4,5 Milliarden $ Verlust nur wegen falscher Positionsgrößen
Investoren Wissen
vom 21. September 2006 16:00 Uhr
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Was kann man nicht alles mit 4,5 Milliarden $ kaufen: Sie könnten beispielsweise jedem Bürger von Albany, New York, einen neuen Porsche Boxter vor die Tür stellen und hätten immer noch zwei Millionen $ übrig.
4,5 Milliarden $ ist auch in etwa so viel, wie das Bruttosozialprodukt in Martinique, Somalia oder auf Barbados.
4,5 Milliarden $ ist einfach unglaublich viel Geld!
Aber der Amaranth Hedgefonds setzte diese gigantische Summe in nur einer Woche in den Sand.
Der Verantwortliche, der das Geld verzockte, war in diesem Jahr bereits mit zwei Milliarden $ im Plus. Ich denke, er hat sich bei den ganzen Nullen etwas verzählt. Er verursachte diesen riesigen Verlust offensichtlich, weil er die einfachen Regeln des Risiko-Managements und der richtigen Positionsgröße ignorierte.
Zum Glück mussten Sie nicht so viel Lehrgeld bezahlen, um herauszufinden, wie es funktioniert, seine Positionsgröße zu begrenzen. Sehen wir uns einmal an, wie dieser Verlust entstanden ist und wie Sie das bei Ihren Trades berücksichtigen können.
Der Mann bei Amaranth war bekannt als richtiger Zocker, der oft große Positionen einging. Vor allem in langfristige Future-Kontrakte. Er pumpte Geld in Märkte, wo zuvor keine Liquidität war.
Amaranth gibt keinen genauen Einblick in die einzelnen Trades, die schief liefen. Man geht aber davon aus, dass am Ende niemand mehr diese riesigen Future-Kontrakte mit den extrem langen Laufzeiten von Amaranth haben wollte. Der Fonds konnte somit die Positionen nicht mehr glattstellen.
Als dann die Probleme auftraten, traf es den Fonds doppelt: durch eine falsche Positionsgröße und durch fehlende Liquidität und zwar gleichzeitig.
Um sich vor solchen Problemen zu schützen, müssen Sie drei Dinge beachten:
1. Sie müssen das Risiko bei jedem Geschäft kennen. Viele Anleger wissen nämlich nicht, wann sie konkret bei einem Trade aussteigen sollen wenn es gegen sie läuft. Dafür verwendet man ein Stopp loss. Sie sollten bei jedem Trade mit Stopp loss arbeiten.
2. Setzen Sie nicht alles auf eine Karte. Als Orientierungshilfe sollten Sie nur etwa ein oder zwei Prozent Ihres Vermögens in eine einzige Position stecken. Dafür gibt es verschiedene Gründe.
Sie können dadurch schon eine Reihe von Verlusten verkraften, ohne dabei gleich Ihr gesamtes Börsenkapital aufs Spiel zu setzen. Sollte bei einem einzigen Investment einmal wirklich alles total schief laufen, kann es passieren, dass Sie trotz eines Stopp loss drei oder vier mal so viel verlieren, wie ursprünglich einkalkuliert. Aber wenn dieses maximal kalkulierte Minus ohnehin nur ein Prozent von Ihrem Vermögen ausgemacht hat, ist es nicht so schlimm.
Manche Investoren oder Trader setzen auch über zwei Prozent des Kapitals auf nur ein einziges Investment. Aber das sollte man nur bei nachhaltig erprobten Strategien machen.
3. Schätzen Sie die Risiken Ihrer Positionen richtig ein. Nicht viele von uns handeln mit Future-Kontrakten auf Erdgas mit einer extrem langen Laufzeit wie Amaranth. Aber Sie können auch mit anderen Instrumenten bei geringer Liquidität ordentlich auf die Nase fallen.
Wenn Sie beispielsweise Penny Stocks oder Optionen handeln, bei denen kaum etwas umgeht, dann sollten Sie sich darauf einstellen, dass Sie beim Ausstieg unter Umständen wesentlich weniger bekommen können, als Sie bei Ihrem Stopp erwarten würden.
Warten Sie lieber nicht darauf, bis Sie einmal richtig daneben liegen und verwenden Sie ab jetzt immer die verschiedenen Techniken um die Größe Ihrer Positionen richtig festzulegen.
Chart der Woche
Wegen einer Gewinnwarnung ging die Aktie von Yahoo! (Nasdaq-Kürzel: YHOO) kräftig nach unten. Das Minus betrug 11,2 Prozent oder 3,25 $ auf 25,75 $. Trotzdem durchbrach die Aktie nicht die Tiefs vom Juli bei 24,91 $. Yahoo! könnte von hier deswegen wieder nach oben abprallen. Wenn der Kurs nicht hält, kann es aber kräftig nach unten gehen.