Abspringen – nicht abwerfen lassen
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 23. Februar 2005 12:00 Uhr
ENL5454
"Der Anstieg der Energiepreise und der niedrigere Dollar nahmen der (amerikanischen) Wirtschaft ein wenig Schwungkraft. Aber größere Bedenken bleiben wegen der vorsichtigen Haltung. Bedenken der Unternehmen über die Richtung des Cash Flows könnten zu zurückhaltenden Entscheidungen führen, was das Einstellen von neuen Arbeitskräften und den Wiederaufbau von Lagerbeständen betrifft."
- Ken Goldstein, Ökonom des "Conference Board"
Ach wirklich?
Einer der allgemein anerkannten wirtschaftlichen Indikatoren – der "Index of Leading Economic Indicators", der vom Conference Board berechnet wird – fiel im Januar auf 115,6 Punkte. Damit war der Rückgang rund 50 % größer, als von den Cheerleadern in Washington und New York prognostiziert.
Goldstein beschreibt das wirtschaftliche Bild als "positiv, aber eher gefleckt als robust". Ich nehme einmal an, dass es dann keine Überraschung wäre, wenn einige dieser Cheerleader damit beginnen würden, sich selbst von ihren zuvorigen Prognosen von endlosem Sonnenschein und Glorie zu distanzieren.
Alan Greenspan zum Beispiel hat gesagt, dass er, um ehrlich zu sein, verwirrt ist, wenn er sieht, wie die Dinge derzeit ablaufen (zumindest hat er das vor dem US-Kongress gesagt).
Er kann sich keinen Reim auf die unterschiedliche Entwicklung von kurzfristigen und langfristigen US-Staatsanleihen machen. Trotz 6 Leitzinserhöhungen, einem steigenden Aktienmarkt und explodierenden Immobilienpreisen steigen die Renditen der US-Staatsanleihen nicht.
Das Offenmarkt-Komitee der Fed hat die Leitzinsen von 1 % auf 2,5 % erhöht. Und zur selben Zeit sind die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen und die Zinsen, die für 30-jährige Hypotheken bezahlt werden müssen, GEFALLEN.
Mr. Greenspan betont laut, dass die langfristigen Zinsen vielleicht wegen "der überfälligen Kreditnachfrage der Unternehmen" gesunken sind.
Aber stattdessen bleiben die Investitionen der US-Unternehmen beschränkt, und es werden hauptsächlich Teilzeitkräfte eingestellt. Die Entlassungen sind immerhin zurückgegangen. Und neue Schulden werden nur für kurzfristige Projekte aufgenommen. Die langfristigen Visionäre sind entlassen worden, und sie sind durch Erbsenzähler ersetzt worden, die langfristige Vermögensanlagen in kurzfristige Gewinne verwandeln wollen.
Vielleicht machen die sehr guten Zahlen vom US-Immobilienmarkt – Rekordzahl bei der Zahl der Hausneubauten – ein wenig Angst, wenn man bedenkt, dass viele dieser neuen Häuser für Preise gekauft werden, die ihren Wert um 15 % oder mehr überschreiten.
Vielleicht machen all diese kleinen Leute mit Hypotheken, deren Bedienung ihr halbes Einkommen erfordert, und die keine Ersparnisse haben, Alan Greenspan mehr Sorgen, als er zugibt. Vielleicht würde er alles gerne ein bisschen verlangsamen. Oder vielleicht mehr als ein bisschen:
"Die Geschichte warnt, dass Leute, die lange Perioden relativer Stabilität miterleben, anfällig für Exzesse sind."
Alan Greenspan im Jahr 1999? Nein, Alan Greenspan am 16. Februar 2005.
Nun, Greenspan würde das nicht sagen, aber ich habe keine solchen Beschränkungen und sage:
Diese Rally wird Ende April auslaufen, bei einem S&P-500-Stand von 1.400 Punkten. Und von da an wird eine Seitwärtsbewegung im Vergleich zur einzigen Alternative gut aussehen. Aber jetzt scheinen noch alle Sterne. Wenn es auch viele langfristig wirtschaftlich bedenkliche Fakten gibt, so gibt es doch keine kurzfristig technischen Bedenken, die die Rally der Bullen aufhalten könnten, die diese – und ihr texanischer Reiter im Weißen Haus – so dringend wollen.
Mein Rat? 200 Punkte beim S&P sind immer noch ein Preis, der es wert ist, ihn sich zu holen. Also tun Sie das! Reiten Sie diesen Bullen – aber halten Sie Ausschau nach einem weichen Stück Boden, auf dem Sie landen können, und springen Sie ab, bevor Sie abgeworfen werden.