Ab jetzt gehört uns alles!
Axel Retz in DAX Daily
vom 05. Juli 2006 08:30 Uhr
ENL5454
Nein, ich meine nicht den Fußball. Sondern ich meine die Steuern und Belastungen. So hat der Bund der Steuerzahler berechnet, dass (rein rechnerisch) alles von Bürgern und Unternehmen erwirtschaftete Einkommen bis heute morgen, 05:35 Uhr, in Steuern, Abgaben und Beiträge zu Sozialversicherungen geflossen ist. Und seit 05.35 Uhr arbeiten wir ausschließlich fürs eigene Konto.
Im kommenden Jahr werden wir auf diesen Tag mit Sicherheit ein paar Tage länger warten müssen, denn unter dem Deckmantel der fast alle Aufmerksamkeit absorbierenden Weltmeisterschaft hat die Koalition in aller Stille einen großen Saug-Angriff auf Bürgers Portemonnaie beschlossen. Um welche Summen es hierbei tatsächlich geht, können sich viele Bürger wahrscheinlich noch gar nicht vorstellen.
Als besonders makaber könnte die kommende Anhebung der Versicherungssteuer um drei Prozent bezeichnet werden: Auf der einen Seite fordert der Staat lauthals mehr Vorsorgeleistung vom Bürger ein, auf der anderen Seite kassiert er diejenigen ab, die sich eigenverantwortlich zeigen.
Morgen ist die EZB am Zuge, von der eine Leitzinsanhebung aber erst für August erwartet wird. Die steigende Teuerungsrate, angetrieben vor allem durch die hohen Energiepreise sind den Währungshütern in Dorn im Auge. Zu Jahresbeginn langt die Bundesregierung über ihre „Reformen" noch einmal hin. Gegen beide Einflussfaktoren ist die Notenbank machtlos.
Was sie bekämpfen kann, sind die so genannten Zweitrundeneffekte, d. h. das Überschwappen der steigenden Energieverteuerung auf die Preise anderer Güter und Dienstleistungen, also auch die Löhne. Die dreiprozentige Verteuerung durch die Mehrwertsteueranhebung hingegen ist zinspolitisch logischerweise nicht in den Griff zu bekommen.
Ich bin gespannt, auf welchen Termin der heutige Steuergedenktag im kommenden Jahr fallen wird. Ich fürchte, dass uns "alles" im kommenden Jahr etwas später gehören wird!