Absicherung eines Depots mit „Short“-Spekulationen

in Investors Daily zum Thema Derivate
vom


 

Eine Short-Spekulation ist eine „Wette" auf fallende Kurse. Dies funktioniert mit „Put"-Optionsscheinen, Put-Optionen oder auch Short-Hebelzertifikaten. Gehen wir von folgendem Szenario aus:

1.) Angenommen Sie haben 100.000 Euro in ein Dax-Depot investiert.
2.) Der Dax steht bei etwa 7.000 Punkten (wie im April, als ich bei der Paula-Strategie von der Put-Absicherung schrieb...)


3.) Sie schließen aufgrund des schwierigem Umfelds (welches wir gerade haben) fallende Kurse nicht aus. Vielmehr räumen Sie diesem Szenario eine gewisse Wahrscheinlichkeit ein.
4.) Sie wollen Ihre Aktienbestände nicht verkaufen. Sie wollen stattdessen einen Teil des 100.000-Euro-Dax-Depots absichern.

Jetzt kommen die so genannten Puts ins Spiel. Ein Put ist als Short-Spekulation nichts anderes als eine „Wette" auf fallende Kurse. Natürlich können Sie hierfür auch Hebelzertifikate nehmen (die den gleichen Sinn haben, aber anders berechnet werden). Der Clou:

Ganz einfach ausgedrückt, können Sie einen Put (in diesem Fall auf den Dax) mit einem bestimmten „Hebel" kaufen. Das bedeutet zum Beispiel bei einem Hebel von 5: Fällt der Dax um 10 Prozent, steigt der Wert Ihres Puts um das Fünffache, also um 50 Prozent. Aber natürlich kann sich der Hebel auch gegen Sie wenden. Denn steigt der Dax um 10 Prozent, fällt der Wert Ihres Puts um 50 Prozent. 

Ganz wichtig: In der Praxis sieht das etwas anders aus. Bevor Sie mit Optionsscheinen oder Hebelzertifikaten hantieren wollen, informieren Sie sich bitte umfassend über dieses gefährliche Thema. Bei Optionsscheinen ist zum Beispiel auch die Laufzeit ein wichtiger und oft entscheidender Faktor. Weiter im Text:

Sagen wir, Sie wollen Ihr Dax-Depot (zunächst) gegen einen Verlust von 10 Prozent absichern. Mit anderen Worten: Sie brauchen eine „Absicherungsspekulation", die 10.000 Euro Gewinn macht, wenn der Dax um 10 Prozent fällt. Zur Erklärung: 10 Prozent Verlust von 100.000 Euro sind 10.000 Euro. Und genau diese 10.000 Euro wollen Sie im Fall der Fälle eben nicht verlieren, sondern absichern.

Die einfachste Variante: Sie suchen eine Spekulation (Option, Optionsschein oder Hebelzertifikat, ich plädiere für letzteres) mit einem Hebel von 10 und setzen 10.000 Euro ein. Ihre Spekulation bewegt sich also 10mal so stark wie der Basiswert (also der Dax in diesem Falle) selbst. Was passiert?

1.) Der Dax steigt um 10 Prozent

Ihr Einsatz vorher:
100.000 Euro im Dax-Depot
10.000 Euro als Absicherung
Gesamt-Einsatz also: 110.000 Euro

Folge: Ihr Dax-Depot steigt korrespondierend ebenfalls um 10 Prozent und ist dann 110.000 Euro wert.

Ihre Absicherung ist (so gut wie) wertlos. Hebel 10 mal minus 10 Prozent (die der Dax gegen die Absicherung lief) sind eben minus 100 Prozent. Ihre Absicherung von 10.000 Euro ist futsch. Zumindest zu diesem Zeitpunkt. Wie gesagt, bei Hebelzertifikaten ist dies relativ einfach zu berechnen, bei Optionsscheinen „etwas" schwieriger. Beide Varianten haben Vor- und  Nachteile.

Unterm Strich bleiben also zunächst:
110.000 Euro im Dax-Depot plus Null Euro Absicherung. Ergibt 110.000 Euro.
Weiter gerechnet:
110.000 Euro im Dax-Depot minus 10.000 Euro Absicherung. Ergibt 100.000 Euro. Statt 110.000 Euro ohne Absicherung. Aber denken Sie daran, dass Ihr Ziel war, das 100.000 Euro-Depot „einzufrieren", also eben genau zu dem Stand von 100.000 Euro vor einem größeren Verlust zu schützen. Sie erkennen schon jetzt den Haken an der Geschichte: Sie haben genauso viel Geld- (bzw. Aktien)-Wert wie vorher, der Dax ist aber schon 10 Prozent davon gelaufen.



