1 Billiarde für einen Dollar!
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 16. April 2004 12:00 Uhr
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Da haben wir es: Gestern wurde vermeldet, dass die wöchentliche Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA wieder gestiegen ist, auf 360.000. Was das bedeutet: In der letzten Woche haben 360.000 Amerikaner das erste Mal Arbeitslosenhilfe beantragt! Das ist ein ganz schöner Brocken.
Was nützt eine Wirtschaftserholung, wenn die Leute trotzdem arbeitslos werden? Was nützt ein Wirtschaftswachstum von über 4 %, wenn die Masse der Bevölkerung davon überhaupt nichts mitbekommt? Das sind Fragen, die so langsam in das Bewusstsein der Marktteilnehmer durchsickern ...
Damit die Arbeitslosigkeit in den USA per saldo zurückgeht, muss die wöchentliche Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf jeden Fall unter 350.000 liegen, besser noch bei unter 310.000. Nun, wie gesagt: Letzte Woche lag diese Zahl bei 360.000, davor die Woche bei 330.000 (leicht nach oben korrigierter Wert).
In einem solchen Umfeld kommen Zweifel an der Stärke der amerikanischen Wirtschaftserholung auf. Und das wiederum bedeutet, dass die Erholung des Dollar auslaufen muss. Vielleicht ist sie das übrigens bereits gestern: Der Euro konnte den wichtigen Widerstand bei 1,19 verteidigen und nahm heute schon stramm Kurs auf die 1,20; und der Yen konnte sich gegenüber dem Dollar zumindest stabilisieren. Meiner Ansicht nach ist es nur eine Frage von Tagen – maximal Wochen –, bis beide Währungen gegenüber dem Dollar wieder ganz klar den Vormarsch antreten werden.
Denn es gibt noch einen weiteren, sehr starken Grund dafür, dass der Dollar wieder fallen muss: Die amerikanische Geldmenge explodiert derzeit! Die Fed druckt "auf Teufel komm raus" Geld. Und dem amerikanischen Konsumenten werden neue Kredite förmlich aufgedrängt. Dabei ist er bereits sehr stark verschuldet und spart ohnehin so gut wie nichts! Ist das die Lösung? Das ist doch so, als ob man am Morgen nach einer Party mit viel Alkohol eine Flasche Korn angeboten bekommt ...
Die Rechnung ist einfach: Wenn sich die Dollar-Geldmenge drastisch vergrößert und sonst alles unverändert bleibt, dann wird ein Dollar tendenziell weniger wert. So einfach ist das.
Das war übrigens schon immer so – warum sollte es diesmal anders sein? Extrembeispiel ist natürlich die Weimarer Republik mit ihrer Hyper-Inflation. 1922/23 entschloss sich die damalige Reichsregierung in Zusammenarbeit mit der Reichsbank, einen passiven Streik im Ruhrgebiet (gegen die französische Besatzungsmacht) finanziell zu unterstützen – indem sie einfach Geld drucken ließ, um damit die Streikenden zu bezahlen. Die Folge: Die explodierende deutsche Geldmenge führte dazu, dass der Wechselkurs der Reichsmark gegenüber dem Dollar drastisch einbrach, am Ende mussten mehrere Billiarden (!) Reichsmark für einen einzigen Dollar bezahlt werden. Die Rettung brachte dann die Währungsreform des Jahres 1923. Das sollte eigentlich eine Lehre dafür sein, dass sich das hemmungslose Drucken von Geld ohne Deckung nicht lohnt. Eine Lehre, die leider zunehmend in Vergessenheit zu geraten scheint ...
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Michael Vaupel