96,2% mehr Autos und Gespräch mit einem Philosophen
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 21. September 2009, 12:00 Uhr
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*** Diese Chinesen! Was die wieder für Zahlen vorlegen können, beeindruckend.
Das staatliche Statistikbüro Chinas vermeldet: Im August habe sich das Wachstum der industriellen Produktion weiter beschleunigt. (Weiter beschleunigt!)
Gegenüber dem Vormonat betrug das Plus 1,5% (wäre man hierzulande froh, so etwas gegenüber Vorjahresmonat zu haben). Gegenüber dem Vorjahresmonat war das ein Plus von 12,3%.
Wirtschaftskrise?
Dazu ein paar konkrete Zahlen.
Im August förderte China 260 Mio. Tonnen Kohle (+14,6%, Veränderung jeweils gegenüber Vorjahresmonat). Im Reich der Mitte wurden zudem 334.3 Mrd. Kilowattstunden Strom hergestellt (+9,3%). Zement wurden 150 Mio. Tonnen produziert (+24,0%). Autos: 657.000 (+96,2%!).
Ganz offensichtlich hat auch die weltweite Krise die chinesische Wirtschaft nicht abgewürgt. Stimmt, die Exporte sind gefallen: Auf 621,9 Mrd. Yuan im August, ein Minus von 15,4%. Und dennoch wächst die industrielle Produktion weiter.
Ich sage Ihnen: Hier haben wir den Hauptgrund für den Bullenmarkt der Rohstoffe (und der ist noch nicht vorbei, meiner unmaßgeblichen Ansicht nach.) Es bietet sich weiterhin an, bei besonders gefragten Rohstoffen auf steigende Preise zu setzen.
*** Und dann freue ich mich mal wieder über die Trader´s Daily-Gemeinde, was die für Edle enthält.
Letztens hatte ich mit dem alemannischen Philosophen und Gemeindemitglied (auch eine schöne Kombination) Heico Stückle diskutiert, Thema „Geld". Ich hatte mich über die US-Notenbank geärgert, welche mit virtuellem, „selbstgedruckten" Geld Staatsanleihen bezahlt.
Den philosophischen Gedankengang Stückles zu dieser Thematik fand ich überzeugend (beim Ende bin ich mir nicht sicher), auf den Punkt gebracht - und da er mich beeindruckt hat, kann er das vielleicht auch bei Ihnen. Hier sein Gedankengang:
*** Intuitive Erkenntnis schätzt Schopenhauer höher als abstrakte Erkenntnis, da die intuitive Erkenntnis dem Moment gerecht wird, während die abstrakte Erkenntnis immer zu langsam ist und der konkreten Sache nicht gerecht wird.
So schreibt er in:
Die Welt als Wille und Vorstellung, 2. Band erstes Buch Kapitel 7:
"Immer zeigt sich zwischen beiden Erkenntnisweisen das Verhältnis des Papiergeldes zum Baren."
Papiergeld galt damals soviel wie heute eine Überweisung - Unter Bargeld verstand man nur Münzen aus edlem Metall - noch im 19. Jahrhundert!
Wenn jemand bar ausgezahlt wird bekommt er Münzen und nicht bloß Papiergeld.
Papiergeld symbolisiert bei Schopenhauer noch Abstraktion. Heute sind wir einen Schritt weiter - Papiergeld wird als konkret erachtet und Kontostände gelten als abstrakt.
Das ist unser Kernproblem:
Unsere Wirtschaft wird immer abstrakter.
Das übersteigt den Intellekt des Durschnittsbürgers.
Daher verschulden sich Privatleute, überziehen Konten und geben mittels Kreditkarten mehr Geld aus, als sie haben - daher jagt in den letzten Jahren eine Krise die nächste.
In den Banken sitzen bloß begabte Mathematiker ohne geistige Kompetenz. Sonst wüssten sie nicht nur, dass sie zählen, sondern auch, was sie zählen und würden minderbemittelte Kunden daran hindern, mehr Geld auszugeben als diese haben.
Unser Wirtschaftssytem gleicht mir einem Weihnachtsbaum - schönes Lametta und Schmuck hat er, aber keine Wurzeln mehr und ist dem Tode geweiht.
*** So steht es geschrieben.
(Nämlich hier im Trader´s Daily).
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Herbert Frohnhofen (21.09. 2009 13:07 Uhr):
Oh, Herr Vaupel, Sie haben noch mehr Philosophen (und Theologen) unter Ihren Lesern. Und dies, weil Sie nicht nur fachlich sehr überzeugend schreiben, sondern dies auch mit einer Haltung verknüpft ist, die auch an die Hilfsbedürftigen dieser Welt denkt - und entsprechend handelt. Alle Achtung und viel Erfolg weiterhin.
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