt. Es gibt also keine Gegengewichte mehr für rezessive Phasen. Folglich steht zu befürchten, dass es zu globalen Rezessionen und Weltkrisen kommen wird, die keine Region und kein Land verschonen werden.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Holger Lamberts (25.10. 2010 13:04 Uhr):
Grüß Gott, Herr Doktor Weiß, für diese klaren Worte verdienen sie wirklich Applaus. Natürlich ist es die chinesische Inflationsbremse die unseren Politikern im Wege ist. Mit dem Abwertungswettlauf sollen unsere Sparbücher geplündert und Staatsschulden getilgt werden, damit unsere Politiker Ihre Raubzüge gegen die kleinen Leute fortsetzen können. Keines der gerade diskutierten Budgets orienteiert sich an einer Konjukturwirksamkeit der Ausgaben - auch keine Einwende der Opposition. In Wien hat gerade ein Politiker, der gut an die 30er Jahre zu erinnern weiß fast 30% der Wähler gewonnen. Führt der einzige Weg aus der Krise in den Krieg ? Bekommen unsere gierigen Politiker damit, was sie wollen ? Es waren in Amerika nicht "Spekulanten" sondern Politiker, die mit der Immobilienblase Milliarden an Grundstücksteueren kassiert und die kleinen Häuselbauer in die Pleite getrieben haben. Es waren in Europa auf Gefälligkeitsgutachten gebaute Bilanzen und die raffinierte Schuldenpolitik der Volks"vertreter", welche der "Krise" den weg gebahnt haben. Es ist die "Krise" die den Politikern ermöglicht mit uns als Bürgen Geld um 2 bis 3% aufzunehmen und als "großzügige" Hilfeleistung um 8 bis 9% an bedrohte Banken weiterzugeben. Um solche Geschäfte zu machen braucht man eine "Krise" und die läst sich halt nur mit Inflation und Geldentwertung fortsetzen !!
Antworten- Antwort von Peter Jaunecker (25.10. 2010 17:01 Uhr):
Sehr geehrter Herr Dr. Weiss Betrifft: Ihren heutigen Artikel: Abwertungswettlauf Vielen Dank für Ihre Zeilen, leider kann man nur sagen "wie wahr, wie wahr". Bedingt durch die angesprochene Globalisierung sind auch keine Alternativen möglich. Die diversen Aussagen sogenannter Wirtschaftsweisen sind, weil bezahlt lediglich als Werbung und Volksverdummung zu betrachten. Eine Möglichkeit der Politik Reisen sowie persönlichen Erfahrungsaustausch zu unterbinden gibt es nicht. Daher wird gebetsmühlenartig irgend ein Unsinn (analog der Wissenschaft in vorangehenden Jahrhunderten) verbreitet. Daß nationale Kräfte diesen Schwachsinn ausnützen liegt auf der Hand, da mit Angst mehr als durch Aufklärung bewirkt werden kann. Wenn Staaten ihre Ökonomie nach dem Vorbild Zimbabwes ausrichten, kann man wie dort, schon nach relativ kurzer Zeit, die Folgen erkennen (Inflation, die keine Zeit mehr läßt Geldscheine zu drucken u.s.w.), und das in einem Land, das noch in der Vorgeneration als Wohlstandsland galt. Der Verfall des allgem. Wohlstandes geht etwa analog den Gesetzen der Schwerkraft vor sich (am Anfang fast nicht merkbar, dann immer rascher unwiderstehlicher). Eine Alternative solange Geld noch einen Wert besitzt in Wirtschaftsgüter (Produktion, privaten Konsum mit Lang- zeitnutzen etc.) zu investieren, ist auf Grund der notwendigen Kapitalien bzw. der Unsicherheit der Energieträger/ möglicher Ertragschancen zweifelhaft. Seitens unserer Führungs-Verwaltungskräfte ist eine Änderung ihres Verhaltens nicht anzunehmen - daher scheint mir nur die Möglichkeit einer Diktatur mit allen negativen Erscheinungen möglich. Leider hat dann niemand Einfluß auf die handelnden Personen. Eine Ausrufung eines neuen Staates kann das Problem der Nachfolgestaatenregeln umgehen. Mit freundlichen Grüßen Peter Jaunecker
- Antwort von klaus holzhausen (01.11. 2010 22:23 Uhr):
habe dem nicht hinzuzufügen.die schlussfolgerungen dem entgeghenzuwirken haben sie unmissverständlich aufgezeigt
- Antwort von Peter Jaunecker (25.10. 2010 17:01 Uhr):