96,5% Preissteigerung...
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 2. Juli 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Raten Sie mal, wer der größte Stahlproduzent der Welt ist (sofern Sie es als eifrige/r Trader´s Daily-Leser/in nicht schon ohnehin wissen).
Die USA?
Russland?
Deutschland?
Antwort: China.
China produziert mehr Stahl, als die USA, Russland und Deutschland ZUSAMMEN.
(Laut MEPS International, einer Gruppe von Stahl-Analysten, brachten es die USA 2006 auf eine Jahresproduktion von 90 Mio. Tonnen, Deutschland auf 45 Mio. Tonnen, China hingegen auf über 220 Mio. Tonnen. Und inzwischen dürfte China seine Produktion noch ausgeweitet haben.)
Hinzu kommt: China ist immer noch ein Stahl-IMPORTLAND.
Kein Wunder, dass die chinesische Nachfrage nach Eisenerz und Kohle explodiert. Der brasilianische Eisenerzförderer Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) kann sich freuen, da er voll ausgelastet arbeiten kann.
Und auch der australische Eisenerzförderer Rio Tinto kann sich freuen.
*** ThyssenKrupp hingegen nicht mehr.
Dieser deutsche Stahlriese hatte sich vor einigen Jahren dazu entschlossen, seine Eisenerzvorkommen in Südamerika zu verkaufen. „Müssen wir doch nicht selber besitzen, können wir ja auch günstig kaufen", so dachte sich da wohl jemand, dessen Verstand nicht so belastbar war wie der harte Kruppstahl.
Also verkaufte ThyssenKrupp seine Eisenerzminen in Südamerika. (Ein zentraler Input für die Stahlproduktion wurde ohne Not aus der Hand gegeben, weil Quartalszahlendenken regiert.)
Es kam, wie es kommen musste: Kaum waren die Minen verkauft, da stieg der Eisenerzpreis.
Und auch im Jahr danach.
Und im Jahr danach. Bis heute. Es kam zu regelrechten Preisexplosionen von 80% Plus pro Jahr.
Doch da hatte ThyssenKrupp längst verkauft. Inzwischen kauft dieses Unternehmen zu einem Vielfachen des damaligen Eisenerzpreises die Produktion seiner ehemals firmeneigenen Minen.
Wer kaufte damals die Eisenerzminen? Die brasilianische CVRD.
*** Und da jetzt ein Großteil der weltweiten Eisenerzvorkommen in den Händen von CVRD und Rio Tinto ist, können diese die Preise diktieren. Auch gegenüber so einem mächtigen Käufer wie China.
Konkret: CVRD konnte gerade Preissteigerungen zwischen 65 und 71% aushandeln.
Und Rio Tinto verlangt von chinesischen Stahlkochern sogar 96,5% mehr, für den Zeitraum 2008/2009. (Quelle: FTD) Und die Chinesen haben akzeptiert.
Rio Tinto kann noch mehr fordern, da die Transportwege nach China kürzer sind als die von CVRD. Deshalb zahlen die Chinesen sogar 96,5% mehr.
Der Rohstoff-Bullenmarkt ist noch lange nicht vorbei...
Mit freundlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
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