16 Millionen Nachfahren
unserer Redaktion in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 14. April 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Ich halte einen Moment inne, um über diesen Satz nachzudenken: Der Reiz eines Imperiums ist so unwiderstehlich wie ein kostenloses Mittagessen.
Die Männchen einer Art lassen keine Gelegenheit aus, herumzustolzieren und sich überlegen zu fühlen, wie der Hahn im Hühnerhof. Rote Tuniken und Straußenfedern sind heute nicht mehr in.
Aber die, die sie trugen, sind die gleichen, die unter Alarich Rom plünderten, die unter dem Grafen von Montfort Albi in Schutt und Asche legten und die mit der dritten Division der amerikanischen Infanterie aus der Luft in Bagdad einfielen. Die Uniformen ändern sich, aber die Männer sind immer noch die gleichen habgierigen, sich mit Unsinn brüstenden Idioten, die sie schon immer waren.
Das macht die Geschichte ja so unterhaltsam. In der Geschichte der Reiche ist es jedoch besonders unterhaltsam die großen Eroberer zu beobachten...die Napoleons, Alexanders, Caesars, Attilas und Adolfs dieser Erde - mit ihren glorreichen Ansprüchen und ihren schmutzigen Metzeleien - wie sie alle ihre roten Tuniken überstreifen und die blankpolierten Helme... ihre weißen Rosse besteigen... und direkt in die nächste Wand reiten.
Es gibt kaum etwas Amüsanteres als einen anderen Menschen dabei zu beobachten, wie er sich selbst zum Affen macht. Man fühlt sich so überlegen. Deswegen wird man größer und man sieht auch besser aus, wenn man sich mit der Geschichte der großen Reiche befasst.
Evolutionsbiologen reduzieren den gesamten Drang, Reiche zu bilden, auf Gene und Mathematik. Wenn ein Mann erst einmal genug zu essen hat, dann fordern seine Gene - und unter deren Regiment sein gesamtes Denken und Fühlen - dass er seinen Samen so weit wie möglich in der Welt verteilt. Die Gene interessieren sich, laut dieser Annahme, nur für die Fortpflanzung. All die Fallen von Reichtum und Macht, darunter auch der Drang andere zu beherrschen - sind nichts anderes als Ansprüche und Ersatz für sexuelle Anziehungskraft. Der große Herrscher erobert eine Stadt aus genau dem gleichen Grund, aus dem ein Rechtsanwalt mittleren Alters einen Sportwagen kauft oder ein Pfau seine Federn zeigt.
Es zeigt den weiblichen Tieren, dass er gute Gene hat. Die Unterhaltung kommt ins Spiel, wenn ein großer Herrscher selbst ausgestochen wird und am Metzgerhaken hängt... wenn der Pfau vom Fuchs geholt wird... und wenn der rote Sportwagen in den Leitplanken hängt.
Das Reich des Dschingis Khan war leicht zu durchschauen und sehr erfolgreich. Seine Mongolen eroberten die Städte zwischen dem Nil und dem Chinesischen Meer. Er forderte von seinen Untergebenen einen Tribut von zehn Prozent der Einnahmen. Wenn sie sich weigerten - aber auch, wenn sie sich nicht weigerten - tötete er sie...und nahm ihre Frauen zu seiner eigenen Freude mit. Eine DNA-Studie in Asien zeigte kürzlich, wie erfolgreich er war. Die Forscher schätzen, dass er 16 Millionen Nachfahren hat.
Die meisten imperialen Vorgaukler sind weder so ehrlich noch so erfolgreich. Sie zögern, mit ihren privaten Zielen herauszurücken. Stattdessen täuschen sie andere...und oft auch sich selbst. Diese Eitelkeiten und Täuschungen machen die Geschichte der Reiche gleich doppelt unterhaltsam. Es gibt nicht nur Sex und Gewalt sondern auch Täuschungsmanöver und Blödsinn. Man sieht die Mächtigen stürzen... und man sieht auch, dass sie Mitleid erregende Dummköpfe und Lügner sind. Und das macht die Sache auf komische Weise noch zufrieden stellender.
-------------------------------------------------
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Wildt (14.04. 2010 09:04 Uhr):
Beifall! Ihre Reflektion der Geschichte als Abfolge von sexuellen Attraktivitätsstörungen ist erheiternd und sicher treffend. Gern genommen wird hier auch immer wieder Kants Begriff der externen Selbstergänzung, die alle Möchtegerne und Zuwenigkrieger ins Boot holt. Manchmal kann einem jedoch das Lachen im Halse stecken bleiben, wenn mal wieder verkündet wird: Seit 5.45Uhr wird zurückgeschossen...
Antworten - Kommentar von Lützenrath (14.04. 2010 09:12 Uhr):
erfahrungsgemäß fahren Zuhälter die dicksten Sportwagen und nicht Rechtsanwälte. Steckt da ein sozialistischer Neidgedanke hinter?
Antworten - Kommentar von Peter Harting (14.04. 2010 15:06 Uhr):
Die Mächte, die über oder unter den Genen walten, sind indessen nur unter Einsatz von Geist zu erreichen, wobei dann in der Regel mangels zuständiger oder ausgebildeter Organe die Unterhaltung endet.
Antworten
weitere Ausgaben von
Kapitalschutz Akte
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Mittwoch, 16. Mai 2012
Dienstag, 15. Mai 2012
Montag, 14. Mai 2012
alle AusgabenBörsenbrief: Sicheres Geld
Der exklusive Börsendienst, der Ihr Vermögen zuverlässig schützt
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Börsenbrief: Sicheres Geld