2009 - Das Alptraum-Jahr von Q-Cells
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 23. Februar 2010, 14:30 Uhr
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im Osten geht die Sonne auf. So heißt es zumindest in einem altbekannten Sprichwort. Denn in Bitterfeld, im Osten Deutschlands, geht die Sonne derzeit eher unter als auf - jedenfalls für den dort ansässigen Solarzellenhersteller Q-Cells. Dass es für den im TecDAx notierten Konzern seit einigen Monaten nicht allzu prächtig läuft, ist kein neuer Hut. Der Börsenliebling von einst läuft schon seit geraumer Zeit durch ein tiefes "Tal der Tränen". Überkapazitäten und die zunehmende Konkurrenz aus Asien machten dem Solarkonzern zu schaffen. Zudem erschwerte die Finanzkrise die Finanzierung von Großprojekten. Doch es sieht für Q-Cells noch weitaus düsterer aus als bisher befürchtet.
Der dramatische Preisverfall und erhebliche Abschreibungen führten bei Q-Cells zu einem Rekordverlust von 1,356 Mrd. Euro. Einen solch hohen Fehlbetrag hatten Analysten nicht für möglich gehalten. Sie hatten ein Minus von rund einer Milliarde Euro prognostiziert. Der Umsatz brach vorläufigen Zahlen zufolge auf 801 Mio. Euro ein, nach noch 1,25 Mrd. Euro in 2008. Die Wertberichtigungen und Buchverluste auf Tochtergesellschaften fielen mit rund 952 Mio. Euro zudem überraschend hoch aus.
Ist das Schlimmste nun überstanden?
Anleger scheinen laut eines Berichts auf Boerse.ARD.de nun zu hoffen, dass damit das Schlimmste überstanden ist. Im frühen Handel konnten Q-Cells-Papiere heute zeitweise um fast 5 Prozent zulegen und waren damit größter Gewinner im TecDAX. Zuvor hatte sich der Kurs der Aktie innerhalb eines Jahres halbiert. Nach Ansicht von Marktbeobachtern hatte der Solarzellenhersteller das Vertrauen seiner Anleger verspielt. Drei Mal hatten die Bitterfelder im vergangenen Jahr ihre Prognose gekappt. Im Sommer zog Q-Cells seinen Umsatzausblick dann komplett zurück.
Nun wird knallhart saniert. Mit Kostensenkungen und einem drastischen Konzernumbau will Q-Cells-Chef Anton Milner das Unternehmen wieder zurück auf die Gewinnspur führen. So soll die Beteiligung an Sovello verkauft werden. Auch für das Cadmiumtellurid-Geschäft von Calyxo sucht Q-Cells einen Partner. 500 Stellen werden gestrichen, ein Teil der Produktion wird nach Malaysia verlagert, wo Q-Cells eine neue Solarzellen-Fabrik errichtet hat.
Milner verkündet Ziel: Schwarze Zahlen für 2010
Als Ziel nannte Milner, bereits 2010 wieder profitabel sein zu wollen. Einen konkreten Ausblick blieb er aber schuldig. Wahrscheinlich ist man sich in Bitterfeld selbst noch unsicher. Auch Marktexperten befürchten, dass die von der Bundesregierung geplante zusätzliche Senkung der Solarförderung die Wende von Q-Cells gefährden könnte.
Die Analystengarde hält sich heute jedenfalls nicht mit Schelte zurück. "Schlimm, schlimmer, Solaraktie", titelt heute Börse Online nach den Zahlen. Die Commerzbank hat die Einstufung für Q-Cells nach den vorläufigen Zahlen ebenfalls auf "Reduce" mit einem Kursziel von 9,00 Euro belassen. Auf Dauer sei nicht zu sehen, wie Q-Cells seine Kapitalkosten erwirtschaften werde. Daher sei eine Bewertung unter dem Buchwert angebracht. Es bleiben also schwierige Zeiten für den "Sonnen-Konzern" von einst. Und in Bitterfeld geht mal wieder die Sonne unter.
Ich wünsche Ihnen einen guten Börsentag.
Ihre
Cindy Bach
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