100 DM pro Nase
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 29. März 2006 12:00 Uhr
ENL5454
*** Sie werden es mitbekommen haben: Die US-Zentralbank hat die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 4,75 % erhöht. Wichtig auch das, was der Fed-Vorsitzende Ben "Helikopter" Bernanke dazu sagte bzw. nicht sagte. Denn er sagte NICHT, dass dies die letzte Zinserhöhung gewesen ist. Im Gegenteil, er deutete eine weitere Zinserhöhung an.
Damit derzeit am wahrscheinlichsten:
Ein weiterer Zinsschritt – Erhöhung um 25 Basispunkte – bei der nächsten Fed-Sitzung am 10. Mai.
*** Ich hatte ja hier im Trader's Daily über einen der wenigen Lichtblicke berichtet, was kommunale Finanzen betrifft: Die Gemeinde Raesfeld in Westfalen.
Mein Dank geht an die Trader's Daily-Leser Maria S. und Felix K., die mich beide, unabhängig voneinander, auf einen weiteren Lichtblick hingewiesen haben: Die bayrische Stadt Gersthofen (bei Augsburg).
Ich habe mich direkt mal beim Gersthofener "Sachgebietsleiter 1.3 – Finanzen" erkundigt. Und der Hinweis des Lesers wurde bestätigt – aus Gersthofen erhielt ich von einem freundlichen Herrn diese Mitteilung:
"Die Stadt Gersthofen hat zum 31.12.2005 einen Rücklagenbestand von rund 22 Mio. Euro. Dem stehen Schulden von 2,5 Mio. Euro gegenüber. Wegen bestehender Bindungsfristen ist eine Rückzahlung erst im Jahre 2008 möglich.
Also, halten wir fest: Gersthofen ist im Prinzip schuldenfrei (denn die 2,5 Mio. Euro Schulden wären ohne Bindungsfrist längst problemlos getilgt), und mehr als das – die Stadt hat Rücklagen von netto 19,5 Mio. Euro! Und das bei gerade mal gut 21.000 Einwohnern. Vorbildlich!
Die Geschichte geht weiter: Gersthofen führte im Jahr 1999 eine "100-Mark-Aktion" durch. Damals bekam jeder Gersthofener 100,00 DM aus der Stadtkasse ausbezahlt, da diese so brechend voll war. (Wo sonst ist so etwas vorstellbar?)
Gepriesen sei, wer in dieser Stadt lebt ...
Denn die Gersthofener Bürger(innen) profitieren auch weiterhin von den soliden Finanzen ihrer Kommune. Beispiel Büchergeld: In Bayern müssen Schüler(innen) für Schulbücher einen Obulus entrichten, eben das "Büchergeld". Die Stadt Gersthofen beschloss im letzten Jahr kurzerhand: Für die Schüler(innen) unserer Stadt übernehmen wir das – die Eltern müssen dafür keinen Cent aufbringen.
Super, dass es doch noch solche Kommunen in Deutschland gibt! Ich bin wirklich erfreut. Sie sind ein echter Lichtblick im Jammertal der öffentlichen Finanzen.
Gäbe es doch nur mehr solche Städte ... und mehr solche verantwortungsbewussten und kompetenten Männer wie Udo Rößling (Bürgermeister von Raesfeld) und Siegfried Deffner (Bürgermeister von Gersthofen).
Viele Grüße,
Michael Vaupel