Absicherung gegen Kursverluste
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 12. Januar 2010, 16:00 Uhr
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mein Kollege Tom Firley fragte mich kürzlich, ob ich für seinen kostenlosen Newsletter "Investor's Daily" einen kleinen Gastbeitrag zum Thema "Absicherungsmöglichkeiten gegen Kursrückgänge" verfassen wolle. Gerne stimmte ich zu.
Den Beitrag möchte ich Ihnen als Leser von Investoren Wissen natürlich nicht vorenthalten und gebe ihn in Originalform auch hier in der heutigen Ausgabe wieder - auch, wenn Ihnen als Leser von Investoren Wissen wahrscheinlich einige Punkte schon bekannt sein dürften.
Alexander Hahn
eine starke, mehrmonatige Rallye macht sicherlich jedem Anleger ordentlich Spaß. Dies trifft natürlich auch ganz besonders auf die massive Bewegung seit den Tiefs aus dem März 2009 zu.
Zahlreiche Anleger sitzen nun auf erfreulichen Profiten und die Aufwärtsfahrt scheint immer noch nicht völlig vorbei zu sein. Doch je luftiger die Höhen werden, desto mehr steigt natürlich auch das Risiko eines Rückschlags bzw. einer Korrektur.
Wie kann man sich also bestmöglich gegen fallende Kurse absichern? Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt?
Die Märkten bieten sehr viele Möglichkeiten um sich abzusichern
Welche Absicherungsstrategien Sie letztlich für Ihr Portfolio nutzen, hängt natürlich von Ihrer persönlichen Neigung und Ihrer bisherigen Erfahrung als Anleger ab.
Ich habe daher die nachfolgenden Tipps etwas nach Erfahrungslevel gegliedert, so dass jeder von Ihnen relativ einfach vielleicht die ein oder andere Idee für sich mitnehmen und weiter erkunden kann. Wenn ich in den folgenden Absätzen von konkreten Wertpapieren spreche, so ist dies rein zur Veranschaulichung der beschriebenen Methoden gemeint und bitte nicht als konkrete Kauf- oder Verkaufsempfehlung zu verstehen.
Auch kann ich Ihnen teilweise nur generelle Vorschläge und Ideen mit auf den Weg geben, da jedes Portfolio natürlich unterschiedlich aussieht und ich dies in einem Newsletter unmöglich berücksichtigen kann. Ich bin mir aber sicher, dass Sie die nachfolgenden Punkte ohne größere Probleme auf Ihre Situation übertragen werden können. Die folgenden Aufstellungen sind insgesamt auch weniger als Erklärung gedacht, sondern primär als eine Art Zusammenstellung verschiedener Ideen und Möglichkeiten und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit:
Sicherungsstrategien für den Anfänger (ohne Optionsscheine oder Zertifikate)
- Setzen Sie konkrete Stop-Loss Kurse auf Ihre Positionen (d.h. keine „mentalen Stopps") und respektieren Sie auf jeden Fall Ihre Stopp-Marken (keine nachträgliche Manipulation der gewählten Werte, um „noch etwas Platz" zu geben, da die Aktie ja „bestimmt demnächst wieder steigt"...). Ganz nützlich können hier z.B. sog. „Trailing Stops" sein, die sich der Kursbewegung Ihres Wertpapiers nach oben hin automatisch anpassen.
- Wenn Sie das Gefühl haben, eine Korrektur kommt immer näher, so können Sie Ihre Stop Loss Marken nochmals verengen, so dass Sie weniger Kapital riskieren, wenn es dann wirklich gewittern sollte, wie Sie vermuteten.
- Nehmen Sie Profite auf die schwachen Positionen des Portfolios vor der Abwärtsbewegung mit. Der perfekte Ein- und Ausstieg in ein Wertpapier ist ein Mythos. Ich z.B. bevorzuge es, dann Gewinne mitzunehmen, wenn das Risiko einer Position nicht mehr im gesunden Verhältnis zum möglichen Gewinn steht und halte somit nicht allzu viel von einer sklavischen Fixierung auf im Vorfeld gesetzte Kursziele. Die Börse ist kein Wunschkonzert und kümmert sich um solche individuellen Kurszielmarken meist herzlich wenig.
