25 Feinunzen Gold für die 30 Aktien des Dow Jones
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 20. Februar 2004 18:00 Uhr
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"Ich mag den Investor's Daily ..." so schrieb mir ein freundlicher Leser, " ... allerdings muss ich die Frage stellen, wann der große Einbruch stattfinden wird?"
"Jeder normale Leser würde nach einigen Monaten 'Investor's Daily' seinen Regenschirm aufspannen, sein Traden einstellen, sich auf eine defensive Position zurückziehen und in eine Höhle umziehen."
"Und in der Zwischenzeit hätte er eine große Bullenrally verpasst."
"Deshalb trade ich in der Zwischenzeit das, was gerade passiert, und nicht das, was passieren sollte. Und es wäre eine gute Idee für Bill Bonner & Co., eine solche Vorgehensweise zu ermutigen – in ihren ansonsten exzellenten Botschaften."
Natürlich sollten Fische schwimmen, Vögel fliegen ... und Trader das traden, was GERADE passiert.
Aber wir vom Investor's Daily haben weder Schuppen noch Flügel. Ich habe keine sichere Antwort auf die Frage. Und wenn ich denken würde, dass ich meinen Lesern helfen könnte, erfolgreich zu traden ... nun, dann würde ich dafür Geld verlangen.
Nein, mein Ziel hier ist es nur, herauszufinden und zu beschreiben, was passiert. Ich will es wissen, zum Teil weil ich neugierig bin, zum Teil weil ich gierig bin, und zum Teil aus dem Grund, dass ich einfach nach Unterhaltung suche.
Was passiert wirklich, frage ich mich? Was bedeutet das? Warum passiert das? Was SOLLTEN wir damit anfangen?
Ich gehe einen Schritt zurück, um mir das Gesamtbild besser ansehen zu können. Und Sie können von mir kaum verlangen, dass ich aus dieser Entfernung einen guten, schnellen Trade sehen kann!
Es ist jetzt schon 4 Jahre her, seit das dritte Jahrtausend und der große Abschwung begonnen haben. Die Aktienkurse begannen Anfang 2000 allgemein zu fallen ... 10 Jahre nach dem Beginn des japanischen Abschwungs. In Japan waren 14 Jahre notwendig, um den Optimismus und die hohen Bewertungen der Aktien verschwinden zu lassen. Aktien- und Immobilieninvestoren verloren 70 % ... 80 % ... 90 % ihres Geldes.
In den USA und Deutschland mussten die Käufer von Technologieaktien (Stichworte "Nasdaq" und "Neuer Markt") ähnlich hohe Verluste hinnehmen. Aber zumindest in den USA blieben die Investoren weiterhin sehr zuversichtlich. Viele hatten auch nicht wirklich Geld verloren, da nur die Gewinne wieder aufgefressen worden waren und die Kurse wieder da standen, wo sie einige Jahre vorher gestartet waren. Und die amerikanischen Kleinanleger waren sich sicher, dass Aktien "langfristig eine sichere Sache" sind.
Und dann kam die Fed zu Hilfe, mit tonnenweise Bargeld. Das verteilte sie in Manhattan – und wenn man als Investor aus dem Fenster sprang, dann fiel man direkt hinein und kam nicht zu Schaden. Dann konnte man aufstehen, den Staub abklopfen, und sich mit noch mehr Selbstvertrauen als vorher weiter selbst ruinieren. Diese Leute hielten sich in der Folge nicht nur für Genies – sondern auch für Überlebende. Sie dachten, dass sie sogar einen Bärenmarkt relativ erfolgreich hinter sich gebracht hätten.
Als der Bullenmarkt an der Wall Street begann, da konnte man für den Preis einer einzigen Feinunze Gold alle 30 Aktien des Dow Jones kaufen. Als der Bullenmarkt sein Topp erreicht hatte, da brauchte man dafür schon über 30 Feinunzen Gold. In den letzten 4 Jahren hat sich diese Zahl verringert ... aber nur leicht ... auf 25.
Und während ich unter dem Sternenhimmel Nicaraguas sitze ... denke ich darüber nach. Wenn das Verhältnis 1 zu 1 – das wir vor 20 Jahren hatten – wieder erreicht würde, ... dann müsste der Goldpreis dazu um den Faktor 25 steigen, oder die Aktienkurse müssten um 96 % zurückgehen. Ich weiß nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass ein bisschen von beidem der Fall sein wird. Und eines düsteren Tages, irgendwann in der Zukunft, wird der Dow Jones vielleicht bei 2.500 Punkten stehen ... und vielleicht wird eine Feinunze Gold dann genauso viel kosten.
Vor 4 Jahren begann etwas Großes. Die USA hatten in den vorigen 25 Jahren einen riesigen Kreditberg aufgetürmt. Seitdem ging es bergab. Irgendwie, irgendwann ... werden es die USA durch das Tal der Tränen, das noch vor ihnen liegt, hindurch geschafft haben. Und wenn man sich in der Vergangenheit im Tal der Tränen befand, dann war es bei den Investoren oft der Fall, dass sie nur einstellige Kurs-Gewinn-Verhältnisse bei Aktien akzeptieren wollten. Warum sollte das nicht wieder der Fall sein? Und einst dachten die Investoren im Tal der Tränen auch, dass alle 30 im Dow Jones enthaltenen Aktien – die Aktien der führenden US-Unternehmen – nicht mehr wert seien als der Preis einer einzigen Feinunze Gold. Warum sollten Sie das nicht wieder denken?
Die Arbeit, die der große Abschwung zu verrichten hat, ist noch lange nicht beendet – so meine Ansicht. Und ja, man kann die derzeitige Rally an den Börsen traden, das heißt, man kann auch mit steigenden Kursen Geld verdienen. Aber man sollte nicht vergessen, gelegentlich einen Schritt zurückzutreten und sich das große Bild anzusehen. Andererseits könnte man vergessen, wer man ist ... und was man tut.
Warum sollten die Aktien relativ gesehen zum Gold heute 25 Mal mehr wert sein als 1980, so könnte man sich fragen? Weder bei den Aktien noch beim Gold ist der innere Wert gestiegen. Für das Gold haben sich keine wichtigen neuen Verwendungsmöglichkeiten ergeben. Und es ist auch kein neuer Vorteil entdeckt worden, der sich aus dem Halten von Aktien ergibt. Aktionäre leben nicht notwendigerweise länger oder wiegen weniger. Die Leute genießen ihre Anzüge und Kleider nicht mehr als vorher. Und der durchschnittliche Käufer von Gold ist heute auch nicht intelligenter als vor 20 Jahren. Wir sind immer noch dieselbe Rasse ... dieselben Leute ... mit denselben Herzen und Ängsten. Wir leben immer noch auf demselben Planeten ... und unter denselben Sternen ...
... und wir erleiden dieselben Abschwünge ... genau wie in Japan.
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