Absicherung gegen steigenden Heizölpreis
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 17. Juni 2010, 12:00 Uhr
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Trader´s Daily-Leser Bernd Ö. schrieb mir:
"Im Freundeskreis diskutieren wir seit längerem folgende Strategie gegen einen steigenden Heizölpreis: Angenommen, ich brauche 2.000 l Heizöl pro Jahr, das ergibt in den nächsten 20 Jahren 40.000 Liter, beim aktuellen Heizölpreis von 0,70 Euro/l sind dies 28.000 Euro. Also kaufe ich mir jetzt ein Papier, das den Heizölpreis abbildet und investiere dabei 28.000 Euro. Steigt der Heizölpreis in den nächsten Jahren, kann ich diesen Preisanstieg durch mein gestiegenes Investment in Heizöl ausgleichen. Ich friere so den aktuellen Heizölpreis von 0,70 Euro/l für die nächsten 20 Jahre ein. Jedes Jahr verkaufe ich einen Teil meines Investments, und zwar soviel, um damit 2.000 l Heizöl zu kaufen. Fällt der Heizölpreis, habe ich Pech gehabt. Dass der Heizölpreis im Durchschnitt der nächsten 20 Jahre unter 0,70 Euro/l fällt, halte ich allerdings für unwahrscheinlich. Bleibt der Heizölpreis gleich, habe ich einen Zinsverlust, denn ich hätte die 28.000 Euro ja anderweitig investieren können. Geht diese Strategie auf?"
Meine Antwort:
Zunächst halte ich hier inne und frage mich, ob auch diejenigen, welche den Trader´s Daily nicht regelmäßig lesen (von mir intern "Ungläubige" genannt), auf solche durchaus cleveren Gedanken kommen.
(Nun, wohl auch gelegentlich. Wir hatten ja auch noch keinen Nobelpreisträger in der "Gemeinde".)
Zur Sache:
Hier geht es um das, was Trader in ihrem eigenen Jargon „hedgen" nennen - absichern.
Ein „perfect hedge" wäre in diesem Fall eine vollständige Absicherung gegen das Preissteigerungsrisiko.
Durchaus eine Überlegung wert. Ich selbst habe das früher im Fall des Benzins an der Tankstelle so gehabt. Hatte ein paar Papiere im Depot, die im Fall eines steigenden Benzinpreises einen Gewinn brachten, der die Mehrkosten an der Zapfsäule ausgeglichen hat.
So konnte ich mir Ärger über die gestiegenen Spritpreise ersparen...und mich sogar über die erfreulichen volkswirtschaftlichen Lenkungswirkungen höherer Spritpreise freuen. (Denn die forcieren natürlich die Entwicklung sparsamerer Wagen bzw. eine Entwicklung ganz weg vom Verbrennungsmotor, hin zu Elektroautos etc.)
Wichtig ist allerdings, dass der Leser das richtige Instrument auswählt. So hat z.B. der Ölpreis Sorte WTI nicht unbedingt die gleiche Preisentwicklung wie der von ihm geforderte Heizölpreis.
Das geht schon mit der Währung los...Rohöl notiert in Dollar, der Leser zahlt seinen Heizölpreis in Euro.
Eine für den Anfang recht gute Annäherung wäre ein 1:1 Zertifikat auf den Ölpreis Sorte Brent (Nordseeöl, für unseren Heizölpreis der Referenzwert), ohne Laufzeitbegrenzung und MIT Währungssicherung. (Solche Scheine heißen im Jargon „quanto").
Sie können aber auch ein wenig weiter recherchieren, es gibt durchaus auch Scheine nicht auf den Ölpreis, sondern auf den Benzinpreis. Da müssten Sie mal vergleichen, zu welchem Wert sich der Heizölpreis paralleler entwickelt. Konkrete Empfehlung eines Scheins darf ich an dieser Stelle ohnehin nicht geben (wissen Sie ja) - ich hoffe aber wie üblich, zumindest ein Stückchen weitergeholfen zu haben.
Ich sage auch nicht, dass die Überlegung des Lesers auf jeden Fall gut ist. Seine Idee hat auch Nachteile: Er hat Kapital gebunden, welches er sonst anders einsetzen könnte. Und solche Scheine kosten auch eine Kleinigkeit, angefangen von der Managementgebühr (vielleicht 1% pro Jahr) sowie den „Rollkosten", wenn der Basiswert ein Öl-Future ist.
Nun, letztlich ist die Strategie genau das: Eine Absicherung. Und zwar gegenüber einem deutlich steigenden Heizölpreis. Dafür wirkt sie.
Mit herzlichem Gruß,
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Fiskus (17.06. 2010 12:29 Uhr):
Die Überlegung finde ich clever, aber die Frage ist doch generell, was möchte ich mit Investments erreichen? Meist werden Gewinne angestrebt! Wie und wo Gewinne erzielt werden können muss ich herausfinden. Anschließend kann ich diese einsetzen, wo und wann ich will. Viel Erfolg!
Antworten - Kommentar von Eberhard Luedecke (17.06. 2010 19:24 Uhr):
Lieber Herr Vaupel, ich frage mich, wo bei diesem Vorschlag der gesunde Menschenverstand bleibt. Anstatt mit dem Ölpreis zu spekulieren, was der Durchschnittsverbraucher wohl eher nicht macht, ist es nach meiner Auffassung einfacher und besser, mit anderen zusammen eine Sammelbestellung für Heizöl zu organisieren. Das bringt deutliche Preisvorteile gegenüber einer Einzelbestellung. ) Außerdem ist es sinnvoller, die Abhängigkeit vom Öl durch Energie sparende Maßnahmen am Gebäude zu minimieren. Sonnige Grüße, Eberhard Luedecke
Antworten - Kommentar von Claus Dorn (17.06. 2010 23:23 Uhr):
Die Idee ist interessant. Die Stellungnahme von Herrn Vaupel - wie gewohnt - professionell.
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