Abkopplung ist irreal und existiert (noch) nicht
Profit Radar
vom 17. März 2008 19:00 Uhr
ENL5454
Wie Sie wissen, bin ich das ganz anders gestrickt. Ich bin Realist und Pragmatiker - außer beim 1. FC Köln, da werde ich es wohl nie lernen. Aber kommen wir zu den Emerging Markets: Je nach volkswirtschaftlicher Definition sind wir eigentlich schon in einer Rezession in den USA. Und selbst wenn wir es nach der Definition einiger Volkswirte noch nicht sind, da irgendwelche Zahlen noch nicht ganz genau die Richtlinien für eine „offizielle“ Rezession getroffen haben, so höre ich in aus den USA:
Während für die TV-Kameras und die allgemeine Öffentlichkeit noch mit dem typischen Ami-Siegergrinsen der Daumen in die Luft gereckt wird, nach dem Motto „Wir sind die USA, das beste Land der Welt, und alles wird gut“, wird hinter vorgehaltener Hand in Washington und an der Wall Street eigentlich nur darüber diskutiert, wie stark die Rezession und die Kreditmarktkrise ausfallen werden.
Und natürlich ist die Schlussfolgerung von Herrn Erich B. völlig richtig: Natürlich wird eine Rezession in den USA Exportnationen wie China treffen. Und die Antwort auf die Frage lautet ganz klar: "Nein", die Binnenmärkte von Argentinien bis Vietnam sind noch überhaupt nicht groß genug, um das voll zu kompensieren. Deshalb halte ich im Emerging Markets Radar derzeit auch keine China-Positionen.
Der Zeitpunkt wird kommen, wo diese Binnenmärkte so groß sind, dass Asien das Konsum-Zentrum der Welt werden wird. Aber bis dahin werden noch einige Jahre vergehen. Vor allem dann, wenn es am chinesischen Aktienmarkt mal richtig gekracht hat. Und das wird kommen. Darauf gebe ich Ihnen Brief und Siegel, auch wenn die China-Fans unter den Kollegen und Fondsmanagern, das einfach nicht wahrhaben wollen.
Have a successful day,
Ihr
Daniel Wilhelmi