Absurde Posse
Daniela Knauer in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 20. August 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
in der vergangenen Woche konnten wir wieder einmal beobachten, wie eng inzwischen alle Bereiche des Kapitalmarkts miteinander verflochten sind. Was als Hypothekenkirse in den USA begann und am Anfang von vielen Marktteilnehmern als kleines lokales Problem abgetan wurde, zieht immer weitere Kreise. Inzwischen haben auch die Carry-Trades eine volle Breitseite abbekommen und viele Anleger, die sich der Brisanz ihrer Währungskredite gar nicht bewussst waren, befinden sich in ernsten Schwierigkeiten. Das zog Schockwellen nach sich, die rund um den Globus Erschütterungen hervorriefen.
FED senkt Diskontzinssatz ...
Erschüttert ist allerdings auch das Vertrauen in die Institutionen, die Politiker und Währungshüter, die täglich vom Markt ad absurdum geführt wurden, wenn sie wieder beteuerten, dass alles ja gar nicht so schlimm sei. Die Krönung der Posse kam aber von der amerikanischen Notenbank: Während am Donnerstag noch Zentralbankratsmitglied William Poole sagte, dass keine Zinssenkng beabsichtigt sei, senkte die FED am Freitag den Diskontsatz um 50 Punkte auf 5,75%. Das ist zwar nicht der weitaus wichtigere Leitzinssatz, sondern nur die Rate, zu der Banken bei der FED Geld ausleihen können. Doch die Notenbank zeigte damit den Marktteilnehmern, dass sich die Situation inzwischen weit genug zugespitzt hat, dass sie auch Rückwirkungen auf die Wirtschaft für möglich hält.
... wegen Sorgen um die amerikanische Wirschaft
Dieses Bild bestätigten auch einige Konjunkturdaten der vergangenen Woche wieder: So fielen die amerikanischen Baubeginne auf den tiefsten Stand seit 10 Jahren und auch die Arbeitslosenquote verschlechterte sich weiter. Diese Zahlen vom Donnerstag führten möglicherweise mit zu der Diskontsatzsenkung der FED. Denn sie achtet stark auf die Zahlen vom Arbeitsmarkt. Sollte sich diese Schwäche auch in den kommenden Wochen bestätigen, könnten wir bereits bei der nächsten Sitzung der Notenbank im September mit einer Senkung der Leitzinsen rechnen.
Das Geld kommt nach Hause
EUR/USD war in der vergangenen Woche jedoch eher von einer Bewegung zurück in den sicheren Hafen geprägt. Weltweit wurden Positionen aufgelöst, die Gelder zurück nach Amerika geschafft. Dazu müssen die Anleger US-Dollars kaufen, folglich sahen wir hier auch einen tiefen Fall gegenüber dem Euro:
Der Bruch der Unterstützung bei 1,3600 führte zu einer rasanten Abwärtsbewegung, die sogar zu einer Kurslücke (bei Währungen ein seltenes Phanomen) führte. Dabei wurde der mittelfristige Aufwärtstrend leicht unterschritten, er konnte aber durch die Zinssenkung der FED wieder zurück erobert werden. Doch zu mehr als einer Gapschließung reichte es bisher nicht. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob jetzt sofort wieder der Aufwärtstrend aufgenommen wird. Interessante Hinweise zu ihrer Beantwortung können uns vielleicht wieder die Daten zu den Committment of Traders geben:
Als Preischart ist hier der handelsgewichtete Dollarindex (grau) abgebildet, Sie müssen also vom EUR/USD um 180 Grad umdenken. Wir sehen, dass die kommerziellen Händler (blau) in die Stärke verkauft haben. Von der Positionierung der vorigen Wendepunkte sind sie allerdings noch weit entfernt. Das deutet darauf hin, dass wir zwar aktuell eine begrenzte Gegenbewegung sehen könnten, danach jedoch der mittelfristige Aufwärtstrend bei EUR/USD einem erneuten Test unterzogen werden dürfte. Sollte er nachhaltig brechen, liegt die nächste Unterstützung erst wieder im Bereich von 1,3260.
Als Anlaß für eine erneute Schwäche bei EUR/USD bietet sich in der kommenden Woche neben neuen Problemen am Hypothekenmarkt die Veröffentlichung der ZEW-Daten am Dienstag an. Denn sie könnten durch die Turbulenzen der vergangenen Wochen ziemlich schwach ausfallen.

