4,4 Billionen USD vernichtet
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom 5. August 2011, 20:30 Uhr
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Das Resümee dieser Woche: 4,4 Billionen USD Verluste an den Märkten (seit dem 26.Juli). Wer trägt die Schuld daran? Die Politik, wie immer!
Aus aktuellem Anlasse verzichte ich heute auf den üblichen Wochenrückblick und verschiebe diesen auf Montag. Die Aktienmärkte sind eingebrochen in dieser Woche, die Ölpreise sind gefallen, der Goldpreis hat neue Rekordhochs erreicht und die Notenbanken in der Schweiz und Japan stemmen sich verzweifelt gegen die Aufwertung der eigenen Währungen. Natürlich gibt es nicht nur Verlierer, es wird auch Gewinner geben - das ist immer so...aber darum soll es heute nicht gehen. Sondern eher darum, weshalb die politischen Verantwortlichen in den USA und Europa bloß ein derart hilfloses Bild abgeben.
Hilflose Politik
Die einfachste Antwort ist: weil sie hilflos sind und das ist wohl auch die ehrlichste Antwort. Denn die einfache Wahrheit ist wohl: diejenigen, welche wir mit der Aufgabe betraut haben, das Schicksal unserer Staaten zu lenken, wissen schlichtweg nicht, wie sie das dieser Tage überhaupt noch bewerkstelligen sollen.
Weder in den USA, wo man bereits den schmalen Gebirgspfad betreten hat, der zwischen dem Abgrund der konjunkturellen Abschwächung auf der einen Seite und dem Abgrund der ausufernden Schulden auf der anderen Seite liegt. Dabei ist jetzt schon klar, dass die Chancen der USA, diesen schmalen Pfad ohne Absturz heil zu überstehen, äußerst gering sind. So stellen sich viele nur noch die Frage, in welchen Abgrund die USA wohl schließlich stürzen werden.
In der Eurozone dagegen tritt die Hilflosigkeit vor allem durch den extremen Stimmen-Kanon zu Tage. EU-Kommissionspräsident, EU-Währungskommissar, Präsident des Europäischen Rates, Euro-Gruppen-Chef - viele europäische Posten von deren Existenz die meisten noch vor ein paar Jahren vermutlich noch nicht einmal Notiz genommen haben - wechseln sich da mit Staats- und Regierungschefs von mindestens 17 Staaten ab und nebenbei dröhnt immer auch die Stimme des EZB-Chefs oder mindestens die einer der 17 Notenbank-Chefs. Ein derartiges Gebilde muss schon von vornherein für Verwirrung sorgen. Umso lustiger, dass ausgerechnet Olli Rehn (das ist übrigens der EU-Währungskommissar) dann dröhnt, man möge doch in Zukunft bitte erst kommunizieren, wenn man auch etwas zu sagen habe. Wunschdenken....
Hilflosigkeit kennen wir schon...
...aus der Finanzkrise 2008. Auch damals hatten die Politiker die Situation sträflich falsch bewertet. Zunächst in den USA, wo man mit dem Untergang der Lehman Brothers, die Bankenkrise zugelassen hatte (allerdings ohne, dass man dies gewollt hätte) und sofort danach in Europa. Ich erinnere mich noch gut, wie völlig unvorbereitete Politiker, von Reportern befragt, einzig zu antworten wussten: das ist ein rein US-amerikanisches Problem, die Eurozone ist sicher. Doch auch dies stellte sich, wie sich heute zeigt, als Trugschluss heraus. Wie so vieles...wie beispielsweise die Versicherung, es werde niemals direkte finanzielle Hilfen von Staat zu Staat innerhalb der Eurozone geben.
Doch ist die Situation heute wirklich vergleichbar mit jener vor 3 Jahren?
Nein, denn damals ging es um eine Finanz- und Wirtschaftskrise, heute geht es um eine Staatenkrise und danach kann nichts mehr kommen. Sicher spüren wir heute die Fehlentscheidungen der Politik...allerdings nicht nur jene, der vergangenen 3 Jahre. Die USA sind nicht nur aufgrund der letzten 3 Jahre haushoch überschuldet, sehen sich einem sich vertiefenden sozialen Graben gegenüber und einer Wirtschaft, die einen Gutteil ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat. Und auch die Eurozone steht nicht etwa nur wegen der vergangenen 3 Jahre vor der Gretchenfrage schlechthin, sondern vor allem wegen der Fehlentscheidungen die zuvor begangen wurden. Und dabei spreche ich nicht nur von Verfehlungen haushaltstechnischer Art, sondern insbesondere von der viel zu schnellen Ausweitung der Zone.
