Wird die Pleite Griechenlands vorbereitet?
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 5. Oktober 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
Derzeit gibt es Marktgerüchte, Griechenland könne Mitte des Monats endgültig die Zahlungsunfähigkeit erklären. Spätestens dann müsste die EU alle Karten auf den Tisch legen und einen Plan präsentieren, wie mit der Pleite eines Mitgliedsstaates umgegangen werden soll. Dieser Plan wird es sein, der über das weitere Schicksal der Währungsgemeinschaft entscheidet.
Vieles deutet auf eine geplante Pleite hin
Es passt wirklich vieles zusammen. Griechenland wird seine nächste Kredittranche nicht wie geplant ausgezahlt bekommen. Zuvor seien weitere Prüfungen erforderlich, die Tranche werde dann später im November überwiesen. Diese verspätete Überweisung führt jedoch nicht zum Zahlungsausfall - denn Griechenlands Beamte fanden wie durch Zufall rechtzeitig noch Milliarden auf einem offenbar vergessenen Konto - wem ist so etwas nicht schon einmal passiert?
Auch politisch könnte Griechenland neu starten
Zeitgleich erscheinen Meldungen, nach denen der amtierende Ministerpräsident Griechenlands an seinen Rücktritt und Neuwahlen denkt. Er war bislang stärkster Verteidiger der von EU und IWF vorgegebenen Sparmaßnahmen. Sein Rücktritt würde den Weg frei machen für unbelastete Nachfolger. Nachfolger, die nicht für die rigidesten Sparmaßnahmen seit Jahrzehnten verantwortlich gemacht werden können. Nachfolger, mit denen ein Neustart nach Schuldenschnitt und möglicherweise Währungsaustritt möglich wäre.
Auswirkungen einer Staatspleite auf den Euro?
Welche Auswirkungen hätten ein Schuldenschnitt und ein möglicher Austritt aus der Eurozone für Auswirkungen auf den Wechselkurs? Das hängt vor allem von der Art der Lösung ab. Die bisherigen Lösungsversuche machen nicht unbedingt Hoffnung auf eine wohlüberlegte, langfristig tragbare Lösung. Doch nehmen wir einmal an, es wäre eine solche. Nötig wären ein Schuldenschnitt, ein Austritt aus dem Euro, ein umfassendes Reformprogramm, das die verkrustete Bürokratie aufbricht und das Land wettbewerbsfähiger macht. Zu guter Letzt würde ein europäisches Investitionsprogramm nach dem Vorbild des Marshallplans den Konjunkturmotor starten.
Eine gute Lösung wird Euro und Aktien beflügeln
Eine solche Lösung hätte aller Wahrscheinlichkeit nach sehr positive Wirkung auf den Euro und auch die europäischen Aktien. Denn es wäre eine Lösung, die Unsicherheit beseitigt, das Problem an der Wurzel packt und auch nachhaltig beseitigt. Eine Lösung, die in ähnlicher Form auch für andere Problemländer gangbar wäre - wenngleich ein Land wie Irland nicht unbedingt Bürokratieabbau und Investitionsprogramm benötigt, sondern einfach nur einen Schuldenschnitt.
Doch die EU ist nicht bekannt für gute Lösungen
Doch machen wir uns nichts vor - die Liste verfehlter Lösungsideen der EU ist lang. Es würde mich nicht wundern, wenn der Liste ein weiterer untauglicher Versuch hinzugefügt würde. Zum Beispiel ein Schuldenschnitt mit Verbleib Griechenlands in der Eurozone.
Problemvertagung heißt: die Unsicherheit bleibt - und Deutschland profitiert
Eine solche Lösung würde das Problem wieder nur vertagen, keine Unsicherheit beseitigen und den Euro auf dem internationalen Parkett keinen Deut attraktiver machen. Europa hätte endgültig bewiesen, dass es schon von den Problemen eines der unbedeutendsten Mitgliedsländer überfordert wird. Wer wollte in die Währung eines solchen Gebiets investieren?
Ironie der Geschichte wäre, dass Deutschland von einer solch untauglichen Lösung profitieren könnte. Unser Finanzminister müsste kein Investitionsprogramm für Griechenland stemmen und der schwächer werdende Euro wäre ein Segen für unsere Exportindustrie.