819 Mrd. Dollar auf der hohen Kante
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 10. April 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Thema "86 Mio. Euro Entwicklungshilfe für China". Ich hatte ja hier im Trader's Daily meine Position dazu deutlich gemacht (siehe Ausgabe von letzter Woche Montag).
Trader's Daily-Leser Ingo K. schrieb mir dazu, dass er sich deshalb an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags wenden wollte. Und auch mindestens ein anderer Leser ist über einen Bundestagsabgeordneten aktiv geworden. Heute dann erhielt ich diese Nachricht:
"Nur zur Info, da ist mir wohl schon jemand zuvor gekommen, Ich bekam die Information, dass diese Petition schon eingereicht wurde. Auf jeden Fall gibt es wohl eine Menge Bürger, die gleich denken. Das verschafft mir Zuversicht. Weiter so."
Ja, es besteht also noch Hoffnung! (Beinahe hätte ich in Anlehnung an die polnische Nationalhymne geschrieben: "Noch ist Deutschland nicht verloren.")
Und während Deutschland weiterhin zahlt, steigen die Devisenreserven Chinas weiter und weiter. Nicht, dass ich das den Chinesen nicht gönnen würde, ganz im Gegenteil ("man muss auch jönne könne", sagt man im Rheinland). Aber wieso müssen wir angesichts dieser Entwicklung China auch noch mit unseren Steuergeldern unterstützen? (Obwohl "Steuergelder" übertrieben ist ... denn diese 86 Mio. Euro jährlich sind Teil der deutschen Neuverschuldung – also noch schlimmer, Deutschlands Schuldenlast erhöht sich deswegen.)
Da mich dies wirklich ärgert, komme ich heute darauf zurück. Ich zitiere mich zunächst selbst, aus der Trader's Daily-Ausgabe vom letzten Montag: "China ist ein Land, das Hunderte Milliarden Dollar angelegt hat. Deutschland ist ein Land, das über eine Billion Euro Schulden hat. China ist ein Land mit einem Wirtschaftswachstum von rund 10 %, und China ist auf dem Weg zur Supermacht. Wieso zahlt da Deutschland an China Entwicklungshilfe?"
Inzwischen kann ich zu den Devisenreserven Chinas genauere Angaben machen. Radio China International sei Dank – denn aus dieser Quelle erfuhr ich, dass die Devisenreserven China per 31.12.2005 bei 819 Milliarden Dollar standen. Das beträgt einem Plus von 34 % gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert. 819 Milliarden Dollar Devisenreserven, zu einem großen Teil ins zinsbringenden US-Anleihen angelegt. 819 Mrd. Dollar! Plus 34 %!
Die Chinesen brauchen sich keine Sorgen machen, denn es ist kein Ende dieser Entwicklung in Sicht, im Gegenteil. Laut Radio China International werden die chinesischen Devisenreserven "vermutlich schon in diesem Jahr die Grenze von 1.000 Mrd. Dollar überschreiten". Wow! 1.000 Mrd. Dollar, das sind eine BILLION Dollar. An Devisenreserven, zum größten Teil in Dollar-Anleihen angelegt. Ich würde Frau Wieczorek-Zeul sehr gerne fragen, warum unser hochverschuldetes Deutschland einem Land mit solchen Devisenreserven 86 Mio. Euro pro Jahr zukommen lässt ...
In diesem Zusammenhang übrigens interessant, was "China Daily" vermeldet: "Chinas Notenbankchef Zhou Xiaochuan dementierte bei der Bekanntgabe des neuen Reichtums seiner Zentralbank jede Absicht, chinesische Dollaranleihen zu verkaufen."
Warum sollte er auch? Noch hat China kein Interesse daran, den Dollar einbrechen zu lassen.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche,
Michael Vaupel
P.S.: Diese Fakten (Höhe und Wachstum der chinesischen Devisenreserven) sind für mich übrigens ein Hauptgrund dafür, dass die chinesische Währung tendenziell weiter aufwerten würde. Würde, denn sie kann es nicht: Sie kann nicht frei schwanken (=floaten), und deshalb lohnt sich aktuell auch kein Zertifikat, mit dem wir von einer solchen Entwicklung profitieren könnten. Die chinesische Führung wird den Yuan nicht so schnell frei floaten lassen, warum sollte sie, es läuft alles gut für sie.