Nein, heute haben wir es nicht nur mit Rezessions- und Inflationssorgen zu tun...mit den heutigen Entscheidungen in Europa und den USA werden auch die Weichenstellungen für die Zukunft der politischen Union in Europa gelegt und ebenso für die Zukunft des US-Dollar als Leitwährung.
Drücken wir uns und den Häuptlingen die Daumen...
(P.S.: Dabei könnte man die Märkte ja eigentlich ganz einfach wieder beruhigen, es reichen augenscheinlich schon ein paar Gerüchte über den Anleihenkauf italienischer Bonds durch die EZB und leicht verbesserte US-Arbeitsmarktdaten....ich befürchte aber, dieser Eindruck wird auch nur von kurzer Dauer sein...zumindest so lange sich nicht irgendjemand dazu aufraffen kann, ein wenig Stabilität und Zuversicht zu verbreiten...und sei es auch nur Ben Bernanke mit einem QE-3)
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Franz Fetz (06.08. 2011 01:01 Uhr):
Diese Beitrag sollte auch in allen Boulevard-Blättern und in allen möglichen Medien gedruckt werden. Und vielleicht auch mehr fachliche Kompetenz statt Politiker!!!
Antworten - Kommentar von Werner (06.08. 2011 08:51 Uhr):
Nur der letzte Satz zeigt leider, das die Schreiberin nicht ganz durchblickt. Einem Bernanke zuzutrauen zuversicht zu verbreiten, ist genau dasselbe wie einem Bankräuber zuzutrauen, Ihnen Geld zu spenden! Genau die Bankster von Fed und co. verursachen doch erst solche Krisen! Wie kann man einer privaten Staatsbank!? trauen und so etwas überhaupt zulassen? Das kann doch nur ein geistig Verwirrter gut heissen, oder eben ein Bankster. Wie ich gelesen habe ist sogar die Bundesbank in privat besitz!
Antworten - Kommentar von Albert Karl (06.08. 2011 14:35 Uhr):
Hallo Frau Kraus, wieder einmal ein guter Bericht im Inhalt, aber auch in der Verdeutlichung was bisher passiert ist. Nachstehend bitte zwei Anmerkungen hierzu: 1. Zu Ihrem letzten Absatz: Ob mit der Krise ein neues Europa entsteht bzw. ob die Krise zu einer Abkehr vom nationalen Denken und hin zu einer neuen Währungspolitik fürhrt?! Mit den Beschlüssen vom Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs in Brüssel wurde zwar das Fundament für einen Schutzwall errichtet, der sich in Zukunft den verheerenden Panikattaken der Märkte entgegenstellen kann. Aber auch die Installation des neuen Europäischen Stabilitätsmechanismus ist eine gute Sache: EMS soll nunmehr präventiv auf Verschuldungssituationen einzelner Mitgliedsländer reagieren. Es bleibt zu hoffen, dass die einzelnen Mitgliedsländer eine Politik betreiben, die mit dem Inflationsziel der EZB vereinbar ist und, dass es dann nur noch begrenzt möglich sein wird, nationale Wirtschaftspolitik aus dem europäischen Kontext zu lösen. Egal, was auch immer an nationaler Wirtschaftspolitik beschlossen wird, es muss in der Summe am Ende mit dem Inflationsziel der EZB vereinbar sein. Vor diesem Hintergrund ist zwingend, dass die demokratische Legitimation der europäischen Institutionen gestärkt wird. Ansonsten ist Gefahr gegeben, dass das Ziel bzw. Projekt in einer technokratischen Bürokratie erstickt. 2. Zu Ihrem PS-Absatz: Hier haben Sie völlig recht, wenn man bedenkt, wie irrational die Börsen sind, wenn der Wind sich dreht, nur weil eine etwas günstigere Nachricht aus den USA (beispielsweise Arbeitsmarktdaten), kommt, ist eigentlich schwer nachvollziehbar. Dass solche kleinen Nachrichten dann sofort die Börse temporär erholen lässt, ist schon ein Mysterium. Ich denke Schuld daran sind die Day-Trader, die Kurzfrist-Händler, die mehr und mehr den Markt bestimmen. Der kühle Langfrist-Händler setzt sich über solche tagesaktuellen Meldungen mehr oder weniger einfach hinweg. So, jetzt wünsche ich Ihnen ein erholsames Wochenende. Es ist dringend nötig. Grüße, Albert Karl
