2005 war ein Rekordjahr, 2006 wird ein Weiteres
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 11. September 2006 20:45 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
der globale Minensektor hat sich in den letzten 3 Jahren enorm entwickelt. Die Marktkapitalisierung der 40 größten Minenaktien, welche 80 % der Marktkapitalisierung in diesem Sektor abdecken, liegt mittlerweile bei 790 Milliarden US-Dollar. Die Nettogewinne dieser 40 größten Minenunternehmen erreichten 2005 insgesamt 45 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich im Jahr 2002 lagen diese Gewinne noch bei 5,8 Milliarden US-Dollar. Das ist enorm und führte dazu, dass die Unternehmen ihre Schulden bis auf einen Restbetrag von nur noch 32 Milliarden US-Dollar zurückbezahlten.
Riesige Gewinne aber nur geringe Investitionen
45 Milliarden US-Dollar Gewinn. Davon wurden 16 Milliarden US-Dollar in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden an die Aktionäre dieser Minenunternehmen ausgeschüttet. 31 Milliarden US-Dollar flossen in die Aufrechterhaltung der Förderung und die Modernisierung von bestehenden Anlagen, aber nur 2 Milliarden US-Dollar wurden für die Exploration, also die Suche nach neuen Vorkommen ausgegeben. Der Hauptanstieg dieser Explorationsausgaben wurde jedoch nicht vor 2004 getätigt. Nach Industrieangaben dauert es bis zu 10 Jahre, bis die entdeckten Vorkommen gefördert werden können. Ein wirklich markanter Anstieg in der Minenförderung ist deshalb nicht vor 2010 vielleicht sogar erst 2014 zu erwarten. Bis dahin dürfte die Industrie bemüht sein die bisherige Förderung aufrecht zu erhalten, um mit der wachsenden Nachfrage aus China und Indien Schritt zu halten.
Struktur der Industrie ändert sich
Die Explorationsaufwendungen der großen Minengiganten ist ein Teil, hinzu kommen noch rund 2,5 Milliarden US-Dollar von Seiten der kleinen Minenunternehmen (Juniors), welche in Zukunft in Förderung gehen werden und dann in den nächsten Jahren von den großen Minenunternehmen aufgekauft werden dürften. Diesen Zustand halte ich für sehr interessant, denn er unterscheidet sich extrem von den vergangenen Zyklen. In Vergangenheit waren es immer die großen Minenunternehmen, die ihre Projekte zum Großteil selbst finanzierten. Diese neue Strategie ist in etwa mit jener der Biotechnologie zu vergleichen. Große Pharmaunternehmen haben in Vergangenheit ebenfalls erhebliche Marktanteile an die kleinen Biotechnologieunternehmen verloren und mussten diese dann im Zuge von Übernahmen aufkaufen. Deshalb sollten Sie als Investor auch einen Teil des Geldes in „Junior“-Unternehmen anlegen, allerdings sehr breit gestreut, denn das Risiko eines Totalverlustes ist in dieser Kategorie ganz besonders hoch.
Wie geht es weiter?
2006 wird ein weiteres Rekordjahr
Bedenken Sie, dass die Durchschnittspreise für die wichtigsten Metalle in diesem Jahr bereits zwischen 20 und 100 % höher liegen, als im letzten Jahr, so dürfte der Nettogewinnanstieg in 2006 nochmals über dem 59 % Gewinnanstieg des letzten Jahres liegen, voraussichtlich werden wir rund 100 % Gewinnanstieg auf etwa 90 Milliarden US-Dollar erleben. Mithin wären die Bewertungsverhältnisse im Minensektor damit weiterhin sehr günstig. Das KGV läge demnach rund bei 8,7 und die Dividendenrenditen bei rund 4 %. Haben wir in 2006 damit bereits den Hochpunkt überschritten und müssen uns in Zukunft auf fallende Gewinne einstellen? Ich denke, dass der Minensektor in den nächsten Jahren zwar langsamer wachsen wird, aber es wahrscheinlich nicht zu einem Einbruch kommt. Die Begründung dafür sehe ich darin, dass Asien weiterhin das Zugpferd für das weltweite Wirtschaftswachstum bleiben wird. Auch wenn die Nachfrage in Europa und den USA rückläufig ist, wie dies bereits 2005 der Fall war, wird Asien auch verstärkt im Inland weiter wachsen.
Hierzu habe ich Ihnen eine interessante Grafik mitgebracht, die aufzeigt, dass das Wachstum in der Metallnachfrage ausschließlich aus Asien kam. Sie sehen die Umsatzaufteilung nach Kontinenten:
Quelle: PriceWaterhouceCoopers, mine* let the good times roll (Juni 2006)
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