+1000% in 11 Jahren
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 21. Dezember 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Nochmal zum Thema „China und Afrika“. Dazu ein paar Fakten, die ich ganz interessant finde:
Während der afrikanische Handel mit der EU und den USA rückläufig ist, boomt der Handel mit China.
Das Reich der Mitte mischt sich grundsätzlich nicht in die Innenpolitik afrikanischer Staaten an, was gewisse Despoten natürlich freut.
Europas Anteil am Gesamthandel mit dem Afrika südlich der Sahara ist in den vergangenen 10 Jahren von 44% auf 32% zurückgegangen. Gleichzeitig ist der Anteil Chinas von 2% auf 10% angewachsen. Während des gleichen Zeitraums ist der Handel zwischen China und Afrika von 3 Milliarden Dollar 1995 auf 32 Milliarden Dollar (2006) angewachsen, dieses Jahr dürfte es weiter aufwärts gegangen sein.
Wir sprechen hier von mehr als einer Verzehnfachung in 11 Jahren.
Und in den nächsten 3 Jahren soll sich der Wert laut Hu Jintao nochmal verdoppeln. Meine Einschätzung: Wird auch so sein (da Jintao eher unter- als übertreibt). China ist schon jetzt Afrikas drittwichtigster Handelspartnerpartner nach den USA und Frankreich. Und was wollen die Chinesen von Afrika? Lässt sich meiner Ansicht nach mit einem Wort zusammenfassen: ROHSTOFFE!
China hat Afrika aus genau diesem Grund im Fokus. Und die Chinesen gehen es sehr pragmatisch an: Sie bieten einen von der Handelsbilanz her ausgeglichenen Austausch an. Also afrikanische Rohstoffe gegen chinesische Billigwaren. Die haben in Afrika einen Markt, denn bekanntlich fehlt die Kaufkraft für teurere westliche Produkte. Gleichzeitig hält sich China aus der Innenpolitik heraus.
Damit lässt sich die chinesische Strategie gegenüber Afrika auf den Punkt bringen.
Und so einfach diese Herangehensweise ist, so erfolgreich ist sie. Keine andere Macht kann da mithalten.
Dieser starke Boom wird – wie gesagt – nicht dadurch getrübt, dass China sich in die Innenpolitik einmischt. Deshalb gibt es auch keine Probleme im Handel Chinas mit z.B. Simbabwe. Während westliche Staaten Simbabwe wegen seines Präsidenten Robert Mugabe mehr oder weniger boykottieren, freut sich China. Denn dadurch hat es praktisch ohne Konkurrenz auf die zweitgrößten Platin-Vorkommen DER WELT. (Nach Südafrika).
Es geht nicht nur um Platin. In Sambia hat China stark in Kupferminen investiert. Und nach Angola hat China Zehntausende Arbeiter geschickt, die beim Wiederaufbau des Landes helfen. Keine Frage, dass Angola im Gegenzug sein Öl gerne nach China liefert.
Und so weiter, und so fort. Still und heimlich hat sich China Afrika als wichtigen Rohstoff-Lieferanten erschlossen. Und da hat es aus zwei Gründen eine sehr starke Position:
- Ausgeglichener Handel, d.h. keine Ungleichgewichte (Rohstoffe gegen Billigwaren).
- Keinerlei Einmischung in die Innenpolitik. Mögliche Handelskonkurrenten können da nicht mithalten.
Mein Fazit: Wieder mal ein Beispiel dafür, dass wir es bei China mit einer zukünftigen Weltmacht zu tun haben. Ich sage das ganz objektiv, als Beobachter, der dies einfach zur Kenntnis nimmt. Als Trader sage ich: Vom unglaublichen wirtschaftlichem Aufstieg Chinas können wir profitieren.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmes Advents-Wochenende,
Ihr
Michael Vaupel