Antworten - Kommentar von Jorge Peine (06.08. 2011 20:05 Uhr):
Tja, da haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Aber, wer, wenn nicht die Politik, kann das Schiff vor dem Kentern retten? Welcher halbwegs vernünftige Mensch begibt sich denn noch in die Politik? Was auch immer man anstellt: man wird "verrissen". Jüngstes Beispiel: Kirchhoff ... Allerdings frage ich mich auch, ob unsere Wirtschaftsweisen überhaupt noch mit der Situation klar kommen. Sie sind ja im Moment recht schweigsam ... oder? TAZ und andere Medien warnen vor riskantem Verhalten, kein Gold, keine Immobilien? Was denn? Besten Gruß JK
Antworten - Kommentar von Reinhold Boehmke (07.08. 2011 23:04 Uhr):
Kursmanipulationen der führenden Derivatebanken sind der wahre Grund für die Kursabstürze. Wer unter www.euwax.de/sentiment sich Kursentwicklungen anschaut und gleichzeitig die wertlose Anzahl von Hebelzertifikaten und Optionsscheinen anschaut und dies im Verhältnis zu den vorangegangen Kursentwicklungen setzt, wird feststellen, dass durch die Forderung der Politik, dass sich Banken u.a. an den Darlehen der EURO Länder zu beteiligen haben, diese natürlich Kapital benötigen. Das Ammenmärchen, dass Banken neutral zu steigenden Kursen oder fallenden wären, wäre dann eindeutig zu belegen, wenn die Staatsanwaltschaften aktuell die Börsenumsätze der letzten Woche von A- Z unter die Lupe nehmen würden und von der Deutschen Börse, einmal jeden einzelnen Auftrag bei den Verkaufswellen zuordnen würden. Im übrigen finden diese Kursrückgänge ebenso regelmäßig nach erreichten Kursspitzen statt, in Verbindung entsprechender Laufzeiten, wie sich jedes Mal die Geschichten als Hintergrund für die Kursabstürze ändern. Also wir hatten wohl in den letzten Jahren einmal die Hedge Fonds Krise, dann waren es die Carry Trades, dann der Neue Markt und Technologiesektor mit den Telekomwerten, dann die Finanzmarktkrise (kann keine sein, wenn 80% des Weltkapitals von 20% der Banken verwaltet werden) und jetzt kommt egal bei welcher Lösung die Politik ankommt aus irgendeiner Ecke ein neues Störfeuer von den vermeintlichen Ratingagenturen bis die Kurse wieder da landen, wo die meisten angesammelten call Prämien vereinnahmt wurden. Alleine am Donnerstag wurden über 2000 Call Hebelzertifikate auf den Dax folgender Banken wertlos gemacht: Deutsche Bank, Commerzbank, Citybank, Societe General, BNP Paribas, HSBC, Marquarie, Vontobel, DZ Bank, UBS, Barclays, Goldman Sachs, Lang & Schwarz. dort wurden über viele Monate ordentlich Prämien eingenommen. Alleine am Donnertsag und Freitag über 260.000.000 nur an der Euwax in diesem Marktsegment. Ca das 4 bis 5 fache noch ausserbörslich direkt bei den Banken. Na das lohnt sich. Die Politik sollte weltweit komplett diese Art des Handelns verbieten, denn es führt auch regelmäßig zur Enteignung von Aktienfonds- und Rentenfons-Sparern die mit spekulativen Totalverlusten nichts am Hut haben aber in Sippenhaft genommen werden, denn Fondsmanager dürfen die guten Aktien verleihen gegen minimumPrämien. Würden diejenigen die diese Aktien leihen verdonnert werden die Kursverluste zwischen Anfang und Rückgabe der Aktien auszugleichen, wäre dieses Geschäft unrentabel. Wenn ein VermögensbildungsfondI 2009 und 2010 zusammen nahezu 1,6 Mrd. € an realisierten Kursverlusten im Rechenschaftsbericht ausweisst, müssten wegen Verdacht der Untreue und des Betruges massenweise