Abstufung

in DAX Daily
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die Vereinigten Staaten sind seit Freitagabend ihre Top-Bonitätsnote der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) los. Die Agentur stufte das US-Kreditrating um eine Stufe von „AAA" auf „AA+" herunter und beließ den Ausblick auf „negativ". Begründung: Der im Zuge der Anhebung der US-Schuldenobergrenze vereinbarte Konsolidierungsplan sei mittelfristig nicht ausreichend, um die Staatsverschuldung unter Kontrolle zu halten, wie die Agentur mitteilte.


 

Die anderen beiden großen Ratingagenturen Fitch und Moody's hatten die Top-Bonitätsnote der USA nach der Anhebung der Schuldenobergrenze beibehalten, jedoch zugleich Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit der Verschuldung geäußert. Nach der Abstufung durch S&P werden die USA zum ersten Mal seit 70 Jahren nicht mehr von allen drei großen Agenturen mit der Bestnote bewertet, wobei dem Markt seit langem bekannt war, dass diese Einschätzung ohnehin viel zu „optimistisch" ist.

 

Experten halten mittelfristig nun steigende Zinsen bei US-Staatsanleihen und damit auch bei anderen Anlage- und Kreditformen für möglich. Nach Angaben der US-Investmentbank JPMorgan könnte ein Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen von 50 Basispunkten das US-Wirtschaftswachstum um 0,4 Prozent bremsen. Studien zeigen allerdings, dass derartige Abstufungen sich entgegen der allgemeinen Marktmeinung häufig langfristig stabilisierend auf die Zinslasten auswirken, die der Markt ohnehin bereits vorweggenommen hat.

 

Die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit hat allerdings die Angst vor weiteren Kursstürzen an den Börsen weltweit geschürt. Die Europäische Zentralbank (EZB) beriet am Sonntag über eine Neuauflage ihrer Krisen-Programme. Zum einen muss die EZB gegen das zunehmende Misstrauen am Interbankenmarkt vorgehen. Am Mittwoch will die Zentralbank den Instituten deshalb wieder für sechs Monate so viel Liquidität bereitstellen, wie sie benötigen. Dies soll zu einem durchschnittlichen Leitzins erfolgen.

 

Darüber hinaus kauft die EZB Staatsanleihen, um die Märkte der strauchelnden Euro-Peripherieländer zu stützen. Auch der Ankauf von italienischen Staatsanleihen war am Sonntag in Aussicht gestellt worden, was deren hohe Zinsen senken kann. Italien hatte am Freitag einen schnelleren Defizitabbau und einen ausgeglichenen Haushalt schon im Jahr 2013 versprochen und damit die Wahrscheinlichkeit einer EZB-Intervention erhöht. Wie es um die Glaubwürdigkeit italienischer Versprechungen bestellt ist, wissen erfahrene Marktbeobachter seit Jahrzehnten. Das wird in der aktuellen Marktsituation aber keine große Rolle spielen.

 

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von
Henrik Voigt
Henrik Voigt

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Kommentar von Hartmut Fischer

Und schon gar nicht bei unserer (gegen die Sparer und Geldwertbesitzer) verschworenen Euro-Politikerbande, wo die Solidität von "Partner"-Staaten ja nicht angezweifelt werden darf.

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Kommentar von Albert Karl

SgH Voigt, vielen Dank für Ihren fundierten Bericht. Wir wissen doch: Die Urteile der Rating-Agenturen vor der Herabstufung des US-Kreditrating konnte man zu diesem Zeitpunkt nur dann ernst nehmen, wenn man den USA gleichzeitig Junk-Status bescheinigt hätte. Die Bewertung der USA vor noch nicht einmal einer Woche mit AAA war ein absoluter Witz, und kein normaldenkender Mensch konnte eine solche Bewertung noch ernst nehmen. Wie dem auch sei, die Aktion von S&P hat den Marktteilnehmern verdeutlicht, dass die US-Rating-Agenturen darauf erpicht sind, die Europäer weiter zu ärgern. Diese Politik der "Nadelstiche" wird bewußt fortgesetzt, sodass man nicht lange auf neue Abstufungen z.B. für Spanien, Italien oder Portugal warten muss. Im Ergebnis haben die konzertierten Manipulationen der drei amerikanischen Rating-Agenturen doch dazu geführt, dass die deutschen Staatsanleihen wie schon im Sommer des vergangenen Jahres als "Sicherer Hafen" angepriesen werden. Der Kursanstieg bei den deutschen Staatsanleihen hat zu einem Rendite-Absturz noch Anfang August auf 2,53% für die 10-j. Bunds geführt. Gruß, A.K

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