Ein Staatsbankrott trifft Sie ganz persönlich (Teil 4 von 4)
Claus Vogt (Chefredakteur "Sicheres Geld") in Investoren Wissen
vom 10. März 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
(Fortsetzung des Artikels vom Mittwoch den 05.03.10)
Ein Blick auf Japan zeigt, was auch uns passieren kann
Einerseits kann Japan uns wichtige Anhaltspunkte über die weitere Entwicklung der USA und Europas geben. Andererseits halten wir die Wahrscheinlichkeit für groß, dass sich die Lage in Japan schon sehr bald deutlich zuspitzen wird.
Eine Staatskrise in Japan, verbunden mit einem Zusammenbruch des japanischen Rentenmarkts, muss durchaus befürchtet werden. Die weltweiten Auswirkungen dürften verheerend sein, da Japan die zweitgrößte Wirtschaftsnation und einer der größten Gläubiger der USA ist. Deshalb werden wir den japanischen Rentenmarkt und mit ihm die Zinsentwicklung in Japan in den kommenden Monaten und Jahren sehr genau im Auge behalten. Denn nach rund 15 Jahren Preisstabilität im Land der aufgehenden Sonne kann es schon sehr bald zu einer dramatischen Wende und einem scharfen Anziehen der Inflationsraten kommen. Wir halten es durchaus für möglich, dass die nächste ganz große Überraschung für die Finanzmärkte aus dem fernen Japan kommen wird, aus einem Land also, das die meisten Analysten kaum noch näher beobachten. Gibt es eine bessere Voraussetzung für überraschende Entwicklungen?
Was versteht man unter Staatsbankrott?
Im Unterschied zu einem Unternehmensbankrott ist der „Staatsbankrott“ ein relativ schillernder Begriff. Eine sinnvolle Definition lautet:
„Ein Staatsbankrott liegt vor, wenn ein Staat teilweise seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann.“
Allerdings ist auch damit noch herzlich wenig gesagt. Wenn ein Unternehmen bankrott ist, wird ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Wenn ein Staat bankrott ist, geschieht bekanntlich nichts dergleichen. Die betroffenen in- und ausländischen Bürger, deren Ansprüche nicht erfüllt werden, haben keinerlei Handhabe, dagegen vorzugehen – außer eine Revolution bzw. einen Krieg anzuzetteln, was sie ihrem eigentlichen Ziel aber kaum näher bringen wird.
Aus Sicht der (potenziell) Betroffenen stellt sich der Staatsbankrott als ein mehr oder weniger großer Vermögensverlust dar. Aus Sicht des Bürgers und Anlegers müssen wir den Staatsbankrott also unter dem Gesichtspunkt analysieren, wer welche Verluste erleiden wird.
Aufgrund der oben eingeführten Trennung zwischen externen und internen Staatsschulden gibt es zwei analytisch klar zu trennende Verlierer. Wenn der Staat sich entscheidet, seine externen Schulden nicht mehr zu bedienen, erleiden die Besitzer der Staatsanleihen entsprechende Verluste. Bricht der Staat hingegen bestehende Zahlungsversprechungen im Bereich seiner internen Verschuldung, dann erleiden jene Bürger Verluste, die Ansprüche aus den Sozialversicherungssystemen haben. Eine „elegante“ Methode, um beide Gruppen gleichermaßen zu treffen, ergibt sich aus der Möglichkeit zu inflationieren. In diesem Fall werden sämtliche Zahlungsversprechen nominal erfüllt, allerdings mit drastisch entwertetem Geld.
Dieser offensichtliche Betrug am Bürger wurde während der deutschen Hyperinflation der 1920er Jahre übrigens per Gerichtsurteil für rechtens erklärt. Der Zahlungsanspruch der Bürger, so die Meinung der Richter, sei kein Anspruch auf reale Werte, kein Anspruch auf Kaufkraft, sondern lediglich ein nominaler. „Wes Brot ich ess’, des’ Lied ich sing’...“
Der Staatsbankrott ist unabwendbar
Die Sozialsysteme fast aller westlichen Industrienationen – einschließlich Deutschlands und der USA – sind längerfristig nicht bezahlbar. Diese Erkenntnis ist alles andere als neu. Selbst als der damalige Arbeitsminister gebetsmühlenartig wiederholte, dass die Renten sicher seien, war das Gegenteil bereits jedem bekannt, der sich auch nur oberflächlich mit der Dynamik der Umlageverfahren beschäftigt hatte. Sie können mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die meisten Staaten zumindest einen Teil ihrer impliziten Schulden nicht begleichen werden. Konkret bedeutet das, dass Sie selbst Vorsorge für Ihre finanzielle Zukunft treffen müssen – auch wenn Sie jahrzehntelang gezwungen worden sind, Sozialversicherungsbeträge zu bezahlen. In diesem Sinne ist der Staatsbankrott eine ausgemachte Sache. Offen bleibt lediglich die Frage, wann es zu den ersten Einschnitten kommen wird – und ob diese Einschnitte mit Hilfe der Inflation verschleiert werden sollen.
Staatschulden und Inflationen gehen Hand in Hand
Das Buch „Monetary Regimes and Inflation. History, Economic and Political Relationships” des Schweizer Professors und Währungsfachmanns Peter Bernholz (Währungssysteme und Inflation. Geschichte, ökonomische und politische Zusammenhänge), von dem es keine deutsche Übersetzung gibt, habe ich in den vergangenen Jahren schon mehrmals erwähnt. Es handelt sich um eine systematische, empirische Untersuchung von Inflationen.
In unserem Zusammenhang ist Folgendes von überragender Bedeutung: „In der Geschichte gab es keine einzige Hyperinflation, deren Ursache nicht ein großes Staatshaushaltsdefizit war.“ Und an anderer Stelle: „Die Ursache von Hyperinflationen sind immer Staatshaushaltsdefizite, die überwiegend durch Geldschöpfung finanziert werden. Wenn die Inflation sich beschleunigt, tendieren dieses Haushaltsdefizite dazu zu steigen.“
Diese empirischen Befunde sind wichtig für die Beurteilung der aktuellen Lage. Sie reichen zwar nicht aus, um eine große Inflation vorherzusagen. Aber sie machen deutlich, dass das Risiko einer großen Inflation zusammen mit den Staatshaushaltsdefiziten steigt. Mit diesem Wissen tun Sie gut daran, sich vor dem Inflationsszenario durch den Kauf von Gold zu schützen.
Herzlichst, Ihr
Claus Vogt
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