Strafanzeigen der Fondsanteilbesitzer hageln. So schlecht kann kein Manager sein. Leider müssen Fondsmanager nichts nachweisen mit Angabe von Datum und Uhrzeit ihres Kaufes und Verkaufes. Auch das wäre hilfreich, solche gigantischen Vermögensverluste zu minimieren. In diesem Fall betätigt sich die deutsche Bank ja, wie oben beschrieben sehr stark im spekulativen Derivatesektor. In der Summe wurden letzte Woche überwiegend bullische Wetten abgeschlossen und der Dax fiel. Vorher bei der Kurserholung von 7000 bis fast 7400 war es in der Summe genau umgekehrt. Werte wie Gigaset, die ab März 2011 jede Menge call Derivate u.a. von Commerzbank und Dt. Bank emittiert bekamen und die sehr stark gehandelt wurden auf Kurssteigerungen wurden letzte Woche bis auf 2,20 runtergehandelt um dann b is Freitag Abend wieder auf fast 2,60 zu steigen. Auch so etwas gehört untersucht, da nach § 20a WpHG Kursmanipulationen verboten gehören. solche Handlungsweisen macht kein privater Aktionär, der einen Wert analysiert und sich dann bewusst daran beteiligt. Leider ist unsere Regierung von unseren Großbanken abhängig, sonst würden hier ganz andere Maßnahmen von BAFIN und Staatsanwaltschaften greifen. Es ja auch unverständlich, dass sich Politiker ihre Diäten erhöhen dürfen, wohl wissend, dass dies mit einer Neuverschuldung einhergeht. Für ein Land wie die BRD ist es nicht nachvollziehbar, warum ein Staatshaushalt nicht mit Gewinn geführt werden kann. Wir laufen in Enteigenungen hinein,wie z.B. dass es seit 2005 ein Auszahlungsverbot für Lebensversicherungen gibt, analog zu der Möglichkeit, dass Fonds schliessen können, wie es bei den offenen Immobilienfonds schon mehrfach passiert ist.
Antworten- Antwort von Hartmut Fischer (10.08. 2011 18:09 Uhr):
Stimme völlig zu: Ganz einfach sollten der Eigenhandel der Banken verboten, Derivate mit spürbaren Gebühren belegt bzw. teilweise ebenfalls verboten werden sowie das gesamte undurchsichtige Schattenfinanzsystem der Hedgefonds und "Private-Equity"- Gesellschaften mit ihren nicht öfffentlichen Handelspraktiken. Leerverkäufe sind ebenfalls reiner bzw. mindestens versuchter Diebstahl, da Besitz, der einem nicht gehört, (leer) verkauft wird. Aber leider ist die Politik inzwischen völlig von der Finanzwelt abhängig, wie sich u.a. an Ackermanns Geburtstagsfeier im Kanzleramt bei seiner "Intimfreundin" Merkel zeigt oder an der kritik-und bedingungslosen Übergabe unserer Staatskasse an die Banken durch unsere Regierung und "Volksvertretung" nach der Lehmann-Pleite. Denselben Grund hat die Angst unserer Politiker vor einem "Kreditereignis" bei einem ehrlichen Haircut für Griechenland, da niemand die Folgen für die Finanzwetten und das Bankensystem absehen kann. Faktisch befinden wir uns also bereits in einer Finanz- und Schuldendiktatur, und "Demokratie" ist nur ein Besänftigungswort und soll den "indiskreten" Blick des als "mündig" verarschten Bürgers hinter die Kulissen dieses wahrhaften Marionettentheaters abhalten.
- Antwort von Hartmut Fischer (10.08. 2011 18:09 Uhr):
- Kommentar von Hedda Phonphai (08.08. 2011 18:12 Uhr):
Liebe Frau Krause. Warum ist es so schwer für diese Politiker zu sagen, hören wir doch mit diesen Kriegen auf. Ich glaubte NATO wäre zum Schutz da und nicht um Krieg zu machen an armen und hilflosen. Ich als Nat5o mitglied protestiere am schärfsten, dass unsere Zukunft so veraten wird. Entschuldige mich, schön langsam geht es nicht mehr um Öl. Es dürfte doch eher Testosteron bedingt sein. Mit den besten Grüßen Hedda Phonphai
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