5 Billardkugeln
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Paris in Investors Daily
vom 22. Februar 2005 18:00 Uhr
ENL5454
*** "Was im Umgang jeder Familie als besonnen gilt, kann in einem großen Königreich wohl kaum Dummheit sein." schrieb Adam Smith. Wir fragen uns umgekehrt, kann das, was im privaten Umgang Dummheit ist, nicht auch für das große Königreich eine Dummheit sein?
Die Impulsivität hat ihren Tiefstpunkt in 12 Jahren erreicht. Die Leute erwarten keine großen Bewegungen im Aktienmarkt. Sie kriegen nicht viel. Die Anleger sind ruhig, bullish und unterliegen einer Täuschung. Nichts passiert. Und nichts ist einfach nur gut.
Denn während sie aus ihren Aktien nichts machen – ist der Markt kein bisschen höher, als er es vor 6 Jahren war – die Leute werden mit Immobilien reich. Siebzig Prozent der Amerikaner besitzen ihre eigenen Häuser. Gerundet liegt der Wert des durchschnittlichen Hauses bei 200.000 Dollar und das durchschnittliche Haus steigt pro Jahr um ungefähr 10 % im Wert. Das gibt dem durchschnittlichen Haushalt im Jahr einen Reichtumszuwachs von 20.000 Dollar. Was soll einem daran nicht gefallen?
In manchen Gegenden steigt der Wert der Immobilien fünf-, sechs- oder sogar zehnmal schneller als die Inflationsrate.
Moment mal, warum können die Immobilienpreise so schnell ansteigen und die Inflation insgesamt weniger schnell? Ist nicht das Haus der größte Einzelposten auf den Konten der privaten Ausgaben? Nun, die Statistiker, die diese Zahlen zusammenstellen, tragen große Sorge, dass auf dem Konsumentenpreisindex (soll die Lebenshaltungskosten widerspiegeln!) nur diejenigen Posten aufgelistet werden, von denen die Leute nicht hoffen, dass sie im Wert steigen. Mehr als zwei von drei Häusern werden von ihren Bewohnern besessen, aber wer davon wird sich beklagen, wenn die Preise für Häuser steigen? Die, die sich beklagen, sind die Mieter. Deshalb schlagen sich auch die Mietpreise im Konsumentenpreisindex nieder.
Für den Hausbesitzer ist der Anstieg der Immobilienpreise so etwas wie Schnaps auf nüchternen Magen. Er setzt den Kelch an, und in kürzester Zeit wird ihm ein wenig schwindelig. Der durchschnittliche Hausbesitzer denkt, dass er 20.000 Dollar mehr hat, die er ausgeben kann. Wie soll er auch wissen, dass dieser Reichtum ein Hirngespinst aus Alan Greenspans finanziellem Spinnrad ist, und nichts Wirkliches.
Wer kann es ihm verübeln, dass er ein kostenloses Getränk annehmen will.
Rechnet man das Ganze auf die über Millionen Haushalte hoch, dann frisst dieser Alkohol die Jahresbilanz der Nation auf, als wäre es die Leber. Jeden Tag, laut Warren Buffet, gibt die Nation 5 % mehr aus, als sie einnimmt. Wir sind wie eine reiche Familie, sagt er, mit einer großen Farm. Wir verdienen nicht mehr so viel, wie wir es gewohnt waren, deshalb nehmen wir immer mehr Kredite auf, um für die laufenden Kosten aufzukommen. Am Ende werden wir immer noch eine Familie sein, aber eben keine reiche Familie mehr.
*** James Boric wird vielleicht bald bei Taco Bell an der Friteuse stehen.
"Es ist erstaunlich, wie wenig die Leute über kleine Aktien, also Small Caps, wissen. Ich habe in den letzten zwei Stunden fünf E-Mails von Kollegen erhalten, die hoffen, dass ich nicht gefeuert werde. Ich denke, sie haben sich noch nicht die Aktien angesehen, die ich für sie herausgesucht habe. Die eine sitzt auf garantierten Einnahmen im Wert von Milliarden Dollars, und wird für 3 Dollar je Aktie gehandelt, und die andere macht sich gerade daran, 120 Läden in China zu eröffnen – welche wahrscheinlich mehr als 120 Millionen Dollar Verkaufsgewinne in den nächsten drei Jahren erzielen werden, mehr als das Doppelte der weltweiten Einnahmen im vergangenen Jahr."
"Sicher, ich kann ihnen nicht garantieren, dass diese Aktien in den nächsten Jahren steigen werden, aber sie haben alles was nötig ist, um Kleinanlegern viel Geld einzubringen. Ich denke, die Zeit wird zeigen, wer Recht behält. Aber ich erwarte, nächstes Jahr um diese Zeit noch einen Job zu haben."
*** Probleme mit Fannie Mae sind unvermeidlich, sagt Greenspan ...
"Wenn wir zulassen, dass diese Institutionen wachsen – und das werden sie, sobald die Krise vorbei ist –, dann setzen wir das gesamte ökonomische System der Zukunft aufs Spiel", sagte er letzte Woche. Er muss damit einen Nerv berührt haben. Unmittelbar im Anschluss widersprach eine Sprecherin von Freddie Mac. "Unser zurückgehaltenes Hypothekenportfolio hilft uns unser Hauptziel zu erfüllen: Die Bereitstellung von Zahlungsfähigkeit und Stabilität für den amerikanischen Hypothekenmarkt zu Wohnzwecken in guten und schlechten wirtschaftlichen Zeiten", sagte sie.
Ein endgültiges Urteil ist noch nicht gefallen.
*** Ich könnte nie mit einer Weltverbessererin verheiratet sein. Die Streitereien würden mich den letzten Nerv kosten. Deshalb bin ich, stattdessen, mit einer persönlichen Verbesserin verheiratet. Elizabeth versucht, Ihren Autoren zu bessern. Gestern besuchten wir die Oper in Chatelet, wo wir eine moderne Tanzaufführung der Lyon Ballet Company sahen.
"Was meinst Du?" fragte Elizabeth.
"Nicht schlecht. Die Musik war schrecklich, und das Tanzen langweilig. Aber es war gut; ich brauchte den Schlaf."
"Oh komm, jetzt sei nicht solch ein Philister. Es war erfrischend und innovativ."
"Ich bin kein Philister. Ich weiß doch noch nicht einmal, wo Philistien liegt. Ich bin noch nie dort gewesen. Und tatsächlich war ich von dem Teil, den ich gesehen habe, beeindruckt. Es erinnerte mich an den Typen, der fünf Billardkugeln gleichzeitig in den Mund nehmen konnte."
"Wie denn das?"
"Es war die gleiche Sorte Leistung, wirklich herausragend ... aber die Sache nicht wert."
"Ich geb's auf."