- Wenden Sie die „50-50-Regel" an: Angenommen Sie haben ordentliche Profite auf eine Position, würde diese aber gerne noch etwas weiter laufen lassen. Gleichzeitig ist Ihnen aber auch das Risiko zu hoch, Rückschläge zu erleiden. Nun können Sie wie folgt vorgehen: Berechnen Sie Ihr Positionsrisiko (Differenz aus aktuellem Aktienkurs und gesetztem Stop Loss multipliziert mit der Anzahl der Aktien der Position). Ermitteln Sie nun, wie viele Aktien Sie mit Gewinn verkaufen müssten, um Ihr verbleibendes Risiko (also der nicht verkauften Aktien bis zum Stop Loss) auf Null zu bekommen (oder etwas über Null, wenn Sie Ihre Brokergebühren auch wieder rausholen möchten). Verkaufen Sie die entsprechende Menge an Aktien anschließend. In diesem Fall können Sie die Position relativ ohne Sorgen einfach weiterlaufen lassen, da Sie ja bereits genug Teilgewinne mitgenommen haben und im schlechtesten Fall „zu Null" aus der Gesamtposition gehen, wenn die zweite Hälfte des Handels, die im Markt bleibt, ausgestoppt werden sollte.
- Fügen Sie Ihrem Portfolio vorübergehend als Absicherung inverse Index-ETFs hinzu. Ein inverser ETF profitiert genau umgekehrt zu einem normalen ETF. Ein inverser DAX ETF z.B. profitiert also um 1%, wenn der DAX 1% fällt und verliert, wenn der DAX um 1% steigt. Gerade in Zeiten von sehr schwachen Marktphasen wie etwa im Jahr 2008 kann sich dies als Absicherung hinsichtlich erwarteter Marktschwäche durchaus sehr lohnen.
Einen inversen DAX-ETF finden Sie z.B. unter der WKN DBX1DS.
Sicherungsstrategien für Fortgeschrittenere
- Alle in der „Anfänger-Rubrik" genannten Strategien
- Put-Optionsschein auf den DAX oder andere Leitindizes bzw. Einzeltitel
- Zukauf von bärischen Derivaten wie verschiedenen Zertifikaten etc.
- Eröffnung von Short-Positionen auf schwache Aktientitel (Shorts bitte immer mit Stop Buy, da sonst das Verlustrisiko unbegrenzt ist).
- Nutzung von CFDs, um Shortpositionen gegen bestehende Aktienbestände zu eröffnen (Stichwort „Positionen deltaneutral machen")
Sicherungsstrategien für routinierte Anleger mit Erfahrung und nötigen Kenntnissen
- Alle in den oberen beiden Rubriken genannten Strategien
- Absicherung über Volatilitätsindizes wie den VDAX oder den VIX (über Index-Calls), denn steigende Volatilität und fallende Kurse laufen nicht selten Hand in Hand.
- Optionsstrategie: Equity Collar (Zu einer bestehenden Aktienposition Zukauf ‘Protective Put' + Verkauf ‘Covered Call' zur Kostensenkung und "Finanzierung" des Puts).
- Covered Calls zur Positionsschließung und Gewinnmitnahme (wenn z.B. noch genug Zeit bis zur Korrektur erwartet wird)
- Ersetzung von Aktienpositionen durch Optionen ("Stock Replacement") und konsequentes Rollen dieser um möglichst wenig Geld im Markt halten zu müssen, falls Gewinne auflaufen.
- (und vieles mehr)
Ich hoffe, ich habe vielleicht den ein oder anderen von Ihnen mit dieser Kurzübersicht ein wenig neugierig gemacht, sich mit den jeweiligen genannten Methoden etwas näher zu befassen, bevor die nächste Korrektur dann tatsächlich vielleicht einmal kommt.
Die hier genannten Themen (z.B. Optionen, Optionsscheine, ETFs, Handelsstrategien u.v.m.) sind übrigens auch immer wieder Artikelgegenstand in meinem kostenlosen Daily Investoren Wissen, welcher als generelles Ziel die stetige Weiterbildung seiner Leser hat - egal, ob Sie Anfänger oder bereits weiter an der Börse fortgeschritten sind. Dort ist für jeden etwas dabei und jeden Tag wächst Ihr Wissen um ein kleines Stückchen. Sie eignen sich somit eine Weiterbildung an, die Ihnen niemand mehr nehmen kann.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Nachmittag.
Beste Grüße
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