2.) Der Dax fällt um 10 Prozent.

Ihr Einsatz (wie oben):
100.000 Euro Dax-Depot
10.000 Euro Absicherung
Gesamt-Einsatz also: 110.000 Euro

Ihr Dax-Depot fällt entsprechend um 10 Prozent und ist dann 90.000 Euro wert.

Ihre Absicherung hat sich dann (logischerweise) verdoppelt. Hebel 10 mal 10 Prozent plus sind plus 100 Prozent. Ihre ursprüngliche Absicherung ist also dann 20.000 Euro wert.

Unterm Strich bleiben also zunächst:
90.000 Euro im Dax-Depot plus 20.000 Euro Absicherung. Ergibt 110.000 Euro. Weiter gerechnet:
110.000 Euro minus Einsatz von 10.000 Euro Absicherung. Ergibt 100.000 Euro. Auch hier ist das Ergebnis plus/minus Null. Bedenken Sie hier bitte, dass Ihr Depot-Wert ohne Absicherung nur noch bei 90.000 Euro liegen würde.   

So.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten.

1.) Sie haben schon etwas Erfahrung mit Absicherungen; vielleicht auch schon schlechte, da Sie vielleicht zum Anfang Ihrer Absicherungs-Strategie-Entwicklung unpassende Literatur gelesen haben. 

2.) Sie haben noch keine Erfahrung mit Absicherungen. Dann dürften sich ein paar Fragezeichen auftürmen. Denn: Warum soll ich eine Absicherung einrichten, wenn ich in beiden Fällen (Dax steigt oder Dax fällt) keinen Gewinn mache?

Diese Frage ist völlig berechtigt. Die Antwort ist allerdings auch logisch: Eine Absicherung kostet immer Geld, sei es auch entgangene Gewinne. Hinzu kommen Transaktionskosten, das Aufgeld des Emittenten für die Spekulation... und die Zeit, das richtige Scheinchen herauszusuchen.

Weshalb eine Absicherung in einigen Fällen dennoch Sinn macht, versuche ich Ihnen morgen zu verdeutlichen.

Viel Erfolg an der Börse
Ihr

Tom Firley


PS: Lesen Sie morgen bitte unbedingt weiter. Denn es gibt noch weitere Pferdefüße bei einer Aktiendepot-Absicherung...


Zum ersten Teil von: Zunächst ein kleiner Vergleich
von
Tom Firley
Tom Firley

Tom Firley ist einer der anerkanntesten Börsenexperten und Charttechniker Deutschlands. Tausende Privatanleger profitieren täglich von seinem Investors Daily.

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Kommentar von Erich Rogler

Hallo Herr Firley, die Absicherung eines Dax-Depots ist auch mit CFD's möglich, hierzu ein Beispiel: Depot 100.000,-, 10% Verlust erwartet, DAx aktuell 6000. 10% von 100.000 € = 10.000 € 10% von Dax 6000 = 600 10.000 / 600 = 16,6 --> 16 Dax Kontrakte bei CFD short, abgesichert 9600 € Margin (wird nur hinterlegt) 1% vom Dax, bei 16 Kontrakten = 16*60 = 960 € Kosten bei Kauf und Verkauf der Kontrakte; Spread 2 Punkte --> Kauf 16*2, Verkauf 16*2 = 64 € Funktioniert auch bestens bei Einzelaktien. Mit feundlichem Gruß E. Rogler

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Kommentar von Helmut Seeger

Sehr geehrter Herr Firley, ich hab jetzt schon öfter von Faktor- Zertifikaten gelesen, die seien Risikoärmer und einfacher als Optionsscheine und nicht so gefährlich wie die Hebelzertifikate. Sind die dann auch geeignet als Depot- Absicherung? So eine richtige Erklärung über deren Funktionsweise hab ich bisher auch noch nicht gefunden. Vielleicht können Sie auch hierzu ein paar Zeilen schreiben. Vielen Dank und beste Grüße Helmut Seeger

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