100 Gründe ...

in Traders Daily
vom


von Michael Vaupel

Der Ölpreis ist letzte Woche ja etwas zurückgekommen (als Begründung wurden die gestiegenen US-Öllagerbestände genannt ... aber an der grundsätzlichen Angebot/Nachfrage-Situation hat sich nichts geändert) ...


... aber sind die Benzinpreise ebenfalls gefallen? Tja, da müssen wir umdenken: Denn so eindeutig ist der Zusammenhang zwischen Ölpreis (Weltmarkt) und Benzinpreis (vor Ort) nicht. Die großen Ölkonzerne finden immer einen Grund, den Benzinpreis trotzdem oben zu halten.

In der "Basler Zeitung" habe ich eine sehr interessante (nicht ganz ernst gemeinte) Auflistung von Gründen gefunden. Gründe, mit denen eine Benzinpreiserhöhung begründet werden kann. Hier die Gründe:

Die Opec-Länder drosseln ihre Produktion – der Benzinpreis steigt:

Das ist ökonomisch bedingt; das Angebot sinkt bei gleich gebliebener Nachfrage, damit wird die Ware teurer.

Die Opec-Länder steigern ihre Produktion – der Benzinpreis steigt:

Dies ist auf grundlegende ökonomische Gesetze unserer Marktwirtschaft zurückzuführen; die gestiegene Nachfrage nach Tankerkapazität verteuert die Frachtraten überproportional.

Im Nahen Osten herrscht vorüber- gehend Waffenruhe – der Benzinpreis steigt:

Die Ruhe ist trügerisch, die Lager werden vorsorglich aufgefüllt. Die zusätzliche Nachfrage erhöht den Marktpreis.

Im Nahen Osten wird gekämpft – der Benzinpreis steigt:

Hamsterkäufe erhöhen die Nachfrage und damit den Marktpreis.

Die Verbraucher sparen – der Benzinpreis steigt:

Der Minderverbrauch sorgt dafür, dass die Raffinerien weit unterhalb ihrer Kapazität produzieren müssen; das erhöht den Einheitspreis, den in einer Marktwirtschaft die Konsumenten zu tragen haben.

Die Verbraucher sparen nicht – der Benzinpreis steigt:

Die Ölgesellschaften erfüllen eine lebenswichtige Funktion in der Marktwirtschaft; durch Preiserhöhungen wirken sie einer noch größeren Abhängigkeit vom Erdöl entgegen.

Der Dollarkurs steigt – der Benzinpreis steigt:

Alle Erdöl-Kontrakte werden in Dollar abgerechnet; die Konsequenzen für den Preis liegen auf der Hand.

Der Dollarkurs sinkt – der Benzinpreis steigt:

Längst nicht alle Abschlüsse auf dem Spotmarkt in Rotterdam werden in Dollar abgewickelt. Im Übrigen dauert es immer eine gewisse Zeit, bis sich Änderungen beim Verbraucher auswirken.

Die Lager sind randvoll – der Benzinpreis steigt:

Grosse Lagerbestände drücken auf die Gewinnmarge. Die Filialen der grossen Erdölkonzerne leisten freiwillig einen unschätzbaren Beitrag zur Landesversorgung in Notzeiten. In einer Marktwirtschaft ist es nur natürlich, dass sich Konsumenten an den hohen Kosten dafür beteiligen.

Die Lager sind leer – der Benzinpreis steigt:

Die hohen Lagerverluste wurden bisher stets von Erdölgesellschaften zu Lasten ihrer Erfolgsrechnungen getragen. Das ist nicht mehrlänger möglich.

Der durchschnittliche Reingewinn der großen Erdölkonzerne ist gegen über dem Vorjahr um 380 Prozent gestiegen – der Benzinpreis steigt:

Die Zahlen ergeben ein unvollständiges Bild, denn im Benzingeschäft allein sieht die Lage schlecht aus.

Der Reingewinn der großen Erdölkonzerne ist gegenüber dem Vorjahr kaum gestiegen – der Benzinpreis steigt:

In einer freien Marktwirtschaft kann ein Produzent nur mit einer angemessenen Umsatzmarge existieren.

Neue Erdölvorkommen werden entdeckt – der Benzinpreis steigt:

Es gibt noch viel zu tun, packen wir es an. Um die Versorgung in der Zukunft zu sichern, müssen heute gewaltige Investitionen getätigt werden. Bisher ergiebige Ölfelder erschöpfen sich – der Benzinpreis steigt: Es wird immer schwieriger und teurer, der unverminderten Weltnachfrage nach Öl gerecht zu werden.

Viele Grüße,

Michael Vaupel

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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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