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Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 28. Februar 2008 20:45 Uhr
ENL5454
Sehr geehrter Leser,
Gegenwärtig ist der spekulative Faktor sehr massiv im Rohölmarkt vertreten. Dies zeigt sich anhand der wachsenden Anzahl von Netto-Long-Positionen durch die Spekulanten, gemäß den CFTC-Daten.
Sie haben völlig Recht mit ihrer Aussage, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Dies ist die Regel des Marktdreiecks, dem jeder Markt unterliegt. Doch im konkreten Fall handelt es sich nicht um eine physische Nachfrage, sondern um eine – ich drücke es einmal so aus- steigende Nachfrage auf dem Papier. Dies ist möglich durch die Besonderheiten der Terminmarktstrukturen, die es ermöglichen beim Futures-Handel auf die physische Anlieferung zu verzichten.
Doch fühlen Sie sich bitte nicht abgezockt, denn es ist meines Wissens nicht so, dass der Preis durch Absprachen künstlich hoch gehalten wird. Stattdessen ist hier ein starker psychologischer Faktor für die Haltung der Marktteilnehmer verantwortlich.
Dies ist in erster Linie der wachsende Inflationsdruck, der die Rohstoffpreise zusätzlich verteuert. Hinzu kommt dann, bei den kleinsten Anzeichen für eine Verschlechterung der US-Wirtschaft, die Spekulation auf weitere Zinssenkungen durch die FED, was den Inflationsdruck verschärft und die Spekulanten animiert weiterhin auf steigende Rohölpreise zu setzen. Eigentlich eine paradoxe Situation, aufgrund der zeitgleich sinkenden US-Nachfrage.
Im Zuge der wachsenden Inflation allerdings fragen die Anleger inzwischen verstärkt auch Rohöl als Absicherungselement nach. Die Marktteilnehmer setzen hierbei auf Rohstoffe und hier im Besonderen eben auf Rohöl nicht als Rohstoff, der Angebot und Nachfrage unterliegt, sondern auf ein Finanzinstrument zur Absicherung gegenüber der steigenden Inflation.
Die Spekulanten erhalten in ihrer Auffassung zusätzliche Bestätigung durch verschiedene geopolitische Zwischenfälle und der steigenden Rohölnachfrage aus Asien, die zwar Bestand hat aber kurzfristig nicht den zu erwartenden Nachfragerückgang aus den USA substituieren können wird.
Interessant ist hierbei vor allem die Haltung der OPEC, die sogar schon von Förderkürzungen spricht. Grundsätzlich ist die OPEC bestrebt, ein hohes aber tragbares Preisniveau zu unterstützen, um einen Nachfragerückgang zu vermeiden. Entgegen der IEA geht die OPEC davon aus, dass die Versorgungslage gegenwärtig nicht gefährdet ist. Wobei sie Recht behält, bedenkt man die steigenden Lagerbestände. Durch eine Produktionsausweitung könnte die OPEC die Preise senken, doch die OPEC selbst hält den Markt gegenwärtig für überhitzt und würde sich mit einer Ausweitung der Produktion ins eigene Fleisch schneiden.
Dabei hat die OPEC aus der Vergangenheit gelernt. Denn vor der Asienkrise weitete die OPEC auf Druck der Industriestaaten ihre Förderung aus, was sich als gravierender Fehler erwies, als im Zuge der Krise auch der Ölpreis massiv nachgab.
Die OPEC erwartet mit anderen Worten einen weltweiten Rückgang der Nachfragesteigerung nach Rohöl.
Langfristig bin ich zwar, gerade im Hinblick auf den Faktor Asien, vom Potenzial hoher Rohölpreise überzeugt, dennoch halte ich den Markt gegenwärtig für zu hoch gepokert.
Im Angesicht der momentanen Stimmung unter den Spekulanten, könnten die Rohölpreise aber durchaus noch weiter zulegen.
Doch wie Sie auch so schön bemerkt haben: Jede Blase ist zum Platzen da! Also auch diese.
Die Gründe dafür können vielfältig sein. Beispielsweise wenn das von der Bush-Regierung angekündigte Steuererleichterungsprogramm im zweiten Quartal Fuß fasst und sich die negative Stimmung in Bezug auf die Aussichten der US-Wirtschaft verbessern.
Klingt zwar auch paradox, bedeutet aber, dass wenn Vertrauen wieder gefunden wird, Kapital möglicherweise wieder umgeschichtet wird.
So oder so, im Zweifel entscheiden Sie sich gegen die Lemminge und warten ab bis sich der Markt von selbst reguliert. ;-)
So long liebe Leser…ich freue mich im Übrigen über jede Zuschrift…wenn Sie also Lust und Zeit oder Fragen haben, dann schreiben Sie mir…ansonsten bis morgen zum Wochenrückblick
Ihre Miriam Kraus
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