1711,3 Milliarden Euro
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 29. Juni 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Am gestrigen Montag vermeldete das statistische Bundesamt zu Wiesbaden, dass nach ersten vorläufigen Ergebnissen die öffentlichen Haushalte in Deutschland am 31. März 2010 mit insgesamt 1711,3 Milliarden Euro verschuldet waren. Gegenüber dem Staatsschuldenstand am 31.12.2009 von 1691,9 Milliarden Euro entsprach dies einem Anstieg von 19,4 Milliarden Euro oder 1,1%.
Bundesschuld bei knapp 1066 Milliarden Euro
Die Ergebnisse umfassen die Kreditmarktschulden und Kassenkredite und beziehen sich auf die Kernhaushalte des Bundes und der Länder einschließlich ihrer jeweiligen Extrahaushalte sowie die Kernhaushalte der Gemeinden und Gemeindeverbände. Die Schulden des Bundes betrugen 1065,9 Milliarden Euro (+ 1,1% gegenüber dem 31.12.2009), die der Länder 532,9 Milliarden Euro (+ 1,2%) und die der Gemeinden und Gemeindeverbände 112,5 Milliarden Euro (+ 1,0%).
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, trotz der leichten konjunkturellen Zwischen-Belebung sind die expliziten Staatsschulden der Bundesrepublik weiter gewachsen. Schade auch, dass nur die explizite Staatsverschuldung (nur die Kernhaushalte) von den Wiesbadener Statistikern veröffentlicht wird.
Gigantische implizite Staatsschuldenlast
Viel interessanter wäre, wenn die Verantwortlichen der Öffentlichkeit auch die (ungefähre) Höhe der impliziten Staatsschulden bekannt geben würden. Dabei handelt es sich im wesentlichen um die Versprechungen der Politik bzgl. künftiger Leistungen der Sozialkassen bzw. bei den Beamtenpensionen. Dr. Konrad Hummler (unbeschränkt haftender Teilhaber von Wegelin & Co. Privatbanquiers, St. Gallen) zufolge beträgt die implizite Staatsschuldenlast der Bundesrepublik ca. 300 bis 400 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In seinem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung konstatiert er am 26.6.2010 knapp, dass auch Deutschland pleite sei.
2010 als Jahr der Erkenntnis
Herr Hummler ist ferner der Ansicht, dass das Jahr 2010 zum Jahr der Erkenntnis werden werde, in dem das Volk der Nacktheit der Staaten" gewahr werden werde. Denn nicht nur die Bundesrepublik sei pleite, sondern auch Frankreich und die USA. Einzig hoffnungsvoll stimme, dass sich im Osten der Welt Staaten und Gesellschaften dank fehlender Schuldenmühlsteine entwickeln könnten, die ohne illusorisches Anspruchsdenken deutlich wettbewerbsfähiger seien.
Nichtsdestotrotz bleibt am Ende des Tages den verantwortlichen Politikern in Deutschland keine andere Wahl, die Leistungsversprechen an die bitteren Realitäten anzupassen. Gewiss werden die Politiker sich aus (berechtigter) Angst vor den Wählern davor scheuen, zu Radikalkürzungen überzugehen.
Ein Schelm, wer nun denkt, dass insgeheim die Politiker insofern auch auf eine reale Abwertung der Leistungsversprechen als Folge einer Inflationierung hoffen. Eins scheint sicher, dass REAL die Versprechen von heute künftig nicht eingelöst werden können...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Gunther Kümel (29.06. 2010 10:27 Uhr):
Staatsschulden sind doch etwas grundsätzlich anderes als Privatschulden, denn sie werden auch ansatzweise nie zurückgezahlt. Fällige Anleihen werden durch Auflegen neuer Anleihen "getilgt", die Staatsschuld nimmt in wohl allen Staaten immer bloß zu. Jeglicher "Sparplan", "Einschränkung" ist lediglich eine wohlerwogene Methode, immer größere Anteile des Volksvermögens in die Hände der international verflochtenen Banken zu bringen. "Irgendjemand" beutet den Arbeitenden jeden Landes aus. Und wo wurden denn die Milliarden von Madoff oder die Trillionen (tatsächlich Trillionen!!) "angelegt", die der Doppelstaatsbürger Dov Zakheim in seiner Tätigkeit als "Kontroller" (lach !) des Pentagon "verloren" hat?
Antworten - Kommentar von trf (29.06. 2010 11:54 Uhr):
Die sog. impliziten Staatsschulden sind auf dreißig oder mehr Jahre (?) hochgerechneter Unsinn. Ihnen stehen (bis auf die Beamtenpensionen) zukünftige Beitragseinnahmen gegenüber. Wer so argumentiert, hat das Umlagesystem nicht verstanden oder er lügt ganz einfach! Die zukünftigen Beamtenpensionen sind tatsächlich nicht durch Einnahmen gedeckt, erreichen aber niemals diese Höhe. Die Deckungslücke zwischen Beitragseinnahmen und Ausgaben wird aus dem Staatshaushalt gedeckt und ist dem Bundeshaushalt zu entnehmen.
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