400.000 Dollar für zwei Seminare
Investors Daily
vom 26. Mai 2004 18:00 Uhr
ENL5454
*** "Es wird erwartet, dass sich die Inflation dieses Jahr beschleunigt", so eine AP-Schlagzeile. Jeder glaubt das. Und die Anleiheninvestoren rechnen fest damit.
Ich bin mir sicher, dass ich keine Anleihen kaufen will, aber ich bin mir nicht so sicher, dass die Anleihenkurse fallen werden. Au contraire, die Theorie, dass "die Inflation steigt" scheint mir zu leicht zu sein ... zu vorhersehbar ... zu gefällig.
Ich erinnere mich, dass in den USA die Inflationsrate im Jahr 1994 von 2,9 % auf 3,1 % stieg – und ähnlich wie heute war sich jeder sicher, dass dies der Beginn einer neuen Inflation sei. Das war nicht der Fall. Die Inflationsrate fiel wieder ... und die Anleihenkurse stiegen. Ich wäre nicht überrascht, wenn wir das noch einmal sehen würden.
*** Der Goldpreis klettert wieder Stück für Stück nach oben. Aber er signalisiert keinen größeren Zuwachs der Inflationsrate. Ich erinnere Sie daran, dass die Politik des leichten Geldes, die Alan Greenspan gefahren hat, zwei größere Effekte hatte: Sie hat die Produktionskapazitäten der Chinesen und anderer Niedriglohnproduzenten erhöht ... und sie hat die amerikanischen Konsumenten (die die Güter dieser Produzenten kaufen) tief im Schuldensumpf versinken lassen.
Das sind die Konsequenzen der Politik von Alan "Spekulationsblasen" Greenspan. Aber Konsequenzen haben wieder ihre eigenen Konsequenzen. Spekulationsblasen können sich nicht immer weiter ausdehnen. Irgendwann schrumpfen sie auch wieder. Und die Kontraktionsphase ist eine Zerstörung der Kreditphase ... eine Phase, in der die amerikanischen Konsumenten realisieren, dass sie weniger Geld zum Ausgeben haben, als sie zuvor gedacht hatten. Fast zur gleichen Zeit werden die Chinesen realisieren, dass sie mehr Kapazitäten haben, als sie brauchen. Das Ergebnis davon ist nicht Inflation; es ist Deflation.
*** Ich bin neugierig. Was geht in China und Indien wirklich vor sich? Sehen wir da nur weitere von Alan Greenspan verursachte Spekulationsblasen? Wir trauen der Finanzpresse nicht, deshalb haben wir unseren eigenen Korrespondenten dorthin geschickt, Dan Denning. Hier sein erster Bericht:
"Der Business-Sektor von Shanghai bietet täglich interessante Geschichten. Jack Welch erhält 400.000 Dollar für zwei Reden vor Shanghaier Geschäftsleuten, am 23. und 24. Juni. Für 30.000 Yuan kann sich ein VIP zusammen mit Welch fotografieren lassen, Eintritt zu den beiden Seminaren erhalten – eine Übernachtung um 5-Sterne-Hotel inklusive."
"Es scheint mir, als ob die Chinesen da ein bisschen ver ... worden sind. Aber wie ein Mr. Gu Qing sagt: 'Die Mehrheit der Teilnehmer will nur 4.800 Yuan ausgeben, da Luxushotels als unnötiger Ausgabenposten angesehen werden.'"