2 Fragen (und Antworten) zu Zucker
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 26. Juni 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Trader´s Daily-Leser Andreas K. schreibt mir:
“Auch ich beobachte Zucker schon länger und kann den globalen Trend nachvollziehen, der sich irgendwann einstellen wird. Trotzdem habe ich seit längerem drei Fragen, ich denke, die Zeit ist reif, diese endlich zu stellen:
1) Wo sind die Unterschiede bei Zucker und Zucker? (Der Leser meint den Handel mit Zucker 11 und Zucker 14-)
2) Wie kommt man an Daten, wie viel Zucker in die Ethanol-Produktion gehen wird /geht?
Soweit ich weiß, kann auch aus anderen Rohstoffen Ethanol gewonnen werden (Mais)? Somit ist noch ungewiss, inwiefern Ethanol den Zuckerpreis treiben wird.
Ich fänd’s Klasse, wenn Sie dies evt. im Rahmen des Trader’s Daily mal behandeln könnten, dann würden auch andere davon profitieren.“
Meine Antwort:
Ok, der Reihe nach:
zu 1) Es gibt in der Tat zwei verschiedene Zucker-Notierungen.
Relevant ist die New Yorker Rohwarenbörse NYBOT, die finden Sie unter der Seite www.nybot.com
Und der wichtige und für die Zucker-Zertifikate (jedenfalls alle, die ich kenne) relevante Zuckerpreis ist der Zuckerpreis Nummer 11!
Das ist der Weltmarktpreis für Zucker. Preis angegeben in US-Cent für ein amerikanisches Pfund Zucker (453,59 Gramm).
Der Zuckerpreis Nummer 14 hingegen ist nur für die USA relevant: Das ist der Preis für ausschließlich in den USA hergestellten Zucker, mit Lieferort New York, Baltimore, Galveston, New Orleans und Savannah (kann man das der Kategorie „unnützes Wissen“ zuordnen?).
Also: Zuckerpreis 11 ist relevant, Zuckerpreis 14 können Sie getrost ignorieren.
zu 2) Der mit Abstand größte Zuckerproduzent der Welt ist Brasilien. Und dieser Staat gibt bekannt, ein wie großer Teil seiner Zuckerernte jedes Jahr in die Ethanol-Produktion geht. Konkret: Dieses Jahr hat Brasilien mitgeteilt, dass ziemlich genau die Hälfte, nämlich 50,5% der Zuckerernte in die Ethanol-Produktion gehen sollen.
Brasilien geht da sehr geschickt vor: Wenn der Zuckerpreis niedrig ist, wie derzeit (unter 10 Cents), dann exportiert Brasilien keinen Zucker, sondern steckt den lieber in die Ethanol-Produktion. Und wenn der Zuckerpreis hoch ist (20 Cents), dann wird die Ethanol-Produktion eben etwas runtergefahren und dafür Zucker exportiert.
Mais spielt in Brasilien bei der Ethanol-Produktion keine Rolle. Denn da dort Zuckerrohr sehr schnell wächst und mehrmals pro Jahr geerntet werden kann, nehmen die Brasilianer natürlich lieber das.
Solche Angaben (Angaben von Brasilien zu Ethanolproduktion) kommen als Reuters-Meldung, und mit etwas Geschick können Sie die auch „googlen“.
Viele Grüße,
Michael Vaupel